SpOn 09.12.2025
15:11 Uhr

Pornokonsum von Kindern und Jugendlichen in Deutschland steigt deutlich


Fast die Hälfte der 11- bis 17-Jährigen hat bereits Pornos gesehen, zeigt eine neue Studie. Die meisten halten die gezeigten Praktiken für realistisch – unter den Jüngsten ist der Anteil besonders hoch.

Pornokonsum von Kindern und Jugendlichen in Deutschland steigt deutlich

Der Pornokonsum von Kindern und Jugendlichen ist deutlich angestiegen. Fast die Hälfte der 11- bis 17-Jährigen hat 2025 Erfahrungen mit pornografischen Inhalten gemacht, wie eine in Düsseldorf veröffentlichte repräsentative Umfrage der Medienanstalt NRW ergab.

Demnach hat fast die Hälfte der 11- bis 17-Jährigen bereits Pornos gesehen. Der Anteil der Minderjährigen, die solche Inhalte konsumieren, stieg binnen zwei Jahren deutlich von 35 auf 47 Prozent. Mehr als die Hälfte dieser Gruppe sehe den ersten Porno bereits vor dem 14. Geburtstag.

Jeder Vierte sieht pornografische Inhalte unfreiwillig

Ein Viertel der Minderjährigen gab an, dass ihnen die pornografischen Inhalte unfreiwillig gezeigt oder zugeschickt wurden. Der Pornokonsum hat laut der Studie Einfluss auf die eigene Sexualentwicklung: Nur ein Viertel der Befragten bewertete die Pornos als unrealistisch. Bei den 11- bis 13-jährigen Jungen waren es sogar nur 19 Prozent. Zugleich gab der Studie zufolge mehr als ein Drittel an, Inhalte aus Pornos selbst ausprobieren zu wollen. Jungen äußerten dies häufiger als Mädchen.

Der Direktor der Landesanstalt für Medien NRW, Tobias Schmid, nannte die Ergebnisse erschreckend. Er warf den großen Pornoplattformen ein rücksichtsloses Vorgehen vor, weil sie einfachste Schutzmechanismen nicht umsetzten. »Jugendmedienschutz hat die Aufgabe, die Schwächsten unserer Gesellschaft – Kinder – vor Inhalten zu schützen, die sie nicht einordnen können und die sie verunsichern und verstören«, so Schmid.

Sexting nimmt zu – auch unfreiwilliges

Auch Sexting – das gegenseitige Versenden sexueller Inhalte – nehme zu. Zehn Prozent der Befragten hätten bereits selbst intime Inhalte verschickt. 2023 waren es nur sechs Prozent. Rund ein Drittel habe solche Nachrichten erhalten – in den meisten Fällen ungefragt. Mädchen seien davon häufiger betroffen. Einige Jugendliche berichteten, beim Sexting zu Handlungen überredet worden zu sein, die sie nicht wollten.

Mehr zum Thema

Ein neues Phänomen: Fast jeder zehnte Jugendliche nutze inzwischen KI-gestützte Chatbots, um sich über Sexualität zu informieren.

Für die repräsentative Studie wurden bundesweit fast 3000 Kinder und Jugendliche zwischen 11 und 17 Jahren befragt. Die Landesanstalt für Medien NRW versucht seit Längerem vergeblich, die gesetzlich vorgeschriebenen Altersverifikationssysteme bei den Betreibern von Pornoportalen durchzusetzen.

mgr/dpa/KNA