Mit Herbstbeginn zieht es viele Pilzsammler in die Wälder. Doch nach wochenlanger Sommerdürre sind die Böden in manchen Regionen Deutschlands noch immer stark ausgetrocknet. Besonders im Süden fällt die Ausbeute in Teilen Hessens, Baden-Württembergs, Bayerns und Rheinland-Pfalz’ Experten zufolge mager aus.
»Mein Pessimismus ist nach wie vor hoch«, sagt der Pilzsachverständige Thomas Lehr aus Hofheim am Taunus mit Blick auf die Hauptsaison vieler Speisepilze im Oktober. Im Rhein-Main-Gebiet sei es »knochentrocken« – abgesehen von den höheren Lagen. Dazu kämen in den nächsten Tagen sommerliche Temperaturen um 25 Grad. Wo es mehr regne, gebe es auch mehr Pilze, sagt Lehr. Die Funde könnten deshalb lokal stark variieren. Langanhaltende Dürre sei für ihn kein neues Problem: Auch vor den besseren Jahren 2022 bis 2024 habe es sie gegeben.
Wenige Pilze in Bayern
Auch in Bayern fällt die Saison für Hobby-Sammler und Experten enttäuschend aus. In Wäldern und auf Wiesen finden sich ungewöhnlich wenige Pilze, teilten der Landesbund für Vogel- und Naturschutz (LBV), die Bayerische Mykologische Gesellschaft (BMG) und die Universität Bayreuth vergangene Woche mit. Die Böden seien vielerorts stark ausgetrocknet. Zwar hätten jüngste Niederschläge regional etwas Entspannung gebracht, teils reiche die Feuchtigkeit aber nicht aus, damit die unterirdischen Pilzgeflechte Fruchtkörper bilden. Diese dienen der Fortpflanzung und Verbreitung der Sporen.
Pilzsammeln mit Apps: Nur Pilze mitnehmen, bei denen man sich hundertprozentig sicher ist
Foto: JaRu Creative Studio / CHROMORANGE / picture allianceTrockene Sommer träten infolge der Klimakrise häufiger auf und setzten viele Pilzarten unter Druck, heißt es. Einzelne Dürreperioden könnten viele Arten überstehen, sagte BMG-Vorsitzender Christoph Hahn. »Problematisch wird es, wenn Trockenjahre immer häufiger auftreten und die Erholungsphasen dazwischen ausbleiben.«
Wenig Funde bedeuteten nicht automatisch, dass Arten verschwunden seien, erklärte Lotte Krüger vom LBV: »Das eigentliche Pilzgeflecht lebt verborgen im Boden und kann dort überdauern, bis die Bedingungen wieder günstiger werden. Wir hoffen deshalb, dass sich die Pilzsaison lediglich verzögert hat.« Die Zeit könnte jedoch knapp werden: Im Bayerischen Wald und in den Alpen seien ab Mitte Oktober erste Bodenfröste möglich.
Kaum Steinpilze erwartet
Auch wenn die Lage regional besser ist: Manche Speisepilze, etwa Steinpilze, könnten in diesem Jahr selten sein, sagt der Pilzsachverständige Alex Maier aus Fulda. Für mehr Pilze brauche es zwei bis drei Wochen anhaltenden Regen.
Die Trockenheit spürt auch die Darmstädter Pilzsachverständige Irmtraut Lampert. Bei einer Führung hätten sie und die Teilnehmenden zwar Pilze gefunden, aber nur wenige Speisepilze. In Südhessen sehe es schlecht aus, aber Odenwald gebe es durchaus noch Fundorte, sagt Lampert. Sie rät, auch an Bäumen nach Pilzen zu suchen. In ihrer Gegend seien viele Kiefern abgestorben – das könne der Krausen Glucke, auch Fette Henne genannt, zugutekommen. »Die sieht aus wie ein Badeschwamm.« An Bäumen wachsen demnach auch Austernseitlinge und Schwefelporlinge.
Tipps für Pilzsammler
Sammler sollten in den kommenden Tagen und Wochen die Niederschläge beobachten. Neben Regenkarten empfiehlt der hessische Experte Lehr, auch Messungen zur Bodenfeuchte heranzuziehen. Der Deutsche Wetterdienst veröffentlicht solche Daten; seine Messstationen zeigen unter anderem Verdunstung und verfügbares Bodenwasser.
Experten raten dazu besonders an dauerhaft feuchten, moorigen oder sumpfigen Stellen zu suchen. Der Pilzsachverständige Alex Maier aus Fulda empfiehlt die Nordseite eines Waldes: Sie sei feuchter und weniger der Sonne ausgesetzt als die Südseite.
Wer bis zum Ende der klassischen Pilzsaison Anfang November sucht, sollte auch bei magerer Ausbeute die Sammelregeln beachten. »Man sollte nur die Pilze essen, bei denen man sich hundertprozentig sicher ist«, sagt Maier. Überalterte oder sehr große Pilze sollten im Wald bleiben: Sie schmeckten nicht mehr und könnten verdorben sein. »Nehmen Sie hinsichtlich der Qualität nur die Pilze mit, die Sie auch auf dem Markt kaufen würden«, rät die Pilzgesellschaft.
