SpOn 06.03.2026
12:40 Uhr

Paralympics 2026: Grafik-Überblick zur Geschichte der Paralympischen Winterspiele


Die Winter-Paralympics feiern in Italien ihren 50. Geburtstag und stellen neue Größenrekorde auf. Ein Grafik-Überblick über ihre Geschichte und Entwicklung.

Paralympics 2026: Grafik-Überblick zur Geschichte der Paralympischen Winterspiele

Sommer im Jahr 1948: Während London die Eröffnung der Olympischen Spiele feiert, findet im gut 50 Kilometer entfernten Stoke Mandeville ein wesentlich kleinerer Sportwettbewerb statt. Ludwig Guttmann, Neurologe und Leiter einer Abteilung des Stoke Mandeville Hospitals, veranstaltet einen Bogenschießen-Wettbewerb für 16 Kriegsversehrte. Was als Rehabilitationsmaßnahme gedacht war, gilt heute als Geburtsstunde der Paralympics .

Zwölf Jahre später finden in Rom 1960 die ersten offiziellen Paralympischen Spiele statt. Nochmal 16 Jahre später werden in Schweden die ersten Winter-Paralympics ausgetragen. Knapp 200 Athletinnen und Athleten, unter ihnen Menschen mit Amputationen und mit Sehbehinderungen, kämpfen im Skilanglauf und Ski alpin um die Medaillen. Insgesamt gibt es 53 Events in den verschiedenen Disziplinen und Behinderungskategorien.

Die Entwicklung der Winter-Paralympics verlief nicht linear. Die Spiele in Salt Lake City 2002 fielen wesentlich kleiner aus als die von 1998. Das Eisschlittenrennen wurde aus dem Programm genommen, weil es zu wenige Teilnehmer gab. Gleichzeitig sank die Zahl der Athleten infolge eines Betrugs der spanischen Basketballmannschaft bei den vorherigen Sommerspielen. Nur zwei der zwölf Athleten waren tatsächlich geistig behindert. Daraufhin schloss das IPC Athletinnen und Athleten mit geistiger Behinderung aus, sie kehrten erst 2012 zu den Paralympics zurück.

Seit 1992 finden die Olympischen und Paralympischen Winterspiele am selben Austragungsort statt. Offiziell machten IPC und IOC dies jedoch erst 2001 zur verbindlichen Auflage für Spiele ab 2008.

Mit dem Abkommen »One Bid, One City« legten sie die Organisation der Olympischen und der Paralympischen Spiele zusammen. Eine Olympiabewerbung muss demnach immer auch ein Konzept für die Paralympics beinhalten.

Wer sind die Teilnehmenden?

Die anstehenden Paralympics in Italien werden einen neuen Rekord aufstellen: Voraussichtlich 613 Athletinnen und Athleten nehmen an den Wettbewerben teil, und damit knapp 50 mehr als beim bisherigen Rekord der Winter-Paralympics in Pyeongchang 2018.

Was dabei auffällt: Trotz deutlichen Wachstums ist die Geschlechteraufteilung unausgeglichen. Während bei den Olympischen Spielen in Mailand und Cortina 47 Prozent der Teilnehmenden weiblich waren, sind es bei den Paralympics nur 26 Prozent. Das Ungleichgewicht verringert sich zwar nach und nach, allerdings nur in sehr kleinen Schritten.

Welche der Athletinnen und Athleten gegeneinander antreten, bestimmt im Behindertensport die Klassifizierung. Die übergeordneten Regeln dafür stellt das IPC auf. Die Behinderungen sind nach Seh-, geistiger und körperlicher Behinderung aufgeteilt, zurzeit sind es insgesamt zehn Stück. Weil die verschiedenen Sportarten unterschiedliche Anforderungen an den Körper haben, erfolgt die Klassifizierung oft sportartspezifisch.

Welche Sportarten gibt es?

Bei den Paralympischen Winterspielen in Mailand und Cortina treten die Athletinnen und Athleten in sechs Sportarten an.

Während Rollstuhlcurling, Eishockey und Snowboard nur für bestimmte Behinderungen geöffnet sind, finden die drei anderen Sportarten in jeweils drei Ausführungen statt: sitzend, stehend und sehbehindert. Je nach Sportart und Behinderung nutzen die Athleten Hilfsmittel, etwa einen Sitzski oder einen sehenden Guide.

Wie finanzieren sich die Athletinnen und Athleten?

Neben der körperlichen Anstrengung stellt der Profi-Behindertensport für viele Athleten auch eine finanzielle Herausforderung dar. Mareike Miller, Rollstuhlbasketballerin und Gesamtaktivensprecherin des DBS (Deutscher Behindertensportverband), beschreibt die Situation folgendermaßen: »So kämpfen viele von uns nicht nur um Medaillen, sondern auch darum, sich eine Karriere im Sport überhaupt leisten zu können. Für viele ist und bleibt die Nationalmannschaft im Parasport selbst bei Paralympics-Teilnehmern und Medaillengewinnern ein Hobby.«

Zwar finanziert die Stiftung  Deutsche Sporthilfe die Para-Athleten im Paralympics- und Perspektivkader mit derselben monatlichen Summe wie bei Olympia, der DBS kritisiert aber die deutlich geringere Zahl an Förderplätzen.

In Deutschland fallen die Medaillenprämien der Deutschen Sporthilfe für paralympische und olympische Athleten gleich aus. 30.000 Euro gibt es für Gold, 20.000 für Silber und 10.000 für Bronze.

Im internationalen Vergleich gehört Deutschland damit zur Minderheit. Einer CNN-Recherche zufolge zahlen nur rund 40 Prozent der Länder, die Prämien ausschütteten, den paralympischen Medaillengewinnern dieselbe Summe wie ihren olympischen Mitstreitern.

Diese Medaillenprämien dürften für das deutsche Paralympics-Team sehr relevant sein, denn besonders bei den Winterspielen schlägt sich Team Deutschland gut. In den vergangenen 50 Jahren landete es beim Ranking nach Goldmedaillen nur viermal nicht auf dem Siegertreppchen. Wichtig dabei: Die Ergebnisse zur Zeit der Deutschen Teilung beziehen sich nur auf die BRD. Die DDR hat nie an den Paralympischen Winterspielen teilgenommen und auch zu den Sommerspielen nur einmal ein Team entsandt – Behindertensport war in der DDR lediglich eine Randerscheinung.

Wie sieht's im Vergleich zu den Sommerspielen aus?

Im Vergleich zum Winter sind die Paralympischen Sommerspiele wesentlich größer. Wintersport ist weniger zugänglich, in vielen Ländern herrschen dafür nicht die richtigen Bedingungen. Und die Sommerspiele sind wesentlich älter – ihre Ursprünge liegen fast 30 Jahre vor den Winterspielen.

Auch wenn die Paralympischen Winterspiele wachsen und in diesem Jahr gleich mehrere neue Rekorde aufstellen: Sie stehen weiter im Schatten der Sommerspiele. Dabei sind auch die Winterspiele attraktiv und bieten spannende Wettbewerbe – Team Deutschland erhofft sich dieses Jahr eine Platzierung in den Top sechs.

Mitarbeit: Finn Reutter