SpOn 13.02.2026
08:17 Uhr

Olympische Spiele 2026: Internationale Pressestimmen zur Disqualifikation von Wladyslaw Heraskewytsch


Die Disqualifikation des Ukrainers Wladyslaw Heraskewytsch ist das große Thema der Winterspiele. Die Entscheidung des IOC sorgt in der internationalen Presse für heftige Kritik.

Olympische Spiele 2026: Internationale Pressestimmen zur Disqualifikation von Wladyslaw Heraskewytsch

Der ukrainische Skeleton-Pilot Wladyslaw Heraskewytsch darf nicht an den Olympischen Winterspielen teilnehmen, weil er darauf besteht, einen besonderen Helm mit Bildern von im russischen Angriffskrieg getöteten ukrainischen Sportlerinnen und Sportlern zu tragen. Dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) war das zu politisch, Heraskewytsch wurde disqualifiziert. Die internationalen Medien schreiben von einem PR-Desaster und Heuchelei.

Ukraine

Sport.ua: »Zum Teufel mit ihnen allen. Wlad, für uns bist du mehr als ein Champion. [...] Sicherlich hätte man flexibler sein können. Man hätte nachgiebiger sein können. Letztendlich hätte man weniger prinzipientreu sein können. Und an dem Wettbewerb teilnehmen können, auf den man sich jahrelang vorbereitet hatte. [...] Der Sport war nie, ich betone, nie, selbst zu Zeiten Hellas, frei von Politik. Er kann auch jetzt nicht frei sein. Umso mehr kann er jetzt nicht frei sein, denn in unserem Fall geht es nicht nur um Politik, nicht nur um Terrorismus und nicht einmal nur um offene russische Aggression. In unserem Fall geht es um Völkermord in Reinform. Wir Ukrainer werden einfach so getötet.«

Champion.com.ua: »Das, was mit Wladislaw Heraskewytsch geschehen ist, geht über Disqualifikation, Willenskraft und die Würde von Wlad hinaus. Diese Tat und die Reaktion darauf wird zu einer Wasserscheide zwischen der alten und der neuen Generation des ukrainischen Sports. [...] Die Geschichte mit Heraskewytsch wird zu einem Indikator dafür, ob der ukrainische Sport eine Zukunft hat. [...] Beim Sport geht es nicht nur um Medaillen. Das Land zu präsentieren, ist nicht nur ein Privileg. Man sollte nicht vergessen, dass hinter jedem Sportler nicht nur Trainer und ein Team stehen, sondern auch Menschen, für die sie antreten.«

Italien

»Corriere della Sera«: »Er ist bewusst seinem Schicksal entgegengegangen, hat die tiefe Heuchelei der IOC-Funktionäre herausgefordert, und das tat er, weil er seine toten Kameraden nicht vergessen wollte: Oleksandr Peleschenko, Alina Perehudowa, Daria Kurdel, Andrei Kuzenko und alle anderen. Gleichzeitig ignoriert dasselbe Olympische Komitee ganz offen die russischen Flaggen, die in den Stadien wehen und die andere Athleten während der Wettkämpfe bei den Spielen tragen.«

England

»Guardian«: »Heraskewytschs ›Helm des Gedenkens‹ sorgte bei den Olympischen Winterspielen für ein PR-Desaster beim IOC. Der Skeletonfahrer opferte seinen Traum vom Medaillengewinn und schaffte es, die Schrecken des Krieges in der Ukraine wieder auf die Tagesordnung zu setzen.«

»The Telegraph«: »Die Heuchelei des IOC im ukrainischen Helmskandal ist empörend. Das IOC hat mit seiner unsinnigen und widersprüchlichen Haltung zu Wladyslaw Heraskewytsch erneut einen Fehler begangen.«

»The Sun«: »Kirsty Coventry – die mächtigste Frau im Weltsport – steht vor der größten Herausforderung ihrer neunmonatigen Präsidentschaft, da sie mit den Folgen des Ausschlusses von Wladyslaw Heraskewytsch aus dem Skeleton-Wettbewerb zu kämpfen hat.«

USA

»New York Times«: »Das Internationale Olympische Komitee hat weit mehr getan, als nur den ukrainischen Skeletonfahrer Wladyslaw Heraskewytsch zu disqualifizieren. Es hat seinen Sport trivialisiert. Es hat seine Existenz trivialisiert.«

Kanada

»The Globe and Mail«: »Dank des IOC wurde der Ukrainer Wladyslaw Heraskewytsch vom Helden zur globalen Ikone des Widerstands.«

Mehr zum Thema

Schweiz

»Neue Zürcher Zeitung«: »Der Streit um den Helm des ukrainischen Skeletonfahrers zeigt, wie einseitig das IOC die Neutralität interpretiert [...] Das IOC kann den Helm von Heraskewytsch zwar verbieten, und es hat den Sportler dafür disqualifiziert. Es kann damit aber nicht verhindern, dass die zentrale Frage offensichtlich wird: Wessen Realität darf sichtbar sein, und wer wird höflich in die Mixed Zone verbannt?«

Österreich

»Der Standard«: »Der Konflikt zwischen dem ukrainischen Skeletonfahrer Wladyslaw Heraskewytsch und dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) hat in der höchstmöglichen Eskalationsstufe geendet.«

Russland

»Sport-Ekspress«: »Die Führung des IOC hat sich in ihrem Bestreben, es allen recht zu machen, in eine Sackgasse manövriert. In einer schwierigen Situation gibt es eigentlich immer einen einfachen Ausweg: sich strikt an die Gesetze halten. Warum nach Kompromissen suchen, wenn anerkannt ist, dass Heraskewytsch gegen die Olympische Charta verstoßen hat? [...] Die derzeitige Vogel-Strauß-Taktik der IOC-Führung droht, den Prozess der vollständigen Rückkehr Russlands um Jahre, wenn nicht sogar Jahrzehnte zu verzögern.«

mrk/dpa/sid