Sie geben sich in Fakeprofilen als minderjährige Mädchen aus und verabreden sich mit ahnungslosen Männern zum Sex. Statt eines jungen Mädchens erwartet die Männer am Treffpunkt oft ein brutaler Angriff. Das Aufeinandertreffen wird meist gefilmt und im Internet geteilt. Schon lange sorgen selbst ernannte »Pedo-Hunter«, also Pädophilen-Jäger, in sozialen Netzwerken und bei der Polizei für Aufsehen. Nun haben Ermittler in Stuttgart vier junge Männer im Alter von 18 und 19 Jahren festgenommen, die Erwachsene in der Region zu fingierten Sextreffen gelockt, dort ausgeraubt und zum Teil schwer verletzt haben sollen.
Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Stuttgart wurden zudem mehr als zwei Dutzend Wohnungen in und um Stuttgart, Esslingen und Waiblingen durchsucht. Weitere 15 Männer und drei Frauen würden verdächtigt, in unterschiedlicher Weise beteiligt gewesen zu sein, hieß es. Laut Polizei und Staatsanwaltschaft wurden drei 18-Jährige bereits Ende Juni in Stuttgart festgenommen, zwei von ihnen wurden bei einem Scheintreffen durch die Ermittlungsgruppe »Teddy« selbst in die Falle gelockt. Der vierte Verdächtige, ein 19-Jähriger, wurde erst jetzt in seiner Stuttgarter Wohnung festgenommen.
Polizei: »Masche nur genutzt«
»Nach derzeitigem Kenntnisstand sollen die Tatverdächtigen in wechselnder Besetzung für rund 30 Taten verantwortlich sein«, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Es wird unter anderem wegen versuchten Mordes, versuchten Totschlags und schweren Raubes ermittelt. Die Herangehensweise soll immer gleich gewesen sein: Die verhafteten Männer sollen sich auf einem Onlineportal zu den Treffen mit ihren späteren Opfern verabredet und als junge, meist aber volljährige Frauen ausgegeben haben. Kurz vor den Treffen sollen sie den Männern jedoch gestanden haben, doch jünger zu sein. Wollten sich die Männer trotzdem mit ihnen treffen, bewaffneten sich die selbst ernannten Jäger mit Messern, Pfefferspray, Schlagstöcken oder Schusswaffen. Beim Treffen hätten sie die Männer angegriffen und teilweise ausgeraubt, vergewaltigt oder sehr schwer verletzt.
Die tatsächlichen Motive der Verdächtigen sind noch unklar: »Die Tatverdächtigen haben diese Masche schlichtweg genutzt, um die Männer anzugreifen und auszurauben«, sagte Mario Teufel, der Leiter der Ermittlungsgruppe, gegenüber der Nachrichtenagentur dpa.
Verbotene Selbstjustiz
Obwohl sich viele selbst ernannte »Pedo Hunter« auf ein moralisches Anliegen berufen, verstoßen sie häufig selbst gegen Strafgesetze – etwa durch Nötigung oder Verleumdung. Die Polizei warnt ausdrücklich vor dieser Form der Selbstjustiz, da sie neben der strafrechtlichen Problematik laufende Ermittlungen gefährden kann.
- Vorfall in Massachusetts: Möchtegern-Pädophilenjäger landen vor Gericht
- Nick Hein und die »Pedo Hunters«: Wie ein Ex-Kampfsportler auf YouTube angebliche Missbrauchstäter in die Falle lockt Von Laura Binder
- Prozess in Berlin: Mehrere Jahre Haft für selbst ernannte »Pedo Hunters« Von Wiebke Ramm, Berlin
