»Mir ist es tatsächlich auch mal passiert«, sagt Palina Rojinski in einem Video auf Instagram . Die Schauspielerin und Moderatorin sitzt in einem Auto, noch warm angezogen. Sie komme gerade von ihrer Frauenärztin, erzählt sie. Das Thema des Videos: Gewalt gegen Frauen. Der Anlass: der Internationale Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen am 25. November.
Sehr lange her sei es gewesen. »Da hatte ich leider einen Partner, der« – sie überlegt, wie sie es ausdrücken soll – »gewalttätig war.« Frauen würden dazu neigen, die Schuld zuerst bei sich selbst zu suchen: »Ach, das war jetzt ein Ausrutscher, das war von mir vielleicht nicht richtig, da habe ich irgendwas Doofes gemacht, das hat ihm nicht gepasst.«
Dann schaut Rojinski direkt in die Kamera: »Leute, Mädels, das liegt nicht an uns! Das liegt am Mann!«
Mut machen
Auch sie habe gedacht, es sei »aus Versehen« passiert oder es sei »eine große Ausnahme«, fügt sie in dem Text unter dem Video hinzu. Sie habe unter körperlicher und psychischer Gewalt gelitten. »Und mir war das peinlich. Ich dachte, mit mir ist etwas nicht in Ordnung und ich müsste mich ›besser benehmen‹.«
Das Verhalten ihres damaligen Partners sei immer schlimmer geworden, berichtet sie. »Weil ich viele blaue Flecken und immer mal wieder sichtbare Zeichen hatte, bin ich kaum rausgegangen.« Sie sei abgetaucht. Aber Freundinnen hätten ihr geholfen.
Sie wolle mit ihrem Video Mut machen, damit sich Betroffene an dafür geschaffene Stellen wenden oder zur Polizei gehen. Gewalt gegen Frauen finde »sehr viel da draußen« statt. Es sollten mehr Frauenhäuser eröffnet werden und das Thema mehr Aufmerksamkeit bekommen, fordert sie, nachdem sie auch mit ihrer Frauenärztin darüber gesprochen habe. Man müsse die Gewalt nicht ertragen.
Sind Sie selbst oder eine Ihnen vertraute Person von sexueller Gewalt betroffen?
Hier können Sie anonym Kontakt aufnehmen:
Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen: 116 016
Hilfetelefon Sexueller Missbrauch: 0800 22 55 530
Alternativ ist auch die Telefonseelsorge rund um die Uhr erreichbar.
Entweder telefonisch unter 0 800 / 111 0 111 und 0 800 / 111 0 222, per Hilfe-Chat oder E-Mail .
Sie selbst habe viel Angst gehabt, jemandem von ihrer Gewalterfahrung zu erzählen und sich Hilfe zu holen. Sie sei »Gott sei Dank aus der Beziehung dann rausgekommen« und »glimpflich davongekommen«.
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Laut einer jüngst veröffentlichten Untersuchung der Weltgesundheitsorganisation erleben weltweit mehr als 30 Prozent aller Frauen Gewalt, überwiegend durch ihre aktuellen oder ehemaligen Partner. Das tatsächliche Ausmaß liege vermutlich noch höher, da viele Opfer aus Angst nicht darüber sprechen.
In Deutschland sind der Studie zufolge etwa 16 Prozent der Frauen im Alter von 15 bis 45 Jahren betroffen.
Ein Forschungsteam hat neue Erkenntnisse zu Tötungsdelikten an Frauen und Mädchen vorgelegt. Mehr zu der systematischen Auswertung, die der SPIEGEL vorab einsehen konnte, erfahren Sie hier .

