SpOn 08.02.2026
08:48 Uhr

Olympia 2026: ZDF-Moderatorin Katrin Müller-Hohenstein über die Faszination Olympia


Seit 2008 hat Katrin Müller-Hohenstein im ZDF über sämtliche Olympischen Spiele berichtet. Hier spricht sie über die Faszination Olympia und wie viel sie im Studio von den Wettkämpfen mitbekommt.

Olympia 2026: ZDF-Moderatorin Katrin Müller-Hohenstein über die Faszination Olympia

SPIEGEL: Frau Müller-Hohenstein, seit 2008 haben Sie sämtliche Olympische Spiele, sommers wie winters, erlebt, moderiert. Ist das immer noch etwas Besonderes oder mittlerweile komplette Routine?

Müller-Hohenstein: Ich freue mich immer noch darauf, es ist noch wie am Anfang. Olympia ist eine ganz alte Liebe, die wird auch nie erlöschen.

SPIEGEL: Welche dieser Spiele hat Sie am meisten beeindruckt?

Zur Person
Foto:

Noi Crew / ZDF

Katrin Müller-Hohenstein, 60, moderiert seit 2006 das »Aktuelle Sportstudio« im ZDF und ist seit 2008 auch Moderatorin der ZDF-Berichterstattung bei Olympischen Spielen und den großen Fußballturnieren WM und EM. Zudem übernimmt sie regelmäßig die Moderation der Gala zur Wahl des Sportlers und der Sportlerin des Jahres.

Müller-Hohenstein: Die ersten und die bisher letzten. Paris 2024 war ein Traum. Und Peking damals 2008, ich weiß gar nicht, wie ich das beschreiben soll. Ich stand da und konnte das alles gar nicht wirklich fassen. Ich war lebenslang Olympiafan, und dann ist man plötzlich dabei und mittendrin. Das war fantastisch. Das hatte gar nichts mit Peking zu tun – die Spiele hätten mich überall völlig »weggefegt«.

SPIEGEL: Erklären Sie mal, was für Sie das Besondere an Olympia ist.

Müller-Hohenstein: Wenn die Flamme brennt. Diesen Moment habe ich nie besser erlebt als in Sotschi. Da hatten wir ein Studio direkt am Olympiastadion, und direkt vor unserem Studiofenster wurde die olympische Flamme entzündet. Ich hatte damals Dienst am Eröffnungstag, und keine 50 Meter Luftlinie ging das Feuer an, ich hätte fast geheult. Das war so großartig, das war so ein gewaltiger Moment. Und man weiß: Tausende Athleten aus aller Welt versuchen ab jetzt, ihr Bestes zu geben.

Olympiacrew des ZDF im Jahr 2012: Rudi Cerne, Katrin Müller-Hohenstein, Michael Steinbrecher

Olympiacrew des ZDF im Jahr 2012: Rudi Cerne, Katrin Müller-Hohenstein, Michael Steinbrecher

Foto: Christian Charisius/ dpa

SPIEGEL: Einen Moment, den Sie bei diesen Spielen nicht erleben werden. Sie moderieren von Mainz aus. Ist das nicht total unbefriedigend?

Müller-Hohenstein: Das hat einen guten Grund, warum wir von Mainz aus senden: Italien ist zwar nicht weit weg, aber die Wettbewerbe sind über viele Hundert Quadratkilometer verteilt. Es gibt keinen zentralen Ort, der sich für das Studio angeboten hätte. In Peking 2022 haben wir es, wenn auch aus anderen Gründen, schon so praktiziert und festgestellt, dass es super gelaufen ist. Daher haben wir uns für diese Variante entschieden.

»Ich bekomme jetzt schon schweißnasse Hände, wenn ich daran denke, wie Lindsey Vonn die Piste herunterfährt.«

SPIEGEL: Aber auch vor Ort bekommt man ja vermutlich als Moderatorin im Studio von den sportlichen Wettbewerben gar nicht so viel mit, oder?

Müller-Hohenstein: Ich habe bei den Spielen von Paris Fechten gesehen, ich habe 3 × 3-Basketball gesehen, ich gehe immer zum Schwimmen. Aber es stimmt, wir haben eigentlich überhaupt keine Zeit, uns selbst etwas anzuschauen. Das geht überhaupt nur, weil wir Früh- und Spätschichten im Wechsel haben. Dann hat man zum Beispiel nach der Frühschicht zwei bis drei Stunden Gelegenheit dazu, etwas zu sehen, und das nutze ich dann auch sofort aus. Aber ansonsten sitzt man am Schreibtisch und bereitet sich auf alles vor, was da kommen könnte. Das ist im Winter eine ganze Menge, allein durch das Wetter, wenn dadurch Wettbewerbe terminlich verschoben werden müssen. Dass man sich bei Olympia auch mal einen schönen Tag machen kann – diese Vorstellung hat mit unserer Arbeit nichts zu tun.

Mit Oliver Kahn auf Usedom bei der Fußball-EM 2012

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Foto: Stefan Sauer/ picture alliance / dpa

SPIEGEL: Gibt es eine Disziplin bei den Winterspielen, die Sie besonders reizt?

Müller-Hohenstein: Das ist der Abfahrtslauf, ich liebe Ski alpin. Ich bin ein totaler Abfahrtsfan. Bei der Streif sitze ich mit offenem Mund davor und bewundere das. Ich werde in meiner Sendung den Abfahrtslauf der Frauen haben und bekomme jetzt schon schweißnasse Hände, wenn ich daran denke, wie Lindsey Vonn die Piste herunterfährt. Das wird spektakulär.

SPIEGEL: Die Sommerspiele sind das große Spektakel, im Winter ist alles etwas kleiner. Was ziehen Sie vor?

Müller-Hohenstein: Es sind deutlich weniger Sportarten als im Sommer, aber die, die es gibt, die sind alle toll. Sogar Curling, das hat etwas Meditatives, da kann ich mir den Psychotherapeuten sparen, wenn ich da drei Stunden zuschaue.

SPIEGEL Aber die Kälte ...

Müller-Hohenstein: Ich habe das große Glück, im Studio zu sein. Aber die Kollegen, die dann stundenlang an der Schanze stehen bei Minusgraden – ich bin so eine »Frierbirne«, da beneide ich keinen von ihnen.

Die Torwand und Müller-Hohenstein: Beides gehört fest zum »Aktuellen Sportstudio« dazu

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Foto: Camera4 / IMAGO

SPIEGEL: Und noch so eine 50:50-Frage: Wenn Sie sich entscheiden müssten: Olympische Spiele oder Fußball-WM?

Müller-Hohenstein: Olympia. Auf jeden Fall. Wenn Sie mich fragen, was mein größter beruflicher Moment war, dann war es das Finale von Maracanã bei der Fußball-WM 2014. Da wird es auch nichts Besseres mehr geben. Aber Platz zwei bis 20 sind olympische Momente. Was dazu kommt: Ich habe noch nie einen olympischen Sportler erlebt, mit dem ich nicht mit Vergnügen ein Interview geführt hätte.

SPIEGEL: Das Schicksal der olympischen Sportler: Man kennt sie kaum, alle vier Jahre stehen sie dann jäh im Scheinwerferlicht.

Müller-Hohenstein: Das ist es gerade, was sie so interessant macht. Jahrelang trainieren sie fast im Verborgenen für diesen einen großen Moment. Dann müssen sie da sein. Ich habe so eine Begeisterung für diese Menschen, weil sie das tun, was mich zwar nie gereizt hat, aber wofür ich größte Bewunderung hege. Dieses tägliche Training, um in diesem olympischen Moment zu zeigen, was sie können.

»Wenn ein Deutscher gewinnt, freue ich mich ein bisschen mehr«

SPIEGEL: Dass die Wintersportler einigermaßen prominent sind, dafür tun ARD und ZDF mit ihren Dauersendungen im Winter ja einiges. Jedes Wochenende stundenlang Biathlon, Skispringen, Rodeln bis zum Abwinken.

Müller-Hohenstein: Inhaltlich muss ich mich tatsächlich auf diese Olympischen Spiele kaum vorbereiten – ich weiß, wie es um die Rodler oder die Skispringer steht, weil wir das kontinuierlich im Winter begleiten. Beim Curling mag das anders sein, und in diesem Winter kommt ja auch noch Skibergsteigen hinzu. Dazu muss ich mich noch ein bisschen einlesen.

SPIEGEL: Ist das nicht zu viel, dieser Dauer-Wintersport im Fernsehen? Die Sommersportler hätten gern so viel Präsenz.

Müller-Hohenstein: Was die Wintersportler geschafft haben, eine vernünftige TV-Präsenz zu bekommen, das würde ich den Sommersportlern auch wünschen. Im Sommer haben sie den Nachteil, dass es nun mal keine Hauptfernseh- und Streaming-Zeit ist. Da sind die Leute selbst unterwegs. Im Winter hingegen, am Wochenende, wenn es draußen eiskalt ist, dann setzen sich die Leute gern vor den Fernseher und jubeln Franziska Preuß zu.

Mit den Fußball-ZDF-Experten Christoph Kramer und Per Mertesacker 2024

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Foto: Marcus Brandt / dpa

SPIEGEL: Wieder werden die Kosten für diese Spiele gigantisch sein, der Aufwand enorm. Bei aller Wertschätzung für die Athletinnen und Athleten: Ist es das wirklich wert?

Müller-Hohenstein: Ich bin immer für Olympia. Ich verstehe aber die Argumente der Menschen, die sagen: Das ist mir zu viel. Man muss die Frage einfach für sich beantworten: Will ich das, oder will ich das nicht? Die Kosten werden Sie immer haben. Man kann einiges für Nachhaltigkeit tun, das wird bei den deutschen Bewerbungen ein Kern sein, gerade hier in München: Da ist ja fast alles da. Es ist sehr anders, als Retortenstädte aus dem Boden zu stampfen. Jeder hat da seine eigene persönliche Meinung, da gibt es keine falsche Meinung. Aber wenn Sie mich fragen: Ja, klar. Am Ende entscheidet die Mehrheit, und das ist auch gut so.

SPIEGEL: Schaut man sich die extremen Kosten an, schaut man sich die Ausrichter der Fußball-WM an, schaut man die Debatten über Trump als Gastgeber der WM an. Kann man eine fast naive Freude am Sport dann wirklich noch empfinden?

Müller-Hohenstein: Ich muss Ihnen ehrlich sagen: An die Fußball-WM habe ich noch keine Sekunde gedacht. Worüber ich hingegen oft nachgedacht habe, sind die damaligen Olympischen Spiele von Sotschi 2014. Ich muss viel an die Menschen denken, die ich damals kennengelernt habe, Sie waren ganz zauberhaft, das macht im Nachhinein alles so schrecklich, wenn man sich die Entwicklung in Russland seitdem anschaut, da trauere ich ein wenig. Rein sportlich waren diese Spiele richtig schön.

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SPIEGEL: Da sind Athletinnen und Athleten aus aller Welt am Start, alle versuchen ihr Bestes, aber bei ARD und ZDF hat man zuweilen den Eindruck, es zählen vor allem deutsche Medaillenchancen. Muss man als Moderatorin die deutsche Brille aufhaben?

Müller-Hohenstein: Man muss gar nichts. Aber gerade, was die Wintersportler angeht: Ich kenne viele von ihnen. Und ich freue mich, wenn jeder sein Potenzial abruft, und wenn es ein Deutscher ist, freue ich mich ein bisschen mehr. Aber ich gönne es jedem.