SpOn 12.01.2026
11:34 Uhr

Pflege: Abwanderung von Pflegekräften erhöht Sterblichkeit messbar


Für Pflegekräfte, die im Süden Baden-Württembergs wohnen, ist das Arbeiten in der Schweiz viel lukrativer. Für Patienten in Deutschland hat das fatale Folgen.

Pflege: Abwanderung von Pflegekräften erhöht Sterblichkeit messbar

Durch die Abwanderung von Pflegekräften ist die Sterblichkeit in deutschen Krankenhäusern an der Schweizer Grenze um 4,4 Prozent gestiegen. Das zeigt eine neue Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) aus Mannheim und des Münchner Ifo-Instituts, wie dieses am Montag mitteilte.

Der Pflegekräftemangel wirkte sich demnach vor allem auf ältere Patienten sowie Notfälle aus. Bei ihnen habe sich die Sterberate erhöht. »Damit verbunden ist eine stagnierende Lebenserwartung in den betroffenen Grenzregionen zur Schweiz – während diese im Rest Deutschlands stieg«, sagte Studienautor Oliver Schlenker.

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2011 begannen viele in Grenznähe lebende deutsche Pflegekräfte, in der Schweiz zu arbeiten, wie es hieß. Als Grund wird ein konstant starker Schweizer Franken bei gleichzeitig stagnierenden Tariflöhnen in Deutschland genannt. In Kombination mit einer hohen Personalnachfrage in der Schweiz und stagnierenden Löhnen in deutschen Krankenhäusern habe das einen Stellenwechsel, insbesondere für examinierte Pflegefachkräfte, attraktiv gemacht.

Im Schnitt betrug der personelle Aderlass deutscher Krankenhäuser in der Grenzregion rund zwölf Prozent ihres Pflegepersonals. Jeder Prozentpunkt dieses Rückgangs habe die Pflegeintensität um etwa 0,8 Prozent pro Patient und die Operationswahrscheinlichkeit um ein Prozent verringert und die Sterbewahrscheinlichkeit um 0,4 Prozent erhöht.

»Bei Patienten mit Sepsis und Herzinfarkt erhöhte sich die Sterblichkeit um 11,6 und 17,7 Prozent. Die Lebenserwartung in der Grenzregion sank um etwa 0,3 statistische Lebensjahre im Vergleich zu ähnlichen Kreisen im Landesinneren«, so Schlenker. Er ergänzte, durch den Mangel an Pflegekräften hätten Krankenhäuser in den betroffenen Regionen zudem damit begonnen, Patienten nach ihren medizinischen Bedürfnissen zu priorisieren und die Zahl nicht dringlicher Operationen zu verringern.

Als Datenbasis der Studie dienten den Angaben zufolge repräsentative Datensätze der statistischen Bundesämter Deutschlands und der Schweiz, darunter die Schweizer Grenzgänger-Statistik und die deutsche Krankenhausstatistik. Die Studie untersuchte demnach alle stationären Krankenhausfälle über den Zeitraum von 2006 bis 2017, um die Auswirkungen des Fachkräftemangels auf die Sterblichkeit und Lebenserwartung herauszufinden.

mik/KNA