SpOn 25.01.2026
12:09 Uhr

Ökonom Schularick sieht USA nicht mehr als verlässlichen Partner


Auf Trumps Amerika kann Deutschland nach Meinung von Moritz Schularick nicht mehr bauen. Laut dem IfW-Wissenschaftler eröffnen sich dafür Chancen in der Entwicklungspolitik, wenn klug in Partnerländer investiert wird.

Ökonom Schularick sieht USA nicht mehr als verlässlichen Partner

Die Bundesregierung kann sich nach Ansicht des Ökonomen Moritz Schularick auf die USA nicht mehr verlassen. Dafür sehe er Chancen für Deutschland in der Entwicklungspolitik. »Trumps Auftritt in Davos hat uns wieder gezeigt: Die USA sind für uns keine verlässlichen Partner mehr«, sagte der Präsident des Instituts für Weltwirtschaft Kiel (IfW). Man dürfe sich nicht von »den labilen Launen eines einzelnen Politikers« abhängig machen, sondern müsse einen stabilen Gegenpol schaffen, mahnte er.

Ein Beispiel sei die Entwicklungspolitik, in der US-Präsident Donald Trump eine zentrale Lücke hinterlassen habe. Für Deutschland machten Investitionen in diesem Bereich nun nicht nur wirtschaftlich, migrationspolitisch und klimapolitisch Sinn, sondern auch geopolitisch. »Wenn wir klug in Partnerländer investieren und Handelswege eröffnen, fördern wir auch das Wachstum bei uns«, sagte Schularick.

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In der Vergangenheit aber habe die Bundesregierung Entwicklungsgelder ungezielt ausgeschüttet – »und echter Wandel entstand selten«. Statt Altruismus müsse sie die eigenen Interessen in den Vordergrund rücken. »Jedes Programm muss einen messbaren Mehrwert für beide Seiten schaffen – für Geber und Nehmer«, so Schularick. Sein Institut hat ein Konzept für eine neue Entwicklungspolitik vorgelegt.

Die Bundesregierung gibt stetig weniger für Entwicklungshilfe aus. Entwicklungsministerin Reem Alabali Radovan (SPD) hält die Kürzungen für »schmerzhaft«, wie sie jüngst sagte. 9,94 Milliarden Euro stehen ihrem Ministerium für 2026 zur Verfügung, vor zwei Jahren waren es noch mehr als elf Milliarden. Nun sollten die Mittel nicht mehr mit der Gießkanne, sondern gezielt auch nach deutschen Wirtschaftsinteressen verteilt werden, kündigte sie an.

Ihr Plan rückt demnach die Interessen der Privatwirtschaft bei der Entwicklungshilfe stärker in den Mittelpunkt. Das Investitionsklima soll in Partnerländern verbessert, der Marktzugang erleichtert werden.

kig/dpa