Die politische Instabilität in Peru nimmt kein Ende. Nach nur vier Monaten im Amt hat das Parlament des südamerikanischen Landes Präsident José Jerí abgesetzt. Der 39 Jahre alte Jerí verlor ein Misstrauensvotum mit 75 von 102 Stimmen.
Am Mittwoch will das Parlament einen neuen Parlamentspräsidenten wählen, der dann automatisch Übergangspräsident wird. In knapp zehn Jahren hatte Peru bereits sieben Präsidenten.
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Als damaliger Parlamentspräsident hatte Jerí im Oktober die Regierungsgeschäfte nach der Absetzung von Präsidentin Dina Boluarte übernommen. Er geriet wegen inoffizieller Treffen mit chinesischen Geschäftsleuten und mutmaßlicher Unregelmäßigkeiten bei der Einstellung von Frauen in Regierungsposten unter Druck.
»Jerí hat seine Macht heimlich ausgeübt: Geheime Treffen, nächtliche Zusammenkünfte und widersprüchliche Aussagen«, sagte der Abgeordnete Hamel Echevarría bei der Parlamentssitzung. Dutzende Abgeordnete linker und rechter Parteien hatten beantragt, Jerí seines Amtes zu entheben: Er sei »ungeeignet«, das höchste Staatsamt zu bekleiden.
Der Präsident wies die Vorwürfe stets zurück. »Ich habe kein Verbrechen begangen«, sagte er.
Die Absetzung erfolgt knapp zwei Monate vor der im April angesetzten Präsidentenwahl. Der letzte peruanische Präsident, der seine fünfjährige Amtszeit beendet hat, war Ollanta Humala, der zwischen 2011 und 2016 regierte.
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