Ein überfüllter McDonald's bei Rottweil. Gleich soll Prominenz vorfahren: Ein Social-Media-Star der CDU wird erwartet. Er soll dem örtlichen Landtagsabgeordnete der CDU, Stefan Teufel, zum Wahlsieg verhelfen. Am 8. März ist Landtagswahl in Baden-Württemberg.
Der CDU in Baden-Württemberg fehlt die Reichweite, besonders bei jungen Leuten. Da kommt Philipp Amthor, Deutschlands jüngster parlamentarischer Staatssekretär mit der Ausstrahlung eines Oberstudienrats, gerade recht.
Stefan Teufel, CDU-Landtagsabgeordneter:
»Herzlich Willkommen zum Late-Night-Talk mit Philipp Amthor in Zimmern ob Rottweil.«
Philipp Amthor, CDU:
»Ist doch kein Problem, wenn du dann aus dem Schwarzwald kommst, 21.30 Uhr ist hier auch noch Action, treffen wir uns beim McDonalds, machen wir ein bisschen Burger- und Bürgerdialog und ich freue mich, dass so viele da sind.«
Für den »Burger-Dialog« hat sich die Rottweiler CDU mit dem Inhaber der Filiale verbündet. Das Fast-Food-Restaurant sponsort die Burger, die Partei füllt den Raum. Amthor beantwortet Fragen und macht anschließend Selfies. Vielleicht erreicht man ja so die jungen Wähler. Der Mann aus dem Digitalministerium sucht nach Anknüpfungspunkten.
Philipp Amthor, CDU:
»Ich bin ja dankbar, dass Sie die McDonald’s-App angesprochen haben. Ich erspare mir jetzt den Flex, mein Punktekonto dort darzustellen, denn Sie können sich vorstellen, dass das durchaus wächst bei dem einen oder anderen Wahlkampftermin.«
Zuhörer:
»Also es ist schon interessant, dass ausgerechnet die CDU ziemlich viel mit McDonald's wirbt, also auch wenn ich jetzt an den Markus Söder denke oder an den Friedrich Merz. Ist außergewöhnlich.«
Versucht Amthor seinem bayerischen Kollegen nachzueifern? Wird es bald den Hashtag »Amthor isst« geben?
Philipp Amthor, CDU:
»Mein Hashtag ist ja ›#Sachthemen‹ und deswegen gibt es ja auch kein #amthorisst, bei mir geht es um die Sache.«
Bevor es aber wieder um Amthors Sachthemen geht, geht es erstmal um Amthors Lieblingsburger:
Philipp Amthor, CDU:
»Und wo ist die berühmte McRib-Soße?«
Philipp Amthor, CDU:
»Selbst gemacht … Und ich habe auch von Maria-Lena gelernt, wie der schwäbische Fachbegriff ist. Das ist ein richtiges ›Rumgeschmotze‹ mit so einem McRib.«
Maria-Lena Weiss, CDU-Bundestagsabgeordnete aus Rottweil:
»Sehr gut, sehr gut.«
Nächster Tag, nächster Wahlkampftermin. Mittagspause an einem Schulgelände in Bietigheim. Hier setzt die CDU ihren Social-Media-Star perfekt für die Jugend in Szene.
Philipp Amthor, CDU:
»Oft fragen mich junge Leute: Wann kommt endlich die Döner-Preisbremse? Eine Antwort ist, man könnte sagen: genug Schabernack. Die andere Antwort ist: In Bietigheim-Bissingen gibt es sie schon.«
Hier gibt es einen besonderen Deal: Wer ein Selfie mit Amthor und dem – zugegeben – weniger bekannten lokalen CDU-Kandidaten Tobias Vogt macht, zahlt für den Döner nur noch 3 Euro. Kommen die Schüler überhaupt wegen Amthor?
Schüler:
»Wir sind wegen dem Döner da, aber natürlich auch Prominenz, das hat man nicht alle Tage so. Dass so ein Politiker nach Bietigheim kommt, das ist schon ein cooles Event auf jeden Fall, ja.«
Amthor ist einer der konservativeren CDUler. Als scharfer Rhetoriker ist er schon oft im Bundestag aufgefallen. Schafft er es hier potentielle Wähler mit seinen Ansichten zu überzeugen? Offenbar kein Selbstläufer:
Schüler:
»Er ist genauso schmierig wie davor und ich werde ihn trotzdem nicht wählen.«
Im Bundestag ist Amthor eigentlich für das Thema Digitalisierung zuständig. Doch was hat ein Döner damit zu tun?
Philipp Amthor, CDU:
»Gestern habe ich im Schwarzwald ein Fachgespräch zur Digitalisierung gemacht, heute morgen im Justizministerium auch. Und hier geht es glaube ich darum, ein bisschen die Botschaft zu verbreiten. Und ich glaube, diejenigen, die mir dann jetzt auf Instagram wegen der Döner-Aktion folgen, die nehmen dann auch zur Kenntnis, was ich bald wieder zur Digitalisierung schreibe.«
Den Schülern scheint diese Strategie nicht ganz verborgen zu bleiben.
Schüler:
»Der ist ja ein bisschen so das Maskottchen, wenn man das so sagen kann. Also er ist ein bisschen das Aushängeschild auch für die jüngeren Leute der CDU. Er ist auf jeden Fall ganz nett. Ich verstehe auf jeden Fall, warum man es macht.«
Nächster kulinarischer Stopp: Currywurst. Amthor, 33, ist am Nachmittag vom jüngsten Landtagskandidaten der CDU, Nico Gunzelmann, 23, eingeladen. Die Selfie-Jäger warten schon:
Schülerin:
»Wir kommen schon zu spät zum Unterricht. Können wir kurz ein Foto machen?«
Philipp Amthor, CDU:
»Ja, natürlich.«
Philipp Amthor, CDU:
»Seid ihr denn schon in der Jungen Union?«
Schülergruppe:
»Noch nicht.«
Philipp Amthor, CDU:
»Wir haben keinen Aufnahmestopp, also man kann auch mitmachen, deswegen würde ich mich freuen.«
Noch ein schnelles Selfie, dann versucht Amthor im Imbiss wieder die Kurve zur Fachpolitik zu bekommen.
Philipp Amthor, CDU:
»Wir können essen und reden. Gleichzeitig ist das manchmal schwierig, aber es geht jedenfalls so, das finde ich besonders wichtig, dass wir hier auch das machen können, was mich in der Politik immer besonders begeistert: nämlich einen echt guten Bürgerdialog.«
Amthor versucht den Spagat zwischen Humor und Politik. Dass er inzwischen ein wandelndes Meme ist, weiß er selbst. Aber bringt ihn und seine Partei das auch weiter?
Nico Gunzelmann, CDU-Landtagskandidat:
»Ich glaube, die Leute kriegen das durchaus hin, auch da zu differenzieren zwischen der humorvollen Person, Philipp Amthor als Rentner, aber auch dem Profipolitiker, der auch wirklich Gutes im Sinn hat und das alles sehr fundiert vertritt.«
Der Rentner muss los: Gleich gibt es Maultaschen in Neckarsulm. Der BMW mit Chauffeur wartet schon auf dem Behindertenparkplatz.
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