Nach heftigen Unwettern in der vergangenen Woche kommt Portugal nicht zur Ruhe. Der nationale Wetterdienst Ipma warnt aktuell vor einem Atlantiktief mit ergiebigen Niederschlägen, vor stürmischen Winden und hohem Wellengang an den Küsten.
Sorgen bereitet den Meteorologen vor allem, dass die Böden bereits von den Niederschlägen der vorherigen Stürme gesättigt sind und kaum noch zusätzliche Wassermengen aufnehmen können. Damit steige die Gefahr von Erdrutschen. Zudem seien Staudämme bereits voll und müssten aus Sicherheitsgründen Wasser ablassen, was zu weiteren Überschwemmungen führen könne, berichtete der staatliche TV-Sender RTP.
Für Dienstagabend wird eine weitere Regenfront erwartet. Die Behörden riefen die Menschen auf, ihr Hab und Gut, Autos sowie auch Vieh rechtzeitig aus niedrig gelegenen Flächen zu bringen. Mit Überschwemmungen wird vor allem entlang der Flüsse Mondego, Douro, Águeda und Tejo gerechnet.
In den vergangenen zehn Tagen waren bereits drei schwere Stürme über Portugal hinweggefegt. Am verheerendsten war der Sturm »Kristin«, der vergangenen Mittwoch vor allem die Mitte des Landes traf und schwere Verwüstungen anrichtete. Es wurden Windgeschwindigkeiten von mehr als 200 Kilometern pro Stunde gemessen, was sonst eher bei tropischen Wirbelstürmen in anderen Weltregionen beobachtet wird.
Mindestens fünf Menschen kamen ums Leben, Hunderttausende Haushalte waren zeitweise ohne Strom und Internet. Der Verkehr wurde durch umgestürzte Bäume, Überschwemmungen und Erdrutsche stark beeinträchtigt. Tausende Dächer wurden beschädigt. »Das Ausmaß der Schäden ist enorm«, sagte Regierungssprecher António Leitão Amaro bei einem Besuch im Katastrophengebiet in Begleitung von EU-Energiekommissar Dan Jørgensen.
Am Sonntag waren immer noch 180.000 Haushalte und Gewerbebetriebe ohne Strom, vielerorts funktionierten auch Telefon- und Internetverbindungen noch nicht wieder. Für rund 60 Gemeinden wurde der Notstand ausgerufen, um schnellere Hilfe zu ermöglichen. Dem Land stehe eine »sehr schwierige Woche« bevor, hatte der Chef der Umweltbehörde, José Pimenta Machado, am Freitag bei einer Pressekonferenz gewarnt.
