Die Pariser Staatsanwaltschaft hat die französischen Büros von Elon Musks sozialem Netzwerk X durchsuchen lassen. Dem Unternehmen wird unter anderem vorgeworfen, Beihilfe bei der Verbreitung sexualisierter Bilder Minderjähriger geleistet zu haben und mithilfe von Algorithmen die öffentliche Debatte manipuliert zu haben.
Damit reagieren die Ermittler auf einen Skandal, der weltweit für Aufsehen gesorgt hatte: Durch eine neue Bildbearbeitungsfunktion des KI-Chatbots Grok konnten Nutzer über Wochen massenhaft sexualisierte Bilder von Frauen und Minderjährigen erstellen. Mehr dazu hier.
Nicht nur Nutzer als Verantwortliche
Mittlerweile haben Behörden in den Vereinigten Staaten, Australien, Kanada, Frankreich, Indien und Großbritannien auf Groks Bildgenerierung reagiert und teilweise Ermittlungen eingeleitet. Indonesien, Malaysia und die Philippinen hatten Grok vorübergehend gesperrt. Musk reagierte auf die massive Kritik mit Einschränkungen und Zugeständnissen, machte aber zugleich die Nutzer der Plattform für illegale Inhalte verantwortlich.
Laut einer Mitteilung der Staatsanwaltschaft auf X wurden die Büros von einer französischen Cybercrime-Einheit unter Beteiligung von Europol durchsucht. Besitzer Elon Musk und die ehemalige CEO Linda Yaccarino wurden für den 20. April im Rahmen ihrer Ermittlungen gegen X als Zeugen vorgeladen. Es handelt sich um eine freiwillige Anhörung, betont die Staatsanwaltschaft. Weitere X-Mitarbeiter sollen ebenfalls aussagen. X reagierte auf Medienanfragen bisher nicht.
Ermittlungen wegen mutmaßlicher veränderter Algorithmen
Bereits im Januar 2025 hat die Pariser Staatsanwaltschaft Ermittlungen eingeleitet, nachdem sie von dem Abgeordneten Eric Bothorel kontaktiert worden war, der der Regierungspartei Renaissance angehört. Hintergrund waren die Änderungen der Algorithmen auf der Plattform, die darüber bestimmen, welche Inhalte auf der Plattform große Reichweite bekommen.
Nach der Übernahme der Plattform ließ Elon Musk die Funktionsweise der Plattform fundamental ändern und versuchte immer wieder persönlich in die Wahlkämpfe anderer Länder einzugreifen. Nach den Vorwürfen des Abgeordneten komme das Ergebnis einer strafbaren Manipulation gleich. Ein hoher Beamter erklärte laut der Zeitung »Le Monde« , dass die Änderungen am Algorithmus von X zu einer Überrepräsentation von »widerlichen politischen Inhalten« geführt hätten.
- Deepfakes: Nutzer können Grok weiterhin missbrauchen und Personen digital ausziehen Von Anna-Lena Schou und Kim Staudt
- Deepfakes auf X: Mutter von Elon Musks Kind verklagt seine Firma wegen gefälschter Nacktbilder
- Deepfakes auf X: »Als würde man jemandem eine Waffe in die Hand drücken« Ein Interview von Pascal Mühle
Die mit der Durchsuchung beauftragte Cybercrime-Einheit leitete bereits die Ermittlungen gegen Telegram-Chef Pawel Durow, der 2024 auf einem Pariser Flughafen festgenommen wurde. Durow wurde inzwischen gegen eine Kaution freigelassen. Er bestreitet die Vorwürfe , aber Telegram hat seitdem erklärt, enger mit der Polizei zusammenzuarbeiten. Bei diesem Fall entschied sich die Staatsanwaltschaft, wegen der mutmaßlich strafbaren einzelnen Inhalte auf der Plattform gegen die Betreiber statt lediglich gegen Nutzer vorzugehen.
