Latein ist nicht mehr die vorgeschriebene erste Amtssprache im Vatikan. Das geht aus dem neuen Regelwerk für den Verwaltungsapparat des katholischen Kirchenstaats hervor, das von Papst Leo XIV. genehmigt und diese Woche veröffentlicht wurde.
In Artikel 50 des »Regolamento Generale« heißt es jetzt nur noch: »Die Behörden der Kurie schreiben ihre Akten in der Regel in Latein oder in einer anderen Sprache.« Hingegen war bislang noch vorgeschrieben, dass die Behörden des katholischen Kleinstaats mitten in Rom ihre Schriftstücke »in der Regel« in Latein zu verfassen haben.
Lateinkenntnisse sind keine Voraussetzung mehr
Gestrichen wurde im neuen Regelwerk für die Vatikanangestellten auch die Anforderung, »gute Lateinkenntnisse« zu haben. Künftig werden nur noch gute Kenntnisse in der italienischen sowie in einer weiteren Sprache verlangt. Die wichtigste Arbeitssprache im Vatikan ist heutzutage Italienisch.
Die Sprache der alten Römer wird aber in der katholischen Kirche weiterhin gepflegt. Erhalten bleibt demnach das »Büro für die lateinische Sprache«, das beim vatikanischen Staatssekretariat angesiedelt ist und der gesamten römischen Kurie zur Verfügung steht.
Die Sprachen des Papstes
Offizielle Mitteilungen des Vatikans oder Reden des Papstes werden heute in der Regel in englischer, italienischer, spanischer und französischer Sprache veröffentlicht. Deutsch und Polnisch kommen nach dem Tod der Päpste Benedikt XVI. und Johannes Paul II. seltener vor. Leo XIV. ist der erste Papst aus den USA. Er beherrscht Englisch, Italienisch, Spanisch, Portugiesisch und auch Latein.
Auch heute wird die Wahl des Papstes noch immer mit lateinischen Worten verkündet: »Annuntio vobis gaudium magnum. Habemus Papam« – »Ich verkünde euch große Freude. Wir haben einen Papst«. Messen werden hingegen seit Jahrzehnten weltweit in den jeweiligen Landessprachen gehalten. Deshalb hat Latein für die katholischen Gläubigen weltweit längst an Bedeutung verloren.
