Papst Leo XIV., 70, ist laut eigener Aussage nicht leicht zu durchschauen. Der Pontifex hat Journalisten vor Fehlinterpretationen seiner Mimik gewarnt. »Mein Gesicht scheint so ausdrucksstark zu sein, und ich amüsiere mich oft, wie die Journalisten es interpretieren – ehrlich, es ist interessant«, sagte er auf dem Rückflug von Beirut nach Rom. »Sie denken, Sie könnten meine Gedanken durch meinen Gesichtsausdruck lesen; aber Sie liegen nicht immer richtig«, sagte er lachend.
Weiter dankte Leo den rund 80 Medienschaffenden aus vielen Ländern, die ihn bei seiner ersten Auslandsreise als Papst in die Türkei und den Libanon begleitet hatten. »Sie haben so viel daran gearbeitet, um die Botschaft der Reise an die anderen Journalisten weiterzugeben«, so der seit knapp sieben Monaten amtierende Papst. »Danke an Sie alle – und einen großen Applaus für Ihre Arbeit.«
Dann verriet der Papst, wie er sich sein Leben eigentlich – vor der diesjährigen Papstwahl – vorgestellt hatte. »Vor ein oder zwei Jahren dachte ich darüber nach, mich irgendwann zur Ruhe zu setzen.« Beim Konklave am 8. Mai habe er gemerkt, dass es auf ihn hinauslaufen könnte.
Dieser Tatsache habe sofort gefügt. »Ich tat einen tiefen Atemzug und sagte: Auf geht’s, Herr, du hast die Führung, du zeigst mir den Weg«, sagte der erste gebürtige US-Amerikaner im Papstamt. »Alles ist in Gottes Hand«, das sei schon immer seine tiefe Überzeugung gewesen, sagte der frühere Generalprior des Augustinerordens, Bischof in Peru und Leiter der vatikanischen Bischofsbehörde. »Auch bei großen Herausforderungen, zum Beispiel in Peru während Jahren des Terrors, oder berufen zu werden an Orte, wohin ich niemals dachte, berufen zu werden, habe ich auf Gott vertraut.«
Insofern sei seine Spiritualität ganz schlicht, so Papst Leo XIV. Und steht damit offenbar im Gegensatz zu seiner Mimik.
