SpOn 01.02.2026
03:03 Uhr

Pakistan: Mindestens 125 Tote bei Angriffen in Unruheprovinz Belutschistan


Belutschistan ist reich an Rohstoffen, doch die Bevölkerung verarmt. Lokale Separatisten wollen Unabhängigkeit von Pakistan erkämpfen. Nun sind Gefechte in der Grenzregion eskaliert.

Pakistan: Mindestens 125 Tote bei Angriffen in Unruheprovinz Belutschistan

Nach den Angriffen von Aufständischen in der Unruheprovinz Belutschistan im Südwesten Pakistans geht die Armee von mindestens 125 Toten aus. Die Separatisten griffen an mehreren Orten an, vor allem aber in der Provinzhauptstadt Quetta und in Gwadar, wie der Pressedienst des Militärs am Samstag mitteilte.

Dabei seien 18 Zivilisten und 15 Mitglieder der Sicherheitskräfte getötet worden. Zudem starben laut Militär 92 Aufständische getötet, darunter drei Selbstmordattentäter.

Zuvor hatten örtliche Sicherheitsbehörden von 15 Opfern unter Zivilisten und Sicherheitskräften gesprochen. Die Zahl der toten Kämpfer lag demnach bei zunächst 58.

Die »koordinierten Schusswaffen- und Selbstmordanschläge« seien in ganz Belutschistan verübt worden, teilte ein hochrangiger Sicherheitsbeamter der Nachrichtenagentur AFP mit. Insgesamt hätten Angriffe an mehr als zwölf Orten stattgefunden. Auch der stellvertretende Verwaltungschef des Bezirks Nushki sei entführt worden.

In einem weiteren Bezirk hätten die Aufständischen mindestens 30 Gefängnisinsassen befreit und dabei Schusswaffen und Munition an sich gebracht, erklärte ein weiterer hochrangiger Sicherheitsbeamter. Zudem hätten die Kämpfer eine Polizeiwache angegriffen und dort ebenfalls Munition geraubt.

Anschuldigungen gegen Indien und Afghanistan

Polizeibeamte in vier Bezirken erklärten gegenüber AFP, dass die Lage noch nicht wieder vollständig unter Kontrolle sei. Das Mobilfunknetz war eingeschränkt, der Zugverkehr wurde in der gesamten Provinz Belutschistan eingestellt.

Ein hochrangiger Armeevertreter in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad bestätigte die Angriffe und erklärte, diese seien »koordiniert, aber schlecht ausgeführt« gewesen. Die Angriffe seien »aufgrund schlechter Planung« und wegen wirksamer Sicherheitsmaßnahmen »gescheitert«.

Premierminister Shehbaz Sharif beschuldigte Indien, die für die Anschläge verantwortlichen Separatisten unterstützt zu haben. »Wir werden den Krieg gegen den Terrorismus fortsetzen, bis er vollständig aus dem Land getilgt ist«, kündigte Sharif an.

Ein Sicherheitsbeamter warf wiederum dem Nachbarland Afghanistan vor, die Angreifer unterstützt zu haben: »Während der gesamten Operation standen die Terroristen Berichten zufolge in ständigem Kontakt mit ihren Hintermännern in Afghanistan.«

Reichlich Ressourcen, aber Armut in der Bevölkerung

Die Belutschistan-Befreiungsarmee (BLA) bekannte sich in einer an AFP gesendeten Erklärung zu den Angriffen. Die militante Separatistengruppe erklärte, die Angriffe hätten sich gegen militärische Einrichtungen sowie Polizei- und Zivilverwaltungsbeamte gerichtet. Die BLA fordert die Unabhängigkeit von Pakistan. Sie ist eine säkulare Bewegung.

Die rohstoffreiche Provinz Belutschistan an der Grenze zu Afghanistan und Iran wird regelmäßig von Gewalt erschüttert. Die Armee geht dort seit Jahrzehnten gegen separatistische Aufständische vor. Erst am Freitag hatte die Armee mitgeteilt, bei zwei Einsätzen in der Provinz 41 Aufständische getötet zu haben.

Trotz hoher Rohstoffvorkommen ist Belutschistan die ärmste Provinz Pakistans und hinkt bei Bildung, Arbeit und wirtschaftlicher Entwicklung dem Rest des Landes hinterher. Die BLA wirft der pakistanischen Regierung vor, die Ressourcen der Region auszubeuten, ohne dass die lokale Bevölkerung davon profitiere.

Mehr zum Thema

Auch chinesische Bauprojekte in Pakistan wurden in den vergangenen Jahren vermehrt zum Ziel von Anschlägen der BLA. Der Chinesisch-Pakistanische Wirtschaftskorridor (CPEC), ein Multimilliardenprojekt der chinesischen Regierung, führt unter anderem durch Belutschistan. Er ist Teil der chinesischen »Neuen Seidenstraße«, die Warenlieferungen nach Europa vereinfachen soll.

Im vergangenen März hatten belutschische Aufständische in der Nähe der Stadt Sibi einen Zug gestoppt und rund 450 Passagiere als Geiseln genommen (mehr zu dem Fall lesen Sie hier ). Dutzende Menschen wurden getötet.

jok/AFP