SpOn 31.12.2025
14:38 Uhr

Ostsee: Finnland beschlagnahmt Schiff nach Kabelschaden


Nach einer Störung »kritischer Unterwasserinfrastruktur« hat Finnland ein verdächtiges Schiff geortet und übernommen. Der Vorfall ähnelt dem Vorgehen der russischen »Schattenflotte«.

Ostsee: Finnland beschlagnahmt Schiff nach Kabelschaden

Finnische Behörden haben ein Schiff übernommen, das verdächtigt wird, die kritische Unterwasserinfrastruktur beschädigt zu haben. Laut Mitteilung des finnischen Grenzschutzes meldete der Telekommunikationskonzern Elisa am frühen Morgen des 31. Dezember eine Störung an einem Datenkabel, das durch den Finnischen Meerbusen verläuft und die Hauptstadt Helsinki mit Estlands Hauptstadt Tallinn verbindet. Der Vorfall erinnert an die Beschädigung von Stromleitungen vor einem Jahr, als ein Öltanker der russischen »Schattenflotte« in der Ostsee mit seinem Anker eine kilometerlange Schleifspur hinterließ.

Finnische Behörden teilten am Silvestermittag mit, dass ein Hubschrauber sowie ein Patrouillenboot der Grenzpolizei nach der neuerlichen Störungsmeldung morgens gegen halb acht ein verdächtiges Schiff in Gewässern der finnischen Wirtschaftszone sichten konnten: Den Frachter »Fitburg«, der von Sankt Petersburg aus in Richtung Israel unterwegs gewesen sein soll. Die Behörden fanden eigenen Angaben zufolge die Ankerkette des Schiffs im Meer. Man habe den Frachter zunächst zum Halten und Einholen des Ankers aufgefordert und schließlich gegen elf Uhr übernommen. Alle 14 Besatzungsmitglieder seien festgenommen worden. Sie sollen aus Russland, Georgien, Kasachstan und Aserbaidschan stammen.

Finnlands Präsident Alexander Stubb dankte auf X, ehemals Twitter, den beteiligten Behörden.

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Die finnische Polizei ermittelt nun wegen des Verdachts auf schwere Sachbeschädigung, versuchter schwerer Sachbeschädigung und schwerer Störung der Telekommunikation. Der Kabelschaden wird allerdings laut Betreiberkonzern Elisa in Gewässern der estnischen Wirtschaftszone verortet.

Das estnische Justizministerium gab zudem an, dass auch ein Unterseekabel des schwedischen Telekommunikationsunternehmens Arelion beschädigt worden sei. Die Behörden aus Estland und Finnland wollen bei der Aufklärung des Vorfalls kooperieren.

Es ist nicht das erste Ereignis dieser Art: Am ersten Weihnachtsfeiertag 2024 meldete der Betreiber eines Untersee-Stromkabels eine Störung und nahm die wichtige Verbindung EstLink 2 zeitweise ganz vom Netz. Kurz darauf verdächtigten finnische Behörden das Schiff »Eagle S«, zudem noch vier Datenkabel absichtlich beschädigt zu haben.

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Der damals festgesetzte Öltanker war unter der Flagge der Cookinseln unterwegs und wurde der sogenannten russischen Schattenflotte zugerechnet, mit der Russland die Sanktionen seit dem Angriff auf die Ukraine umgeht. Geheimdienste vermuten schon länger, dass Russland in der Nord- und Ostsee systematisch Offshore-Windparks, Gaspipelines und unterseeische Strom- und Internetkabel auskundschaftet. Womöglich, um sie im Ernstfall gezielt sabotieren zu können. Diese Art der Kriegsführung wird in Fachkreisen seabed warfare genannt.

cbn/Reuters