Julia Taubitz raste mit einem Jubelschrei in den Zielbereich, Sekunden später flossen Tränen: Deutschlands Rodlerin hat sich in Cortina d'Ampezzo ihren Kindheitstraum erfüllt und erstmals Olympiagold gewonnen. Der 29 Jahre alten Weltmeisterin gelang der Triumph zwei Tage nach dem Coup von Max Langenhan. Insgesamt ist es das dritte deutsche Gold in Norditalien.
Dabei blieb ein vorher erwarteter Tausendstel-Krimi überraschend aus: Merle Fräbel, mit nur 0,061 Sekunden Rückstand auf Taubitz in den Entscheidungstag gegangen, krachte beim Start des dritten Laufes in die Bande und musste ihre Medaillenträume begraben. Ein guter vierter Durchgang genügte nicht mehr, am Ende wurde sie Achte.
Taubitz hingegen feierte, auch angefeuert von mehr als 50 Fans aus der Heimat, den größten Erfolg ihrer Karriere. Mit deutlichem Vorsprung setzte sich die achtmalige Weltmeisterin vor der Lettin Elina Bota (0,918 Sekunden) und der US-Amerikanerin Ashley Farquharson (0,957) durch und bescherte dem Team Deutschland in Norditalien die dritte Goldmedaille nach Rodler Langenhan und Skispringer Philipp Raimund.
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Vier Jahre nach ihrem Olympiatrauma von Peking ist es für Taubitz das ersehnte Happy End. 2022 war die als Favoritin gestartete Athletin aus dem Erzgebirge im zweiten Lauf gestürzt und in der Folge nur Siebte geworden. »Ich habe lange gebraucht, um diesen Rückschlag zu verarbeiten«, sagte Taubitz. Sie tritt nun die Nachfolge von Natalie Geisenberger an, die in Peking mit ihren Goldmedaillen fünf (Einzel) und sechs (Teamstaffel) zur erfolgreichsten deutschen Winter-Olympionikin aufgestiegen war.
Taubitz, die bereits fünf Gesamtweltcupsiege erzielt hat, setzte im Eiskanal einen historischen Erfolgslauf fort: Seit 1998 kam die Olympiasiegerin im Einsitzer der Frauen stets aus Deutschland. In Peking hatten die Rodler, Skeletonis und Bob-Piloten 16 der 27 deutschen Medaillen gewonnen. Im Rodeln ging Gold dort in allen vier Wettbewerben an das deutsche Team.
