SpOn 13.01.2026
11:55 Uhr

Pompeji: Badegäste tauchten ins Schmuddelwasser


Von wegen Luxus-Spa: Wasser musste im frühen Pompeji mühsam geschöpft werden und wurde darum in Badeanstalten nur selten gewechselt. Forscher haben Rückstände von Schweiß, Hauttalg und Urin gefunden.

Pompeji: Badegäste tauchten ins Schmuddelwasser

Um die Wasserqualität in den Bädern des antiken Pompeji war es nach jüngsten Erkenntnissen nicht sonderlich gut bestellt – zumindest in der frühen Phase der Stadt. Bis kurz vor Christi Geburt stammte das Badewasser aus Brunnen, musste aufwendig mithilfe von Sklaven nach oben befördert werden und wurde darum vergleichsweise selten erneuert. Das besserte sich erst im späten 1. Jahrhundert vor Christus, wie ein Forschungsteam um Gül Sürmelihindi  von der Universität Mainz im Fachjournal »PNAS«  berichtet.

Das Team analysierte Überreste des Wasserversorgungssystems der im 6. Jahrhundert vor Christus gegründeten Stadt bei Neapel, die beim Ausbruch des Vesuv im Jahr 79 verschüttet und so im damaligen Zustand konserviert wurde. Dabei konzentrierten sich die Wissenschaftler auf die Zusammensetzung von Ablagerungen an verschiedenen Stellen des Wassersystems. So rekonstruierten sie, wie sich Pompejis Wasserversorgung und -qualität im Laufe der Zeit änderten.

Sklaven förderten Wasser per Tretrad und Hebemaschine

Demnach gewannen die Menschen ihr Wasser zunächst aus bis zu 40 Meter tiefen Brunnen. Die Analyse von Kohlenstoffisotopen in den Ablagerungen ergab, dass das Wasser in den um 130 vor Christus angelegten öffentlichen Badeanlagen der Stadt anfangs nicht den hohen Hygienestandards entsprach, wie man sie den Römern üblicherweise zuschreibt.

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Die Ablagerungen enthielten organische Verunreinigungen, was auf eine Verschmutzung etwa durch Schweiß, Hauttalg und Urin hinweist, erklärte Erstautorin Sürmelihindi. Vermutlich sei das Wasser nur etwa einmal täglich gewechselt worden. Verwunderlich sei das nicht. »Schließlich wurden die Bäder mit einer Wasserhebemaschine versorgt, die von Sklaven über eine Art Tretrad angetrieben wurde.«

Oberirdische Wasserleitung machte mehr Wasser verfügbar

Erst später verbesserte sich die Technik zur Wasserversorgung in der Stadt. Im späten ersten Jahrhundert vor Christus seien die Bäder wahrscheinlich an das Serino-Aquädukt angeschlossen worden. Dieses oberirdische, insgesamt 145 Kilometer lange Leitungsnetz machte viel mehr Wasser aus der Umgebung verfügbar und ermöglichte einen häufigeren Austausch in den Bädern.

Noch etwas konnten die Wissenschaftler der Uni zufolge aus den Ablagerungen in den Bädern herauslesen: Sie fanden eigentümliche zyklische, also kreisrunde Muster. Die führt der Mainzer Co-Autor Cees Passchier auf eine schwankende Menge an vulkanischem Kohlendioxid im Grundwasser zurück. Diese könnte Folge einer Aktivität des Vesuv gewesen sein, lange bevor dessen Ausbruch die Stadt unter Asche begrub.

alw/dpa