SpOn 25.02.2026
11:55 Uhr

Presserat rügte 2025 erstmals mehr als 100 Berichte – Rekord


Noch nie hat das Selbstkontrollorgan der deutschen Presse so viele erschienene Beiträge gerügt wie im vergangenen Jahr. Besonders viele Beschwerden verzeichnete der Presserat zur »Bild«-Zeitung.

Presserat rügte 2025 erstmals mehr als 100 Berichte – Rekord

Die zunehmend polarisiert geführten Debatten in Deutschland fordern auch den Deutschen Presserat heraus. Laut dem Jahresbericht 2025 (hier als PDF ) wurden im vergangenen Jahr 2636 Beschwerden an das Selbstkontrollorgan der Presse gerichtet. Sie führten erstmals zu mehr als 100 öffentlichen Rügen wegen des Verstoßes gegen die Regeln des professionellen Journalismus. Die Zahl war seit der Gründung des Presserats 1956 noch nie so hoch.

2025 bildete vor allem die Berichterstattung über den Nahostkonflikt einen Schwerpunkt. Allein 328 davon richteten sich gegen einen »Bild«-Beitrag , in dem der Tod des Al-Jazeera-Korrespondenten Anas Al-Sharif mit der Zeile »Als Journalist getarnter Terrorist in Gaza getötet« überschrieben worden war. Diese Behauptung wurde auf nicht nachprüfbare Belege gestützt, der Beschwerdeausschuss wertete dies als Verstoß gegen die Sorgfaltspflicht sowie als Verletzung der persönlichen Ehre des Journalisten. Der Presserat betont, dass er seine Entscheidungen stets ohne Ansehen der Person oder Bewertung politischer Haltungen trifft. Der für alle gleichermaßen geltende, alleinige Maßstab ist der Pressekodex .

»Bild« führt Rügenstatistik an

2025 sprachen die Beschwerdeausschüsse laut Jahresbericht 102 Rügen, 130 Missbilligungen und 139 Hinweise aus. Mit mehr als 40 Prozent wurde dabei eine Verletzung der journalistischen Sorgfaltspflicht am häufigsten moniert. In 30 Fällen – und damit auf Platz zwei – wurden mediale Verletzungen des Persönlichkeitsschutzes gerügt. Weitere Rügen betrafen Sensationsberichterstattung und mit steigender Tendenz die fehlende Trennung zwischen Werbung und Redaktion.

Pressekodex in Heftform: Verstöße gegen Sorgfaltspflicht

Pressekodex in Heftform: Verstöße gegen Sorgfaltspflicht

Foto: Annette Riedl / dpa

Von den öffentlichen Rügen wurden bislang 82 publik gemacht, das sind rund 84 Prozent, im Vorjahr waren es noch 86 Prozent. Eine Möglichkeit, die Veröffentlichung zu erzwingen, oder andere Sanktionsmöglichkeiten hat der Presserat nicht. Mehr als jeder dritte Artikel, den der Presserat prüfte, stammte von einer Regionalzeitung, gefolgt von Boulevardmedien und Publikumszeitschriften. Mit 38 Rügen lag »Bild« (inklusive Ablegern) an der Spitze der Statistik.

Der Presserat ist aber längst nicht mehr nur für klassische Zeitungen und Zeitschriften zuständig. Auch deren Onlineangebote fallen in seinen Aufgabenbereich. Und auch Onlinedienste, die nicht an ein noch gedruckt erscheinendes Medium gekoppelt sind, können sich der Aufsicht durch den Deutschen Presserat unterwerfen. 2026, im Jahr seines 70. Geburtstags, sei der Presserat so wichtig, aber so gefordert wie nie zuvor, heißt es im Jahresbericht: »Pressefreiheit wird vor staatlicher Intervention geschützt, indem die Presse selbst für die Qualität und Integrität ihrer Berichterstattung einsteht.«

feb/KNA