SpOn 31.01.2026
08:19 Uhr

PayPal, Facebook und Microsoft: So klappt der Ausstieg - Alles Gute vom SPIEGEL


Ein Selbstversuch zeigt, dass ein Leben ohne US-Techkonzerne schwierig, aber möglich ist. Plastik wird öfter recycelt. Und eine neue Barbie sorgt für Aufsehen. Das sind die guten Nachrichten der Woche.

PayPal, Facebook und Microsoft: So klappt der Ausstieg - Alles Gute vom SPIEGEL

Das neue Jahr ist kaum einen Monat alt und doch fühlt es sich an, als wäre eigentlich bereits wieder genügend passiert bis mindestens September. Ich möchte Ihnen hier gar nicht auflisten, was alles die vergangenen Wochen die Nachrichten bestimmte, Sie wissen es ja selbst. Kann man da überhaupt noch selbst etwas tun?

Mein Kollege Matthias Kaufmann meint: Ja! Und hat sich vorgenommen, gerade in dieser Zeit möglichst unabhängig sein zu wollen, zumindest am Computer und Handy. Google, Facebook, Apple, PayPal – unser Leben ist durchzogen von US-Plattformen und großen Playern wie Netflix. Wer in der Vergangenheit nach Alternativen suchte, galt im Freundeskreis schnell als Nerd oder Freak. Und heute?

»Da fühlt sich mein Versuch, loszukommen von US-amerikanischer Dominanz, nicht clever oder heroisch an. Sondern einfach nur verzweifelt. Und ein wenig lächerlich«, schreibt Matthias gleich sehr ehrlich. Aber es hilft natürlich nichts, also macht er weiter. Und findet überraschende Verbündete.

Als ich ihn fragte, was sein persönlicher Tipp für den Anfang sei, schrieb er mir: »Wusstest Du, dass es mit ›Filmfriend‹ auch einen Videostreaming-Dienst gibt, den man als Mitglied sehr vieler Stadtbüchereien in Deutschland nutzen kann?«

Unterwegs am Laptop: Der Alltag ohne Google geht noch am einfachsten

Unterwegs am Laptop: Der Alltag ohne Google geht noch am einfachsten

Foto:

Maria Diachenko / Westend61 / IMAGO

Auch für Musikstreaming, Karten-Apps oder Office-Programme fand er interessante Alternativen. Seine To-do-Liste verwaltet Matthias nun mit der Anwendung eines Stuttgarter Start-ups. Es stimme schon, dass es Jeff Bezos wohl nicht besonders groß interessiere, wenn er Amazon 7,50 Euro weniger im Monat bezahle, schreibt er. Aber »wenigstens fühle ich mich nicht komplett machtlos«.

Und ändern kann und muss man ohnehin nicht alles allein, nicht einmal am Jahresanfang. Beim Verzicht auf WhatsApp hilft meinem Kollegen übrigens keine clevere App, sondern eine Person, die er besonders gern hat.

Wie gut man im Jahr 2026 ohne PayPal durchs Leben kommt und was Matthias sonst noch gelernt hat, lesen Sie hier .

Was diese Woche noch gut war – für die Welt:

Immer mehr Plastik wird recycelt
Plastikmüll wird in Deutschland besser recycelt als früher: Die Recyclingquote bei Kunststoffen lag im Jahr 2024 laut Umweltbundesamt bei rund 71 Prozent. 2018 lag die Recyclingquote in der Bundesrepublik noch deutlich unter den EU-Vorgaben. Was sich geändert hat, lesen Sie hier.

Plastiktüte im Meer: Inzwischen wird deutlich mehr recycelt – zumindest in Deutschland

Plastiktüte im Meer: Inzwischen wird deutlich mehr recycelt – zumindest in Deutschland

Foto: Bihlmayerfotografie / IMAGO

Sechs Tonnen Essen für Bedürftige
Die Grüne Woche ist eine bekannte Messe für Landwirtschaft und Lebensmittel in Berlin. Was abends oft übrig bleibt: viel gutes Essen. Mehr als 350 Freiwillige haben es in diesem Jahr täglich eingesammelt und so dafür gesorgt, dass es nicht nur der Tafel, sondern auch der Stadtmission und Wohnheimen zugutekam. Und noch eine gute Nachricht: Der Überschuss wird weniger.

Seeotter als Klimaretter
Vielerorts wurden Seeotter aufgrund ihres Pelzes fast ausgerottet. An der Küste Kaliforniens überlebten einige wenige Exemplare. Und entpuppen sich nun als Hüter von Algenwäldern, die auch CO₂-Speicher sind. Wie der ORF berichtet , soll mit einem Schutzprogramm jetzt dafür gesorgt werden, dass es bald noch mehr Tiere gibt.

Seeotter in Kalifornien: Inzwischen auch gefragt als Umweltschützer

Seeotter in Kalifornien: Inzwischen auch gefragt als Umweltschützer

Foto: A. Hartl / blickwinkel / IMAGO

Die Diskussion über Tabak wird wieder konkreter
Ob man rauchen möchte, ist natürlich eine persönliche Entscheidung. Die gesundheitlichen Folgen sind es allerdings nicht. Experten und Politiker überlegen jetzt, was helfen könnte. Eine recht konkrete Idee: höhere Steuern auf Tabak – um damit dann Prävention und Rauchentwöhnung besser unterstützen zu können.

Was gut ist – für Sie:

Wie der Baukredit bald schneller geprüft werden soll
Wer ein Haus plant und baut, hat genug um die Ohren. Günstig ist es auch selten. Umso belastender ist es, wenn die Finanzierung lange unsicher bleibt. Die Direktbank ING verspricht nun, Baukredite künftig innerhalb von 30 Minuten prüfen zu können – dank künstlicher Intelligenz.

Neubaugebiet in Leipzig: Künftig könnten Baukredite schneller überprüft werden

Neubaugebiet in Leipzig: Künftig könnten Baukredite schneller überprüft werden

Foto: Jan Woitas / dpa-Zentralbild / dpa

Das Leben nach der Krebstherapie
Die Behandlung von Krebs ist oft kraftraubend und belastend. Umso schöner ist es, wenn die Erkrankung besiegt werden kann. Doch manche Folgen zeigen sich erst Jahrzehnte später. Die Ärztin Judith Gebauer weiß, welche Nachsorge entscheidend ist – und gibt Tipps für ein gesünderes Leben .

Und wenn mein Kind der Mobber ist?
Auf vielen Pausenhöfen gehören Mobbing und Ausgrenzung – leider – zum Alltag. Eltern sind sich dessen oft bewusst. Und staunen dann doch, wenn ausgerechnet der eigene Sohn oder die eigene Tochter daran beteiligt ist. Auch meiner SPIEGEL-Kollegin Anna Clauß ging es so. In der Familien-Kolumne schreibt sie darüber, wie es nach dieser Erkenntnis weiterging und was ihr geholfen hat .

Zwei Schülerinnen auf dem Pausenhof: Was tun, wenn das eigene Kind drangsaliert?

Zwei Schülerinnen auf dem Pausenhof: Was tun, wenn das eigene Kind drangsaliert?

Foto: Maja Hitij/ picture alliance / dpa

Und sonst?

Möchte ich Ihnen einen Text meiner Kollegin Kathrin Werner empfehlen. Sie traf in Sachsen Sylvia Pfefferkorn, die sich gemeinsam mit 160 Unternehmen gegen die rechtsradikalen Positionen der AfD einsetzt. Und wenn Sie jetzt schon zucken, geht es Ihnen so wie vielen Menschen. Nicht nur in Sachsen ist die Unsicherheit groß, aber dort besonders. Dürfen Unternehmer über Politik reden? Die 61-jährige Gründerin einer Werbeagentur kennt sich nicht nur mit Wirtschaft aus, sondern auch mit solchen Vorbehalten.

Doch tatsächlich ist es doch umgekehrt: Dort, wo nur noch Stammtischparolen herrschen, werden andere stumm. Die Arbeit des Vereins »Wirtschaft für ein Weltoffenes Sachsen« (oder auf Englisch: Welcome Saxony) könnte deshalb mitentscheiden, ob es künftig noch genügend Fachleute im Freistaat gibt. »Die Unerschrockene« heißt das Porträt meiner Kollegin.

Und auch wenn Sie nicht aus Sachsen kommen, lohnt sich der Text: Sylvia Pfefferkorn organisiert Workshops, die zur Verständigung anregen – und bald auch deutschlandweit organisiert werden sollen. Hier können Sie den Artikel lesen .

Ich wünsche Ihnen ein erholsames und schönes Wochenende. Wenn Sie sich bisher nicht für unseren wöchentlichen Newsletter angemeldet haben, können Sie ihn hier gratis bestellen.

Herzliche Grüße

Ihr Jan Petter, Redakteur im Nachrichtenressort des SPIEGEL