Verschwörung zur Rebellion: Ein Gericht in der peruanischen Hauptstadt Lima hat den früheren Staatschef Pedro Castillo zu elf Jahren, fünf Monaten und 15 Tagen Haft verurteilt. Die Staatsanwaltschaft hatte wegen eines versuchten Staatsstreichs 34 Jahre Haft gefordert. Castillo hatte Ende 2022 den Kongress aufgelöst, um einem Misstrauensvotum zuvorzukommen. Er wollte eine Notstandsregierung einsetzen und per Dekret regieren. Das Parlament enthob ihn daraufhin wegen »moralischer Ungeeignetheit« des Amtes. Er wurde festgenommen und saß seitdem in Untersuchungshaft.
Der ehemalige Dorfschullehrer kam 2021 ins Amt und vertrat besonders das ländliche Peru. Bauern und Indigene fühlten sich von den Eliten in Lima ignoriert, sie profitierten kaum vom Wirtschaftswachstum des Landes. Der politisch weitgehend unerfahrene Castillo geriet jedoch bereits kurz nach seinem Amtsantritt unter Druck: Immer wieder traten Minister seines Kabinetts zurück, er geriet er mehrmals mit dem Kongress aneinander.
In Peru haben fast alle Staatschefs der vergangenen 25 Jahre Probleme mit der Justiz. Martín Vizcarra, Staatschef von 2018 bis 2020, wurde wegen Korruption zu 14 Jahren Haft verurteilt. Er hatte Schmiergelder in sechsstelliger Höhe von Bauunternehmen angenommen. Neben der Haftstrafe verhängte das Gericht gegen den 62-Jährigen auch eine neunjährige Ämtersperre. Ollanta Humala, Präsident von 2011 bis 2016 wurde wegen Geldwäsche zu 15 Jahren Haft verurteilt. Gegen Alejandro Toledo, im Amt von 2001 bis 2006 wurde eine Freiheitsstrafe von 20 Jahre und sechs Monaten wegen Korruption verhängt. Gegen Pedro Pablo Kuczynski, Präsident von 2016 bis 2018, wird wegen Korruption ermittelt. Ex-Präsident Alan García, der von 1985 bis 1990 regierte sowie zwischen 2006 und 2011, tötete sich 2019 selbst, als die Polizei ihn wegen Korruptionsvorwürfen verhaften wollte.
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