Zum Anforderungsprofil eines Sportlers gehört, dass er sich so viel bewegt, wie es eben geht.
Breezy Johnson hat allerdings festgestellt, dass es Situationen gibt, in denen man sich möglichst wenig bewegen sollte.
Zum Beispiel, wenn man die eigene olympische Goldmedaille heil erhalten möchte. »Man sollte damit nicht hüpfen«, hat die Olympiasiegerin im Abfahrtslauf aus den USA ihrer deutschen Silber-Kollegin Emma Aicher geraten.
Johnson ist mit ihrer Goldmedaille gehüpft, vor Freude, nachvollziehbar.
Und schon war der Steg der Medaille, mit dem sie am Umhängeband verbunden sein sollte, abgebrochen.
Kein Einzelfall in den ersten Tagen von Mailand und Cortina: Auch anderen Medaillengewinnerinnen und ‑gewinnern ist das passiert. Hüpfen verboten!
Beim Feiern im Deutschen Haus abgebrochen
Emma Andersson, der schwedischen Silbermedaillengewinnerin im Skiathlon, ist dieses Missgeschick unterlaufen, als sie euphorisiert nach der Siegerehrung auf ihre Eltern zugelaufen war. US-Eiskunstläuferin Alysa Liu ebenso.
Und der deutsche Biathlet Justus Strelow, Teil, der mit Bronze dekorierten Mixed-Staffel, verlor seine Medaille beim abendlichen Abfeiern im Deutschen Haus, weil sie sich ebenfalls vom Band gelöst hatte.
Sein Teamkollege Philipp Nawrath gab am Vormittag Entwarnung: »Ich hoffe und glaube, dass das relativ schnell wieder zusammenzusetzen war. Einen kleinen Schwund gab es, aber das ließ sich alles beheben.«
Breezy Johnson mit dem Corpus Delicti: Ein Band ohne Medaille
Foto: Andrew Milligan / PA Wire / dpaEin wahres Luxusproblem, aber die Organisatoren »arbeiten dran«, wie Andrea Francisi vom Organisationskomitee versicherte: »Wir untersuchen, worin genau das Problem besteht. Es ist wichtig, dass bei der Medaillenübergabe alles perfekt abläuft, denn das ist wohl einer der wichtigsten Momente für die Athleten.«
Schon in Paris massive Probleme
Ärger mit den Olympia-Medaillen – das ist nichts Neues. Bei vergangenen Spielen war es allerdings nicht die Sollbruchstelle zwischen Band und Medaille, die für Unmut sorgte, sondern die Konsistenz der Auszeichnungen. Die Medaillen werden schon seit einer ganzen Weile nicht mehr aus dem puren Material gefertigt, das ihr Name verspricht. Die Goldmedaillen von Mailand und Cortina zum Beispiel bestehen nur noch aus sechs Gramm Feingold, aber aus 500 Gramm Feinsilber – die Goldmedaillen sind also eigentlich Silbermedaillen, wenn man ihre Herstellung zugrundelegt.
Die deutsche Biathlonstaffel hält ihre Bronzemedaillen gut fest
Foto: GEPA pictures / Matthias Trinkl / IMAGOPrinzipiell werden die Medaillen mit recycelten Metallen aus Produktionsabfällen hergestellt. Zuständig für die Exemplare 2026 ist die staatliche Münzprägeanstalt, das Intituto Pokligrafico e Zecca dello Stato.
Noch glänzen die Medaillen, aber ob dies in einigen Monaten noch so ist, das kann man bezweifeln. Nach den Sommerspielen von Paris 2024 haben mehr als hundert Medaillengewinner ihre Auszeichnungen an das IOC zurückgeschickt, weil sie schon wenige Monate nach der Verleihung anfingen zu rosten.
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Goldmedaillen ans IOC zurückgeschickt
Besonders betroffen sind die Bronzemedaillen, die aus Kupfer, Zink und Zinn gefertigt wurden. Früher wurde der Rost durch einen Zusatz von Chromverbindungen verhindert, das ist allerdings ein Stoff, der von der EU als möglicherweise krebserregend eingestuft und verboten wurde. Mit der Folge, dass die Medaillen mit der Zeit hässliche Oxidationsprozesse über sich ergehen lassen – und ihr Glanz üblen Rostflecken weicht.
Das IOC hat das schon nach den Spielen von Rio 2016 erfahren, schon damals wurden fast 130 Goldmedaillen zurückgeschickt und mussten neu aufgelegt werden. Auch nach Paris musste Monnaie de Paris als Hersteller der Auszeichnungen nachbessern.
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Emma Aicher, die Zweite der Abfahrt vom Sonntag, hat sich jedenfalls den Rat Breezy Johnsons, die ihr Gold um vier Hundertstelsekunden weggeschnappt hatte, zu Herzen genommen. Sie hat aufs Hüpfen verzichtet und konnte am Montag der Öffentlichkeit vermelden: »Meine Medaille ist ganz, ich kann mich nicht beschweren.«
Von einer Olympiasiegerin lernen, heißt siegen lernen.
