SpOn 31.01.2026
08:52 Uhr

Österreich: Sebastian Kurz trifft Rechtsextreme in Israel


Ein Jahr nach seinem gescheiterten Comebackversuch besucht der konservative Ex-Kanzler ein Treffen mit radikalen Rechtsauslegern. Warum tut er das?

Österreich: Sebastian Kurz trifft Rechtsextreme in Israel

Fern vom winterlichen Österreich nahm der Unternehmer und Ex-Kanzler Sebastian Kurz dieser Tage in Israel an einem Treffen teil, das die jüdische Welt spaltet. Sein guter Bekannter Amichai Chikli, Israels rechtsnationaler Minister für »Diaspora-Angelegenheiten«, hatte eine »Antisemitismus-Konferenz« organisiert, auf der sich auch radikale Rechtsausleger aller Art tummelten: Vertreter von Parteien wie Vox aus Spanien oder den Schwedendemokraten waren geladen, der französische Rechtsextremist Jordan Bardella hielt sogar eine Rede.

Eine »Schmierenkomödie« nennt der Wiener Antisemitismus-Experte Doron Rabinovici deshalb die Veranstaltung. »Das ist, als würde der Brandschutz den berüchtigtsten Pyromanen überlassen werden«, sagt der Schriftsteller zu SPIEGEL und »Standard«. Ariel Muzicant, Interimspräsident des Europäischen Jüdischen Kongress, nennt die Einladung von Persönlichkeiten wie Bardella zu einer »Antisemitismus-Konferenz« einen »Dolchstoß« in den Rücken der jüdischen Diaspora-Gemeinden. Damit verleihe man Parteien mit ideologischen Wurzeln im Faschismus, Nationalsozialismus und Fremdenhass eine Art »Koscher-Siegel«. Hochrangige jüdische Vertreter hatten bereits vergangenes Jahr die Veranstaltung boykottiert, etwa der Chef der Anti-Defamation League und der britische Oberrabbiner.

Niemand unterstellt Sebastian Kurz, insgeheim antisemitisch zu denken. Aber was macht er dann auf einer solchen Veranstaltung?

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Die Antwort liegt wohl in den politischen Ambitionen des wendigen 39-Jährigen. Anfang 2025 war ein Comebackversuch  gescheitert. Er scheiterte, weil Teile seiner christsozialen ÖVP sich querstellten. Ein Jahr später hat sich Kurz offenbar radikalisiert und von den Konservativen ideologisch entfernt: Während sein Parteifreund und Bundeskanzler Christian Stocker vor einer »Vertrumpung« der österreichischen Politik warnt, lobt Kurz den US-Präsidenten auffallend oft und sucht die Nähe des antiliberalen Ungarn Viktor Orbán. Das kommt in Washington gut an. Die Langfassung der neuen amerikanischen Sicherheitsstrategie zählt Österreich zu den Ländern, die das Weiße Haus aus der EU herauslösen möchte. Offenbar setzt Trumps Truppe darauf, dass Kurz und die rechtsextreme FPÖ die Macht in Wien übernehmen.

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In die Reihen der »Freiheitlichen« scheint Kurz gute Kontakte zu pflegen. Auf seiner Salzburger »Schinkenfleckerl«-Party  lud er im Sommer auch einige FPÖ-Kader ein. Und auch bei der umstrittenen Konferenz in Israel setzte sich Kurz ungeniert mit einschlägiger Prominenz in Szene. Auf seinem Instagram-Account repostete er ein Foto mit Flavio Bolsonaro – dem Sohn und politischen Erben des rechtsextremen Ex-Präsidenten Brasiliens, der wegen eines Putschversuchs im Gefängnis sitzt. Was Kurz besonders gefallen haben dürfte: Bolsonaro Junior pries Kurz als »ewigen Premierminister Österreichs«.

Podcast-Folge über Todesfall am Großglockner

Am 19. Februar muss sich Thomas P. wegen grob fahrlässiger Tötung vor dem Landesgericht Innsbruck verantworten. Der Salzburger und seine Freundin Kerstin G. wollten im Januar 2025 den Großglockner besteigen. Er kehrte von der Tour auf Österreichs höchsten Berg allein zurück. Jetzt wirft die Staatsanwaltschaft ihm insgesamt neun Fehler vor, die zum Tod seiner damals 33-jährigen Freundin beigetragen haben sollen.

In Teil eins  haben wir unsere SPIEGEL-Kollegen Jonas Kraus und Gerhard Pfeil über den »Stüdlgrat« bis fast ganz hinauf zum sogenannten »Frühstücksplatzl« begleitet. Zwischen Eis und Schnee wollten sie nachvollziehen, was hier oben am 18. Januar 2025 passiert sein könnte.

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Im Prozess geht es auch um die Frage, wer wann welche Entscheidungen am Berg treffen muss. Deshalb sprechen wir in Teil zwei unter anderem mit dem Alpinisten und YouTuber Adrian Fusco. Er bestieg den Berg erst vor wenigen Monaten über die Route, die auch Kerstin G. und ihr Freund nahmen. Der erfahrene Tourengeher erzählt außerdem, unter welchen Umständen man sich am Berg trennt – und warum der Prozess die Alpinszene so beschäftigt.

Die Folge rekonstruiert die Vorfälle am Berg detailliert und geht den entscheidenden Fragen nach: Warum holte das Paar laut Ermittlungen keine Hilfe – und warum wurde auch einem suchenden Hubschrauber kein Notfallsignal gegeben? Thomas P. bekennt sich über seinen Anwalt nicht schuldig, es gilt die Unschuldsvermutung. Im Falle einer Verurteilung drohen ihm bis zu drei Jahre Haft.

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Herzliche Grüße aus Salzburg!

Oliver Das Gupta
Autor für SPIEGEL und »Standard«


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