SpOn 05.02.2026
11:29 Uhr

Olympia 2026: Skispringerin Katharina Schmid und Eishockeyspieler Leon Draisaitl sind Fahnenträger für Deutschland


Sie tragen bei der Eröffnungszeremonie der Olympischen Winterspiele die deutsche Flagge: Skispringerin Katharina Schmid und NHL-Profi Leon Draisaitl. Warum die Wahl auf dieses Duo gefallen ist.

Olympia 2026: Skispringerin Katharina Schmid und Eishockeyspieler Leon Draisaitl sind Fahnenträger für Deutschland

Man könnte denken, die deutschen Olympiafans und das deutsche Team wollten einfach eine außergewöhnlich erfolgreiche Sportlerin ehren.

Zweifelsohne trifft das auf Katharina Schmid zu. Schmid ist mit dem Skispringen der Frauen erwachsen geworden.

2011, mit 15 Jahren und einer festen Zahnspange wie so viele ihrer Altersgenossinnen, nahm Schmid am ersten Skisprung-Weltcup für Frauen teil. Sie war bei der Olympiapremiere 2014 am Start. Und natürlich auch beim ersten Skifliegen für Springerinnen vor drei Jahren.

261 Weltcupstarts, darunter 22 Siege, siebenfache Weltmeisterin, zwei Silbermedaillen bei Olympischen Spielen. Es gibt wenige Wintersportlerinnen, die eine solche Bilanz vorweisen können.

Katharina Schmid: Die 28-Jährige befindet sich auf Abschiedstournee

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Foto: Swen Pförtner / dpa

Aber das ist möglicherweise nicht der einzige Grund, warum sie zur Fahnenträgerin der deutschen Olympiamannschaft gewählt wurde. Denn Katharina Schmid hat den Sport nicht nur durch ihre großen Erfolge geprägt. Auch abseits der Schanze ist sie eine Stimme der Skispringerinnen.

Nie wurde sie müde, sich für mehr Gleichberechtigung einzusetzen. Mehr Aufmerksamkeit, mehr Sichtbarkeit, gerechtere Bezahlung. Immer und immer wieder forderte sie eine Vierschanzentournee für Frauen. Die soll im nächsten Winter kommen.

Als aktive Sportlerin wird Schmid sie nicht mehr erleben. Nach dieser Saison beendet sie ihre Karriere. Vielleicht ist die Wahl auch eine Anerkennung, wie lang sie ihren Sport getragen hat. Für eine Pionierin ihres Sports.

»Ich freue mich mega, dass ich für Deutschland die Fahne tragen darf, bei meinen vierten und letzten Olympischen Spielen«, sagte Schmid in einem Statement, das der Deutsche Skiverband (DSV) verbreitete. »Es ist mir eine Wahnsinns-Ehre.«

Der NHL-Star und die Olympiapremiere

Die Wahl von Leon Draisaitl wirkt auf den ersten Blick dagegen ungewöhnlich. Weil der Eishockeyprofi noch gar kein Olympionike ist. Der 30 Jahre alte Draisaitl hätte theoretisch bereits an drei Olympischen Winterspielen teilnehmen können. Doch 2014 wurde er als 18-Jähriger erst nach den Spielen in Sotschi das erste Mal für die Nationalmannschaft nominiert. Und seit er fester Bestandteil des Kaders der Edmonton Oilers ist, verweigerte die NHL ihm (und allen anderen Stars der Liga) die Freigabe.

In diesem Jahr ist das anders. Die beste Eishockeyliga der Welt hat sich entschieden, ihre Spieler zu den Olympischen Spielen zu schicken, und so wird Draisaitl am 12. Februar gegen Dänemark seine olympische Premiere feiern. »Ich freue mich seit Monaten wie ein kleines Kind darauf«, sagte Draisaitl, als ihm Olaf Tabor, Chef de Mission des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), telefonisch die Nachricht von der Fahnenträgerwahl überbrachte.

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Wer das Video in den sozialen Medien gesehen hat, wird sich womöglich wundern, warum Draisaitl in kompletter Oilers-Montur ans Telefon gegangen ist. Die Erklärung: Seine Mannschaft hat in der vergangenen Nacht gegen die Calgary Flames 3:4 verloren und Draisaitl kann sich erst jetzt auf den Weg nach Mailand machen. Dort finden die Eishockey-Wettbewerbe – und eine der Eröffnungsfeiern – statt.

Draisaitl ist in Kanada und in den USA ein absoluter Superstar. Er stand in den vergangenen beiden Saisons mit seiner Mannschaft jeweils im Finale um den Stanley Cup, verlor jeweils dramatisch gegen die Florida Panthers.

Deutschlands Sportler des Jahres 2020 hat in der NHL 845 Spiele absolviert. Aktuell steht er bei 428 Treffern und 608 Vorlagen, die in Nordamerika so wichtige 1000er-Grenze an Toren und Assists haben in der NHL-Historie erst 103 Spieler geknackt. Draisaitl ist der fünfte Profi der Oilers und der erste Deutsche.

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In Deutschland allerdings hat es Draisaitl noch nicht zum Superstar geschafft. Die NHL hinkt in Sachen Aufmerksamkeit in Deutschland deutlich hinter der Basketballliga NBA und der Footballliga NFL hinterher, zudem stand Draisaitl bei den großen Erfolgen der Nationalmannschaft (Olympia-Silber 2018 und WM-Silber 2023) jeweils nicht im Kader.

Die Erfolge würde Draisaitl in Mailand nur zu gern wiederholen, er führt die vermutlich beste deutsche Nationalmannschaft der Geschichte an. »Natürlich fliegen wir da hin, um eine Medaille zu holen«, sagte er vor wenigen Tagen. Er ist sich aber auch der Schwere der Aufgabe bewusst. Denn die anderen Nationen bringen ebenfalls ihre NHL-Stars mit.

Doch erst mal darf Draisaitl nun die deutsche Flagge ins San Siro tragen. »Das ist das I-Tüpfelchen«, sagte er beim Telefonat mit Tabor. »Ich bin sehr stolz drauf.«

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version war der Nachname der Fahnenträgerin Katharina Schmid falsch geschrieben. Wir haben dies korrigiert.