SpOn 16.02.2026
23:00 Uhr

Olympia - Skispringen: Philipp Raimund und Andreas Wellinger verärgert über Wettkampf-Abbruch


Die Skispringer hatten bei den Olympischen Winterspielen mit Schneetreiben zu kämpfen: Dann wurde der Super-Team-Wettkampf abgebrochen – sehr zum Ärger der Deutschen, für die eine Medaille möglich war.

Olympia - Skispringen: Philipp Raimund und Andreas Wellinger verärgert über Wettkampf-Abbruch

Der Skispringer Philipp Raimund ist normalerweise ein außergewöhnlich höflicher und gut gelaunter Mensch. Einer, der auch nach Niederlagen das Positive sieht, der sich und sein Team aufrichtet, wenn es mal nicht nach Plan läuft.

Wenn nun einer wie Raimund die Fassung verliert, lässt sich erahnen, dass er wirklich sauer ist. Aber so richtig. Als der Olympiasieger am Montagabend bei den Journalisten ankam, hielt er sich an seinen Ski fest und polterte los. »Es ist einfach ein Scheiß-Ende«, sagte er und legte nach: »Ich weiß nicht, was deren Problem ist. Das kotzt mich ehrlich gesagt richtig an.«

Was war passiert?

In Predazzo lief der letzte Skisprung-Wettkampf der Olympischen Spiele. Gesprungen wurde im sogenannten Super-Team, bei dem zwei Springer jeder Nation jeweils abwechselnd drei Sprünge absolvieren. Für Deutschland waren Andreas Wellinger und eben Raimund am Start.

Philipp Raimund

Philipp Raimund

Foto: GEPA pictures / Matthias Trinkl / IMAGO

Wellinger tat sich schwer, er hat eine durchwachsene Saison hinter sich, aber er hielt Deutschland stets in Schlagdistanz zu den Medaillen. Und Raimund, der vor wenigen Tagen Olympiasieger von der Normalschanze geworden war, zeigte einen richtig starken Wettkampf, hielt mit den Allerbesten der Welt mit, übertrumpfte viele von ihnen.​

Dann lief der dritte und damit entscheidende Durchgang. Zunächst kam aus deutscher Sicht Wellinger, der auf 130 Meter sprang – sein bester Versuch an diesem Tag.​

Medaille war absolut vorstellbar

Abgeschlossen werden sollte der Wettkampf mit den letzten acht Springern, unter ihnen Raimund. Doch dann begann es plötzlich heftig zu schneien. Die Jury wartete zunächst, schickte einen Vorspringer in die Spur, dann kam Domen Prevc, der beste Springer der Saison. Er fiel fast vom Himmel. Nach einer erneuten Pause kam Raimund, sprang grandios, brachte das deutsche Team in Führung und damit in Medaillenreichweite. Nach Raimund durfte noch der Pole Kacper Tomasiak los, er kam nicht zurecht, Polen fiel hinter die Deutschen zurück.​​

Eine Medaille für Deutschland war nun absolut vorstellbar. Doch die Jury wartete erneut. Die Minuten vergingen, der Schnee fiel – und plötzlich jubelten im Auslauf die Österreicher, während im Stadion noch niemand wusste, was los war: Die Jury hatte den Wettkampf für beendet erklärt, alle Sprünge aus dem letzten Durchgang wurden annulliert.

Es zählt das Ergebnis nach zwei Durchgängen – und da liegt Deutschland 0,3 Punkte hinter Norwegen auf Rang vier. 0,3 Punkte, das sind umgerechnet etwa 16 Zentimeter. Bei vier Sprüngen in der Wertung ein Hauch von nichts.​​ Gewonnen hat Österreich vor Polen, jenem Polen, das im dritten Durchgang hinter Deutschland gefallen war.

Sportdirektor Horst Hüttel: »Ich verstehe nicht, warum man da nicht die professionelle Ruhe bewahrt und einfach kurz abwartet«

Sportdirektor Horst Hüttel: »Ich verstehe nicht, warum man da nicht die professionelle Ruhe bewahrt und einfach kurz abwartet«

Foto: Hendrik Schmidt / dpa

Doch was hätte die Jury machen können? Wellinger schaute fast entgeistert, als man ihm diese Frage stellte. »Entweder früher schneller aufs Pedal drücken«, sagte er, und meinte damit, die Springer in kürzeren Intervallen starten zu lassen, um der angekündigten Schneefront aus dem Weg zu gehen. »Oder man wartet«, sagte Wellinger und blickte gen Himmel. Denn von dort fiel kein Schnee mehr, als Wellinger wenige Minuten nach dem Abbruch des Wettkampfes bei den Journalisten ankam.​​

Der Schnee kam schnell und heftig – und genauso plötzlich hörte es wieder auf zu schneien.

Dementsprechend sauer war Sportdirektor Horst Hüttel: »Alle Wetter-Apps haben gezeigt, dass der Schneefall nach etwa zehn Minuten aufhört – das hätte die FIS genauso sehen müssen. Ich verstehe nicht, warum man da nicht die professionelle Ruhe bewahrt und einfach kurz abwartet«, sagte er. »Natürlich ist das ein Outdoor-Sport, mit schwierigen Bedingungen müssen wir leben. Aber ich bin wütend, dass man den Athleten nicht die Chance gegeben hat, den Wettkampf fair zu Ende zu bringen.«

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Der Weltverband verteidigt den Abbruch: »Wir haben versucht, die Spur zu reinigen, aber wir haben sofort festgestellt, dass das Tempo in der Spur verloren geht«, erklärte Sandro Pertile, Renndirektor beim Weltverband Fis, der Deutschen Presse-Agentur. Auch der Wind habe sich stark verändert. »Bei diesen Bedingungen war es einfach unfair, weiterzumachen.«

Eine Begründung, die Hüttel nicht versteht. »Die Schneefront war angekündigt, wir wussten das alle. Sie kam zwischen 20 und 21 Uhr, dauerte rund 15 bis 18 Minuten – dann war sie durch. Da wäre es nur logisch gewesen, kurz zu unterbrechen oder am Ende die ganze Gruppe noch einmal springen zu lassen.« So habe man einen Wettkampf verzerrt, unnötigerweise, wie er findet.

Bundestrainer Stefan Horngacher sagte nach seinem letzten Olympiawettkampf als Bundestrainer noch, er müsse heute Abend ein Frustbier trinken. Womöglich sieht danach der sonst so freundliche Philipp Raimund die Welt auch wieder ein wenig positiver.