Das Werk, um das es in einem weiteren Konflikt rund um die Washingtoner Kulturinstitution Kennedy Center geht, ist eine Hommage an Abraham Lincoln. Er war der 16. US-Präsident und der erste aus den Reihen der Republikanischen Partei. Die Werte, die sein Nachfolger, der 45. und 47. Präsident der Vereinigten Staaten, dem Kulturzentrum als Vorsitzender des Direktoriums aufgepfropft hat, widersprächen der Botschaft seines Stückes, schreibt Komponist Philip Glass in einer auch über soziale Medien verbreiteten Mitteilung.
— Philip Glass (@philipglass) January 27, 2026
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Es ist ein großer Name, der sich hier in die Liste der Absagenden einreiht: Philip Glass, 88 Jahre alt, ist einer der prägenden Künstler der Minimal Music. Mit seiner Oper »Einstein on the Beach« wurde 1976 weithin bekannt. Immer wieder komponierte er auch Filmsoundtracks, vom New-Age-Klassiker »Kooyanisqatsi« (1982) über die Mediensatire »Die Truman Show« (1998) bis hin zur Comicverfilmung »Fantastic Four« (2015). Dreimal war er für den Filmmusik-Oscar nominiert, viermal für Grammys.
Komponist Glass: Premiere abgesagt
Foto: Ilya S. Savenok / Tibet House / Getty ImagesAuch das Kennedy Center hat Philip Glass schon geehrt. 2018 war das, während Donald Trumps erster Amtszeit als US-Präsident, zusammen mit Cher und dem Team des Musicals »Hamilton«. Damals machte es sich Trump zur Angewohnheit, die Kennedy Center Honors nicht zu besuchen, anders als viele Amtsvorgänger.
Doch in seiner zweiten Periode als US-Präsident hat Donald Trump die Ausrichtung des Kulturzentrums zur Chefsache gemacht. Sogar im Namen soll sich das niederschlagen, der Präsident und seine Gefolgsleute sprechen nur noch vom »Trump Kennedy Center«.
Schon seit Trumps Inauguration sagten zahlreiche Künstlerinnen, Künstler und Gruppen Auftritte am Kennedy Center ab. Unter ihnen: die Schauspielerin Issa Rae, das Musical »Hamilton«, der Banjo-Spieler Béla Fleck, die Opernsängerin Renée Fleming, die Martha Graham Dance Company, der »Wicked«-Komponist Stephen Schwartz sowie die Washington National Opera, die seit 1971 dort auftritt.
Dafür wurde im Kennedy Center die Auslosung der Fußball-Weltmeisterschaft (samt Vergabe eines FIFA -Friedenspreises für Donald Trump) ausgerichtet. Die Vergabe der Ehrenpreise 2025 (unter anderem an Kiss und Sylvester Stallone) moderierte der Präsident gleich selbst. Am Freitagabend wird dort der rote Teppich ausgerollt für die Premiere der Dokumentation über Gattin Melania Trump.
Nicht der richtige Ort also für die Aufführung der 15. Sinfonie »Lincoln«, befand Philip Glass. Das Werk war vom National Symphony Orchestra und dem Kennedy Center in Auftrag gegeben worden, wie die »Washington Post« berichtete.
Die Uraufführung im Juni, die sich bereits verzögert hatte, sollte das Herzstück des Programms »250 Years of Us« des Kennedy Centers bilden, das anlässlich des 250. Jahrestages der Unterzeichnung der Unabhängigkeitserklärung stattfand, so die Zeitung.
Donald Trumps Name an der Wand des Kennedy Centers: Chefsache Kultur
Foto: Emily Alff / Sipa USA / picture allianceJean Davidson, Geschäftsführerin des National Symphony Orchestra, sagte: »Wir bewundern Philip Glass sehr und waren überrascht, seine Entscheidung zeitgleich mit der Presse zu erfahren.«
Glass’ Musikwerk nimmt Bezug auf eine Rede des jungen Lincoln, der »Lyceum Address« aus dem Jahr 1838, in der der spätere Präsident vor Lynchjustiz und den damit verbundenen Gefahren für Demokratie und Rechtsstaatlichkeit warnte. Der damals 28-jährige Abgeordnete des Repräsentantenhauses von Illinois hielt die Rede vor dem Young Men’s Lyceum, einem Debattierklub in Springfield.
US-Präsident Lincoln (1809–1865): Warnung vor Lynchjustiz
Foto: Stock Montage / Getty ImagesRoma Daravi, Vizepräsidentin für Öffentlichkeitsarbeit des Kennedy Centers, antwortete in einer Stellungnahme: »Politik hat in der Kunst keinen Platz, und diejenigen, die aus politischen Gründen zu Boykotten aufrufen, treffen die falsche Entscheidung.«
