SpOn 04.03.2026
17:49 Uhr

Peter Schneider ist tot


Er war ein Aktivist der 68er, Autor zahlreicher Romane und Essays und Redenschreiber für den SPD-Bundeskanzler Willy Brandt. Nun ist Peter Schneider im Alter von 85 Jahren gestorben

Peter Schneider ist tot

Der Schriftsteller Peter Schneider ist tot. Er starb bereits am Dienstag im Alter von 85 Jahren, wie der Verlag Kiepenheuer & Witsch unter Berufung auf seine Familie mitteilte.

Schneider galt als hellsichtiger Essayist mit dem Mut zum Anecken und als vielseitiger Autor, der in verschiedenen literarischen Gattungen zu Hause war. Er wurde mit seiner Erzählung »Lenz« (1973) bekannt, die gerade für die Generation der 68er zur identitätsstiftenden Lektüre wurde.

Redenschreiber von Willy Brandt

1940 wurde Schneider in Lübeck geboren und wuchs in Freiburg auf, wo er Germanistik, Geschichte und Philosophie studierte. In der Studentenbewegung der späten Sechzigerjahre galt er als wichtiger Aktivist. So nahm er als Redenschreiber am Wahlkampf des späteren Bundeskanzlers Willy Brandt (SPD) teil und war an Aktionen wie dem Boykott des Springer-Verlags in Berlin beteiligt. Später setzte er sich auch kritisch mit seiner eigenen Generation auseinander.

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Im SPIEGEL hieß es zu seinem 70. Geburtstag über Schneider: »Er ist ein Renegat, ohne abzuschwören, ein Kritiker, ohne Verräter zu sein. Einer, der seine politischen Irrtümer bekennt und dennoch nicht die eigene Biografie desavouieren oder gar ungeschehen machen will. Er ist und bleibt ein 68er, aber eben nicht einer von jenen, die stolz darauf sind, immer noch genau dieselben Auffassungen zu vertreten wie in ihrer seligen Jugendzeit.«

Als Analyse des Lebens im geteilten Berlin galt sein Roman »Mauerspringer« (1982). Erst Ende 2025 erschien sein letzter Roman »Die Frau an der Bushaltestelle«. »Wir verlieren einen loyalen Freund, einen wachen Geist und einen großen Stilisten«, teilte der Verlag Kiepenheuer & Witsch mit. »Sein Werk wird bleiben.«

rai/dpa