SpOn 17.02.2026
09:31 Uhr

Philadelphia: Richterin ordnet Wiederaufbau von Sklaverei-Ausstellung an


Eine US-Bundesbehörde ließ eine Ausstellung zur Sklaverei abbauen. Nun ordnete eine Richterin den Wiederaufbau an. In ihrer Entscheidung zieht die Richterin Parallelen zwischen dem Roman »1984« und dem Zustand der USA.

Philadelphia: Richterin ordnet Wiederaufbau von Sklaverei-Ausstellung an

Ein US-Gericht hat die Wiederherstellung einer Freiluftausstellung in Philadelphia über die Geschichte der Sklaverei in den USA angeordnet. Die US-Regierung habe nicht die Befugnis, »historische Wahrheiten zu verschleiern und zu verfälschen«, hieß es im Urteil der Richterin Cynthia M. Rufe. Die Großstadt im US-Bundesstaat Pennsylvania hatte gegen den Abbau der Ausstellung Klage eingereicht.

Rufe berief sich in ihrer Entscheidung auf den Roman »1984« des britischen Schriftstellers George Orwell über einen dystopischen, autoritären Staat. Es sei, »als gäbe es nun das Ministerium für Wahrheit aus George Orwells ›1984‹ mit seinem Motto ›Unwissenheit ist Stärke‹«, schrieb die Richterin in ihrem Urteil. Die US-Regierung behaupte, »sie allein habe die Macht, historische Darstellungen zu löschen, zu verändern, zu entfernen und zu verbergen«.

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Die Ausstellung wurde im Januar von der US-Nationalparkverwaltung (NPS) abgebaut. Nach Angaben der Stadtverwaltung von Philadelphia war der Abbau der Ausstellung »vermutlich« eine Folge eines Dekrets, das US-Präsident Donald Trump im März vergangenen Jahres unterzeichnet hatte. Darin forderte der US-Präsident, »die Wahrheit und den Verstand in der amerikanischen Geschichte wiederherzustellen« und die »Verbreitung von spaltender Ideologie« rückgängig zu machen. In dem Dekret wurde die Ausstellung in Philadelphia mit dem Titel »Freiheit und Sklaverei in der Entstehung einer neuen Nation« als Beispiel angeführt.

Absetzung ein Teil von Regierungskurs gegen Kulturinstitutionen

Die Ausstellung mit Dutzenden Informationstafeln und Videopräsentationen befand sich im Presidential House. Das Gebäude war die offizielle Residenz von George Washington, dem ersten US-Präsidenten, als Philadelphia die provisorische Hauptstadt des neuen Landes war. In dem Haus lebten auch Washingtons neun Sklaven, die in der 2010 eröffneten Ausstellung gewürdigt wurden.

Trump geht seit Beginn seiner zweiten Amtszeit im Januar 2025 hart gegen Kulturinstitutionen und ihre angeblich linke Ideologie vor. Der US-Präsident ließ im vergangenen Jahr unter anderem missliebige Inhalte aus den Nationalmuseen in Washington entfernen.

George-Washington-Residenz: Reaktionen auf die verschwundene Ausstellung

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Foto: Matt Rourke / AP

Die Demokraten in Philadelphia begrüßten das Urteil, das zunächst nur vorläufig gilt, bis weitere Gerichtsverfahren abgeschlossen sind. »Ich bin stolz auf unser Land und seine Gründungsideale. Das bedeutet, dass wir die ganze Wahrheit über unsere Geschichte erzählen, das Gute wie das Schlechte«, erklärte der demokratische Abgeordnete Brendan Boyle , der Teile von Philadelphia im US-Repräsentantenhaus vertritt.

ost/AFP