SpOn 27.01.2026
14:35 Uhr

Pfadfinder: Hunderte Missbrauchsfälle in Studie über christlichen Pfadfinderverband genannt deckt vermutlich hunderte Missbrauchstaten auf


Eine Studie zweier Forschungsinstitute dokumentiert sexualisierte Gewalt in einem christlichen Pfadfinderverband. Bei mehr als einem Drittel der Fälle gehen die Forschenden von Vergewaltigungen aus.

Pfadfinder: Hunderte Missbrauchsfälle in Studie über christlichen Pfadfinderverband genannt deckt vermutlich hunderte Missbrauchstaten auf

Hunderte Kinder und Jugendliche sind offenbar bei den Christlichen Pfadfinderinnen und Pfadfindern in Deutschland Opfer sexuellen Missbrauchs geworden. Eine in der Zentrale des Verbandes Christlicher Pfadfinderinnen und Pfadfinder (VCP) in Kassel vorgestellte Studie zweier Forschungsinstitute kommt zu dem Ergebnis, dass zwischen 1973 und 2023 mindestens 344 Mitglieder von sexualisierter Gewalt betroffen waren.

Zwei Drittel von ihnen waren den Studienergebnissen nach  zu Beginn der Tat zwischen 13 und 17 Jahre alt. Rund 60 Prozent der Betroffenen waren weiblich. Die Taten wurden demnach von mindestens 161 Personen begangen – 158 Männern und drei Frauen. Rund die Hälfte von ihnen war zu Tatbeginn zwischen 18 und 24 Jahre alt.

Mehr zum Thema

In mehr als einem Drittel der Fälle gehen die Forschenden von mutmaßlichen Vergewaltigungen aus. Die Übergriffe ereigneten sich laut Studie meist bei Fahrten oder in Lagern.

Die Forschenden haben für die umfangreiche Studie Interviews mit Betroffenen geführt und eine Aktenauswertung vorgenommen. Auch Beteiligte aus dem Verband wurden befragt, um die Verbandsstrukturen zu erfassen und mögliche Präventionsmaßnahmen abzuleiten.

Peter Caspari vom Münchner Forschungsinstitut IPP sprach von einem erheblichen Ausmaß des Missbrauchs im Verband. Die Forschenden sichteten demnach seit 2023 rund 1300 Seiten Akten und führten 79 Interviews mit ehemaligen und aktiven Pfadfinderinnen und Pfadfindern. Marlene Kowalski aus dem Beirat zur Aufarbeitung sexualisierter Gewalt im VCP sprach von einem der »dunkelsten Kapitel« in der Geschichte des Verbandes.

Bereits im Jahr 2024 hatte der Bund der Pfadfinderinnen und Pfadfinder (BdP) eine ähnliche Studie vorgestellt, bei der ebenfalls das IPP federführend war. Die Untersuchung ging von mindestens 50 Beschuldigten und 123 Betroffenen aus. Der BdP hat in Deutschland nach eigenen Angaben rund 30.000 Mitglieder, der VCP ist mit rund 47.000 Mitgliedern größer und vor allem durch die evangelische Kirche geprägt.

kry/dpa