SpOn 03.01.2026
13:00 Uhr

Präsident Maduro wurde offenbar von US-Eliteeinheit gefangen genommen


Der Konflikt zwischen Washington und Caracas eskaliert: US-Einheiten fliegen Angriffe auf Caracas, Elitesoldaten der Delta Force nehmen Präsident Maduro gefangen. Was bislang über die Lage bekannt ist.

Präsident Maduro wurde offenbar von US-Eliteeinheit gefangen genommen

Was ist passiert?

US-Einheiten haben laut Präsident Donald Trump bei einem nächtlichen Überfall offenbar Venezuelas Machthaber Nicolás Maduro gefangen genommen und außer Landes gebracht. Laut US-Medienberichten soll der Zugriff durch Mitglieder der US-Eliteeinheit Delta Force erfolgt sein.

Einheiten der USA hatten in der Nacht auf Samstag massive Angriffe im Großraum von Venezuelas Hauptstadt Caracas vorgenommen. Augenzeugenvideos zeigen heftige Explosionen: Ab etwa zwei Uhr nachts Ortszeit stiegen Feuerbälle in den Himmel. Aufnahmen zeigten US-Kampfhubschrauber im Tiefflug.

Explosion in Caracas in der Nacht zum 3. Januar

Explosion in Caracas in der Nacht zum 3. Januar

Foto: Video Obtained By Reuters / REUTERS

Unter den angegriffenen Objekten befindet sich die Militärbasis Fuerte Tiuna, einer der größten Stützpunkte des Landes. Explosionen ereigneten sich auch an der La Carlota Air Base, einem Luftwaffenstützpunkt. Ebenfalls im Visier der US-Angreifer: Kommunikationseinrichtungen des Militärs, Flughäfen und Hafeneinrichtungen. Berichte über die Zahl von möglichen Todesopfern und Verletzten gibt es bislang nicht.

Einem Medienbericht zufolge war die Operation wohl seit Längerem geplant. Militärvertreter hätten erwogen, die Attacken an Weihnachten durchzuführen, berichtete der US-Nachrichtensender CBS News unter Berufung auf zwei mit der Angelegenheit vertraute Personen. Aufgrund der US-Luftschläge in Nigeria gegen Ziele des »Islamischen Staates« (IS) seien die Pläne dann allerdings verschoben worden.

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Wer ist Nicolás Maduro?

Seit 2013 ist Maduro Präsident von Venezuela – und damit Nachfolger des Langzeit-Staatschefs Hugo Chávez. Chávez hatte seit seiner Wahl 1999 ein sozialistisches Regime in Venezuela errichtet und unter anderem weite Teile der Ölindustrie verstaatlicht. 2013 starb der charismatische Volkstribun Chávez – und erkor Maduro zu seinem Nachfolger.

Venezuelas Machthaber Nicolás Maduro

Venezuelas Machthaber Nicolás Maduro

Foto:

Juan Barreto / AFP

Maduro klammert sich seit Jahren mit Unterdrückung und Gewalt an die Macht. 2024 unterlag er bei der Präsidentschaftswahl der Oppositionskandidatin María Corina Machado, die zuletzt mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde. Maduro ließ sich dennoch zum Wahlsieger erklären.

Internationale Organisationen und Menschenrechtler werfen Maduros Regierung die Unterdrückung von politisch Andersdenkenden, willkürliche Festnahmen von Regierungsgegnern, Folter und Gewalt vor. Trotz teilweise massiver Proteste gegen seine Regierung in der Vergangenheit saß Maduro fest im Sattel – vor allem, weil ihm das Militär die Treue hielt.

Was hat Washington mit Maduro vor?

Präsident Trump hat die Festnahme von Maduro auf seinem persönlichen Social-Media-Netzwerk Truth Social verkündet. Venezuelas Machthaber sei gemeinsam mit seiner Frau gefangen genommen worden. Die Operation sei gemeinsam mit Stellen der US-Justiz durchgeführt worden, so Trump. Das könnte ein Hinweis sein, dass Trump Maduro vor Gericht stellen lassen will.

Das US-Außenministerium hat mitgeteilt, man wolle sicherstellen, dass Maduro »sich endlich für seine Verbrechen verantworten muss«. Aktuell ist unklar, wo sich Maduro genau befindet und wohin er gebracht wird. Trump hat für 11 Uhr Ortszeit in den USA (17 Uhr MEZ) eine Pressekonferenz angekündigt.

US-Justizministerin Pam Bondi ließ wissen, Maduro würden unter anderem Verbrechen in Zusammenhang mit Drogenhandel vorgeworfen. Er solle in New York angeklagt werden.

Wie reagiert Venezuela?

Der Verteidigungsminister des südamerikanischen Landes hat zum Widerstand aufgerufen. »Sie haben uns angegriffen, aber sie werden uns nicht brechen«, sagte Vladimir Padrino in einer Videobotschaft. »Vereint bilden Soldaten und das Volk eine unzerstörbare Mauer des Widerstands.« Alle Truppen würden zur Landesverteidigung eingesetzt.

Die Regierung erklärte die Ausrufung des Ausnahmezustands. Damit könnte die Regierung Grundrechte weiter einschränken, die Streitkräfte und zivile Milizen aktivieren, die Kontrolle über Medien und die öffentliche Ordnung weiter verschärfen sowie eine bewaffnete Verteidigung vorbereiten. Zugleich rief die Regierung die Bevölkerung auf, sich zur Verteidigung gegen »die imperialistische Aggression« zu erheben. »Das Volk Venezuelas und seine bolivarischen Streitkräfte stehen bereit, um die Souveränität und den Frieden zu sichern«, hieß es weiter.

Fraglich ist allerdings, über welche Möglichkeiten Venezuelas Militär tatsächlich verfügt. Nominell hat das Land zwar mehrere Hunderttausend Soldaten, allerdings gibt es Zweifel an der Einsatzfähigkeit vieler Einheiten. Bemerkenswert auch: Videoaufnahmen der US-Schläge zeigen keine Hinweise auf nennenswerte Gegenwehr. Dabei verfügt Venezuela auf dem Papier über Luftverteidigungssysteme russischer und sowjetischer Bauart.

Was sind die Gründe des Konflikts?

Die Spannungen zwischen Chávez und Maduro einerseits und Washington andererseits haben eine lange Vorgeschichte. Unter Chávez hatte sich Venezuela zeitweise zu einem Machtzentrum in Südamerika und der Karibik entwickelt, das gegen US-Interessen gerichtete Politik verfolgte. So unterstützte Venezuela lange das Regime in Kuba.

Es gab aber auch eine wirtschaftliche Komponente: Von der weitgehenden Verstaatlichung des Ölgeschäfts unter Chávez betroffen waren auch zahlreiche US-Konzerne. Das US-Unternehmen Chevron allerdings war auch bis zuletzt noch in Venezuela aktiv, mit Erlaubnis der Führung in Caracas.

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Die Führung in Caracas verkündet denn auch, Ziel der US-Schläge sei »nichts anderes, als sich Venezuelas strategischer Ressourcen zu bemächtigen, insbesondere seines Erdöls und seiner Mineralien«.

Im Oktober berichtete die »New York Times«  von Geheimverhandlungen zwischen Washington und Caracas. Maduro habe dabei unter anderem eine Beteiligung von US-Konzernen am Ölgeschäft angeboten. Die US-Seite wiederum schlug einen Rückzug des Machthabers vor, im Gegenzug für weitgehende Straffreiheit. Die Verhandlungen scheiterten.

Im Herbst dann erhöhten die USA den militärischen Druck. Sie starteten »Operation Southern Spear« in der Karibik und verlegten unter anderem über 15.000 Soldaten, einen Flugzeugträger und weitere Kriegsschiffe in die Region. Im Zuge dieser Operation wurden seit September bei Angriffen auf mutmaßliche Drogenschmugglerboote über 100 Menschen getötet.

Internationale Reaktionen: Kolumbien entsetzt, Europa verhalten

Russland hat den US-Militärangriff auf Venezuela mit deutlichen Worten verurteilt. Das Vorgehen sei »zutiefst beunruhigend und verwerflich«, erklärte das russische Außenministerium in Moskau am Samstag.

Der Präsident des Nachbarlandes Kolumbien zeigte sich alarmiert. »In diesem Moment wird Caracas bombardiert. Alarm an alle: Venezuela wurde angegriffen. Sie beschießen es mit Raketen«, schrieb Staatschef Gustavo Petro auf der Plattform X. »Die Organisation Amerikanischer Staaten und die Vereinten Nationen sollten sofort zusammentreten«, forderte er.

Im Auswärtigen Amt kommt heute der Krisenstab der Bundesregierung zusammen. »Wir ‌beobachten die Lage in Venezuela sehr aufmerksam und verfolgen die aktuellen Meldungen mit größter Sorge«, heißt es im Außenministerium. Das Auswärtige Amt stehe in engem Kontakt mit der Botschaft in Caracas. Die Lage sei derzeit »in Teilen noch unübersichtlich«. Die Bundesregierung stimme sich eng mit den Partnern ab.

Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas sagte, Venezuelas Präsident Nicolás Maduro verfüge über »keine Legitimität«. Sie fügte hinzu, dass sie angesichts der Situation Zurückhaltung und die Einhaltung des Völkerrechts gefordert habe. »Ich habe mit Außenminister Marco Rubio und unserem Botschafter in Caracas gesprochen. Die EU beobachtet die Lage in Venezuela aufmerksam«, teile Kallas über den Nachrichtendienst X mit.

Mit Material der Nachrichtenagenturen dpa, AFP und Reuters

beb