SpOn 24.02.2026
11:59 Uhr

Pawel Durow: Russland wirft Telegram-Gründer Terrorunterstützung vor


Russlands Behörden verschärfen die Repressionen gegen die populäre Plattform Telegram. Nun gerät Gründer Pawel Durow selbst in den Fokus. Seine App soll laut der Justiz Terrorismus ermöglicht haben.

Pawel Durow: Russland wirft Telegram-Gründer Terrorunterstützung vor

Der Kreml erhöht den Druck auf den in Russland weitverbreiteten Messengerdienst Telegram. Wie unter anderem das Amtsblatt der russischen Regierung, die »Rossijskaja Gaseta« unter Berufung auf Angaben des Geheimdienstes FSB berichtet, wurde gegen Telegram-Gründer Pawel Durow ein Strafverfahren eingeleitet.

Dem seit Jahren im Ausland lebenden Durow wird demnach die Unterstützung terroristischer Aktivitäten vorgeworfen. Argumentiert wird offenbar, dass der Messenger bei der Durchführung von schweren Straftaten und Terroranschlägen zum Einsatz kam.

So heißt es etwa, Telegram sei beim Terroranschlag in der »Crocus City Hall« nahe Moskau im März 2024 mit 149 Toten sowie den Morden an der Kremlpropagandistin Daria Dugina und General Igor Kirillow genutzt worden.

Tatsächlich gab es in der Vergangenheit auch in Europa Vorwürfe gegen Durow, seine App schränke kriminelle und extremistische Inhalte auf Telegram nicht ausreichend ein. Durow war deswegen in Frankreich zeitweise festgenommen worden, Ende 2025 durfte er das Land jedoch wieder verlassen.

Russische Behörden sehen »Instrument der Geheimdienste der Nato-Staaten«

Laut »Rossijskaja Gaseta« sei Telegram »zum wichtigsten Instrument der Geheimdienste der Nato-Staaten« und der Ukraine geworden. Weiter heißt es in dem Regierungsblatt, dass »die Illusion der Anonymität eine Armee von Radikalen, Drogenabhängigen, Mördern und Terroristen in den Messenger gebracht hat, was zu einer Bedrohung für unsere Gesellschaft geworden ist«. Zuletzt hatte der FSB die App bereits als Sicherheitsrisiko eingestuft.

Weil die Appbetreiber sich weigerten, den Forderungen der russischen Behörden nachzukommen, seien diese nun gezwungen, Maßnahmen zu ergreifen, heißt es in den Medienberichten. Angeblich soll es der Medienaufsichtsbehörde Roskomnadsor laut »Rossijskaja Gaseta« seit dem 10. Februar 2026 bereits gelungen sein, den Datenverkehr der App um 55 Prozent zu reduzieren. Unabhängig überprüfen lassen sich die Angaben nicht.

Tatsächlich hatten die über 90 Millionen Telegram-Nutzer die zunehmende staatliche Einschränkung der App zuletzt bereits zu spüren bekommen . Nachrichten wurden zeitweise nur verzögert gesendet, Fotos und Videos konnten gar nicht oder nach langen Ladezeiten aufgerufen werden. Auch Sprachanrufe sind ohne ein sogenanntes virtuelles privates Netzwerk, kurz VPN, nicht mehr möglich.

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Der Kreml bemüht sich, die digitale Kommunikation der Russinnen und Russen in den eigenen staatlichen Messenger Max zu lenken. Für Elternchats an Schulen und Chats in Wohnhäusern ist Max per staatlicher Verordnung zur Pflicht erklärt worden. Die vormals beliebteste Messenger-App in Russland, WhatsApp, wurde zuletzt bereits gänzlich blockiert.

Trotz der Restriktionen gegen andere Dienste und einer groß angelegten Werbekampagne für den staatseigenen Dienst Max bleibt dieser bei den Nutzerzahlen allerdings bislang hinter Telegram zurück.

Der zunehmende Zwang bei der Wahl der privaten Messengerdienste sorgt in Russland für Unmut. Auch bei der russischen Armee, wo Telegram im Alltag etwa an der Front in der Ukraine eingesetzt wird und bei Kriegsbloggern und Propagandisten, sorgen die Restriktionen für Ärger. Mehr darüber lesen Sie hier .

fek/heb/Reuters