SpOn 12.12.2025
11:40 Uhr

Österreich: Staatsanwaltschaft erhebt Anklage gegen Lockvogel aus Ibiza-Video


Als angebliche Oligarchennichte trat sie im Ibiza-Video auf, das 2019 die österreichische Regierung zu Fall brachte. Nun wurde Anklage gegen Una S. erhoben. Doch ob es tatsächlich zum Prozess kommt, ist unsicher.

Österreich: Staatsanwaltschaft erhebt Anklage gegen Lockvogel aus Ibiza-Video

Im Jahr 2019 brachte das heimlich aufgenommene Ibiza-Video die österreichische Regierung aus ÖVP und FPÖ zu Fall, nun gibt es eine neue Entwicklung: Die Staatsanwaltschaft Wien hat einen Strafantrag gegen Una S. gestellt, wie der »Standard« berichtete.  Die Lettin wird wegen Missbrauchs von Tonaufnahme- und Abhörgeräten sowie der Datenverarbeitung in Gewinn- oder Schädigungsabsicht angeklagt.

Das Ibiza-Video dokumentiert, wie sich der damalige FPÖ-Vorsitzende Heinz-Christian Strache sowie sein Vertrauter Johann Gudenus offen für dubiose Deals zeigten. Strache trat wegen der Ibiza-Affäre als Vizekanzler und Parteivorsitzender zurück.

Una S. wird jedoch nicht wegen des auf der spanischen Insel entstandenen Materials belangt, sondern wegen vorhergehender Handlungen in Österreich. Sie soll sich schon zuvor in ihrer Rolle als Oligarchennichte mehrfach mit dem damaligen FPÖ-Spitzenpolitiker Gudenus in Wien getroffen haben. Auch dabei soll es zu heimlichen Aufnahmen gekommen sein. Die Gespräche sollen sich um den möglichen Kauf eines Grundstücks der Familie Gudenus in Österreich gedreht haben.

Angeklagte nicht erreichbar

Der Strafantrag wurde nach »Standard«-Informationen bereits im Sommer eingebracht. Ein Verhandlungstermin steht noch nicht fest, da es bisher noch nicht gelungen sei, den Strafantrag in Lettland zuzustellen. Ob sich Una S. tatsächlich vor einem Gericht verantworten muss, bleibe daher offen. Die mögliche Maximalstrafe der angeklagten Delikte überschreitet die Grenze von einem Jahr Freiheitsstrafe nicht.

Im Mai 2019 hatte das Ibiza-Video ein Beben in der österreichischen Politik ausgelöst. Der SPIEGEL und die »Süddeutsche Zeitung« berichteten gemeinsam über die Inhalte des Videos und veröffentlichten die relevantesten Ausschnitte. Danach zerbrach die Regierungskoalition des damaligen Bundeskanzlers Sebastian Kurz aus seiner konservativen ÖVP und Straches rechtsradikaler FPÖ.

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In den heimlich gefilmten Aufnahmen zeigte sich der damalige FPÖ-Chef offen für fragwürdige Deals und für eine willfährige Medienlandschaft wie in Ungarn unter Viktor Orbán. Strache und Gudenus sprachen mit der angeblichen Oligarchennichte auch über Spenden an parteinahe Vereine, die Vergabe von Infrastrukturprojekten sowie über die Möglichkeit, Österreichs auflagenstärkstes Massenblatt »Kronen Zeitung« unter Kontrolle zu bringen und kritische Journalisten loszuwerden.

Lesen Sie hier , was der Finanzier des Ibiza-Videos über seine persönlichen Motive sagt.

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