Der Türkei-Besuch von Papst Leo XIV. steht im Zeichen technischer wie spiritueller Herausforderungen: Auch das Flugzeug, mit dem der Pontifex auf seiner ersten Auslandsreise unterwegs ist, ist von einem nötigen Softwareupdate bei vielen Airbus-A320-Maschinen betroffen.
Ein Techniker und eine Komponente für das Update seien auf dem Weg nach Istanbul, teilte Vatikan-Sprecher Matteo Bruni mit. Der Nachrichtenagentur KNA zufolge wurde der Techniker eigens eingeflogen. Laut Airbus muss das Update bis Mitternacht eingespielt werden, da starke Sonneneinstrahlung zu fehlerhafter Datenverarbeitung in einem der Flugkontrollrechner führen könne – und damit zu Problemen bei der Flugsteuerung.
Der Papst war am Donnerstag mit einem Airbus A320neo der italienischen Fluggesellschaft Ita nach Ankara und weiter nach Istanbul geflogen. Nach dem Türkei-Aufenthalt ist am Sonntag ein Weiterflug in den Libanon geplant. Dort stehen für ihn zunächst Treffen mit der libanesischen Staatsspitze auf dem Programm.
Im Libanon spielt die christliche Gemeinde weiterhin eine bedeutende Rolle. Gemäß der Verfassung muss der Staatspräsident maronitischer Christ sein. In den vergangenen Jahrzehnten ging die Zahl der Christen im Land aber zurück – insbesondere, da zahlreiche junge Gläubige das Land verließen.
Im Laufe der Papst-Visite sind Besuche in christlich geprägten Orten sowie eine große Messe geplant. Außerdem wird Leo den Ort der verheerenden Explosion im Hafen von Beirut besuchen. Bei der Explosion vor fünf Jahren wurden 220 Menschen getötet.
Kein Gebet in Blauer Moschee
Leo XIV. in der Blauen Moschee: Besuch unter hohen Sicherheitsvorkehrungen
Foto: Berk Ozkan / AFPIm Rahmen seines Besuchs in der Türkei besichtigte er die Sultan-Ahmet-Moschee, die auch als Blaue Moschee bekannt ist. Der Chef der staatlichen Religionsbehörde Diyanet empfing das Oberhaupt der katholischen Kirche in dem bekannten islamischen Gotteshaus im Zentrum der Stadt. Der Papst betrat das Gebäude vorschriftsgemäß ohne Schuhe. Der Besuch fand unter hohen Sicherheitsvorkehrungen statt.
Der Vatikan hatte zuvor mitgeteilt, der Papst werde in der Moschee einen »kurzen Moment des stillen Gebets« einlegen. Dieser blieb allerdings aus. Nach dem Besuch hieß es offiziell, der Papst habe den Moment »in Stille, in einem Geist der Betrachtung und des Zuhörens, mit tiefem Respekt vor dem Ort und dem Glauben derjenigen, die sich dort zum Gebet versammeln« erlebt.
Eine zunächst verbreitete Mitteilung, wonach Leo XIV. tatsächlich gebetet habe, wurde nachträglich korrigiert. Bei ihren Besuchen hatten Benedikt XVI. und Franziskus jeweils einen Moment des stillen Gebets in der Moschee gehalten – Franziskus verneigte sich 2014 sogar in Richtung Mekka und sorgte damit international für Aufsehen.
Papst Leo XIV. und Patriarch Bartholomäus I.
Foto: Dilara Senkaya / AP / dpaNach seinem Besuch in der Blauen Moschee wurde der Papst von rund 4000 Gläubigen in der Volkswagen Arena in Istanbul mit Gesang und Applaus willkommen geheißen.
Vor der Messe hatte der 70-jährige Leo mit Patriarch Bartholomäus I. eine Erklärung unterzeichnet, in der sich beide zum interreligiösen Dialog bekannten und unter anderem dazu aufriefen, auf jegliche Instrumentalisierung »zur Rechtfertigung von Gewalt« zu verzichten. Beide erklärten zudem, weiterhin daran zu arbeiten, ein gemeinsames Datum für das Osterfest für Katholiken und Orthodoxe festzulegen.
