SpOn 27.02.2026
01:56 Uhr

Pakistan erklärt den Taliban in Afghanistan den »offenen Krieg«


Am Abend haben die afghanischen Taliban Stellungen im Nachbarland Pakistan attackiert. Das dortige Militär reagiert mit scharfen Worten und greift Kabul aus der Luft an. Es ist nicht die erste Eskalation.

Pakistan erklärt den Taliban in Afghanistan den »offenen Krieg«

Die pakistanische Luftwaffe hat militärische Einrichtungen in Afghanistan angegriffen, unter anderem in der Hauptstadt Kabul. Darüber hinaus seien Stellungen in den Provinzen Kandahar und Paktia bombardiert worden, teilte der Sprecher der islamistischen Taliban-Regierung, Sabiullah Mudschahid, auf der Plattform X mit. Es gebe keine Berichte über Opfer.

Pakistans Informationsminister Attaullah Tarar bestätigte die Luftangriffe im staatlichen Fernsehsender PTV. Vor diesen Angriffen war es zu heftigen Auseinandersetzungen entlang der afghanisch-pakistanischen Grenze gekommen. Die Zusammenstöße erinnern an eine ähnlich aufgeheizte Stimmung zwischen den Nachbarn im vergangenen Herbst. Damals starben Dutzende afghanische Zivilisten nach pakistanischen Angriffen.

Nach den neuen gegenseitigen Angriffen mit diversen Toten erklärte die pakistanische Regierung der Taliban-Regierung in Afghanistan nun den »offenen Krieg«. »Unsere Geduld ist am Ende. Jetzt herrscht offener Krieg zwischen uns und euch«, erklärte der pakistanische Verteidigungsminister Khawaja Asif am Freitagmorgen im Onlinedienst X.

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Am vergangenen Wochenende hatte Pakistan Stellungen in Afghanistan angegriffen. Am Abend schlugen die afghanischen Taliban entlang der umstrittenen Grenze zurück. Dabei seien 55 pakistanische Soldaten getötet worden, teilte das afghanische Verteidigungsministerium in einer Stellungnahme auf X mit. Pakistanische Stellungen im Grenzgebiet seien eingenommen worden. Als Reaktion auf die pakistanischen Angriffe sei eine umfassende Offensive auf deren militärische Stellungen eingeleitet worden, hatte Sabiullah Mudschahid auf X geschrieben.

Pakistans Präsident Asif Ali Zardari schrieb in der Nacht auf X, die Reaktion der pakistanischen Streitkräfte sei umfassend und entschlossen. Sein Land werde keine Zugeständnisse in Bezug auf Frieden und territoriale Integrität machen. 133 afghanische Taliban-Kämpfer seien bei Gegenschlägen getötet worden, teilte der pakistanische Informationsminister Attaullah Tarar auf X mit. Bei Angriffen seien unter anderem Waffenlager, Panzer und Militäranlagen zerstört worden.

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Beide Seiten beanspruchten, gegnerische Posten zerstört oder eingenommen zu haben. Die Angaben beider Seiten ließen sich zunächst nicht unabhängig überprüfen.

Uno-Generalsekretär António Guterres forderte Afghanistan und Pakistan angesichts der jüngsten gegenseitigen Angriffe zur Deeskalation auf. Die Parteien sollten versuchen, alle Differenzen auf diplomatischem Weg beizulegen, sagte Guterres nach Angaben seines Sprechers Stéphane Dujarric.

Mehr zum Thema

Die Beziehungen zwischen den Nachbarländern Afghanistan und Pakistan haben sich zuletzt massiv verschlechtert. Erst im Herbst war es zu Gefechten gekommen. Laut Uno-Angaben starben damals 70 afghanische Zivilisten bei pakistanischen Angriffen. Islamabad wirft Kabul vor, Terroristen zu beherbergen, die in Pakistan Anschläge verüben. Kabul bestreitet das.

Insbesondere die Gruppe Tehrik-e-Taliban Pakistan (TTP) – weithin als Pakistanische Taliban bekannt – und ein regionaler Ableger des »Islamischen Staates« (IS) verüben in Pakistan seit Jahren immer mehr Anschläge. Nach Angaben des Pakistan Institute for Peace Studies stieg die Zahl der Terroranschläge in Pakistan 2025 auf fast 700.

Auch die Vereinten Nationen schreiben in einem jüngst veröffentlichten Bericht, dass die Regierung in Kabul verschiedenen Terrorgruppen im Land ein günstiges Umfeld biete und die pakistanischen Taliban unterstütze.

Die Nachbarländer teilen sich eine rund 2400 Kilometer lange Grenze, die 1893 zwischen dem damaligen Britisch-Indien und dem Emirat Afghanistan entstand. Der Verlauf der als »Durand-Linie« bekannten faktischen Grenze ist zwischen den Ländern umstritten.

hda/mrc/dpa/AFP