SpOn 02.12.2025
13:03 Uhr

OECD-Wachstumsprognose: Deutsche Wirtschaft berappelt sich wieder


Nach zwei Jahren Rezession kommt die deutsche Wirtschaft nach Ansicht der OECD zumindest langsam aus der Krise. Für die Erholung muss laut der Industriestaaten-Organisation aber auch noch einiges geschehen.

OECD-Wachstumsprognose: Deutsche Wirtschaft berappelt sich wieder

Die Industriestaaten-Organisation OECD traut der deutschen Wirtschaft nach längerer Rezession und Stagnation erstmals wieder ein spürbares Wachstum zu. Das Bruttoinlandsprodukt werde 2026 um 1,0 Prozent und 2027 um 1,5 Prozent zulegen, wie aus dem Ausblick hervorgeht. Im zu Ende gehenden Jahr soll es allerdings nur für Plus von 0,3 Prozent reichen – lediglich Finnland und Norwegen schneiden demnach schlechter ab. Die bisherige Prognose für 2025 wurde damit bestätigt, während die für die beiden kommenden Jahre um 0,1 beziehungsweise 0,2 Prozentpunkte gesenkt wurde. In den vergangenen beiden Jahren ist Europas größte Volkswirtschaft geschrumpft.

Der Ausblick der OECD ist damit optimistischer als die sogenannten Wirtschaftsweisen, die ihre Erwartungen für 2026 zuletzt leicht nach unten korrigiert haben. Die Mitglieder des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung erwarten auch im nächsten Jahr nur ein BIP-Wachstum von 0,9 Prozent. Besonders die Industrie bangt um den Standort hierzulande. Mit Peter Leibinger warnte der Präsident des Interessenverbands BDI diese Woche vor einem »strukturellen Abstieg« Deutschlands.

Investitionen könnten Inflation befeuern

Die Prognose der OECD dagegen klingt längst nicht so düster. Kommt es wie von ihr vorhergesagt, würde Deutschland 2027 erstmals seit Jahren wieder schneller wachsen als der EU-Schnitt. Doch auch die Organisation weiß um die Bedeutung der angekündigten staatlichen Ausgaben für etwa Infrastruktur oder Militär, mit denen die Wirtschaft belebt werden soll. »Die stark steigenden öffentlichen Investitionen und Verteidigungsausgaben spielen natürlich eine große Rolle«, sagt OECD-Expertin Isabell Koske. Diese expansive Fiskalpolitik rege private Investitionen und den Konsum an. Allerdings mahnte Koske, es »sollte darauf geachtet werden, dass die zusätzlichen Ausgaben vor allem in öffentliche Investitionen fließen, welche das Potenzialwachstum steigern – und nicht in zusätzlichen Staatskonsum«.

Noch mehr Wirtschaft für SPIEGEL-Abonnenten

Als Abonnentin oder Abonnent von SPIEGEL+ haben Sie die Möglichkeit, manager+ zum Vorteilspreis dazuzubuchen. Darin enthalten sind alle Inhalte von manager magazin+ und Harvard Business manager+. Damit ist es das ideale Abo für alle, die tiefe Einblicke in die deutsche Wirtschaft, die Chefetagen großer Unternehmen und in die spannendsten Start-ups suchen. Jetzt flexibel upgraden: Sichern Sie sich manager+ für nur 2 Euro pro Woche!

Damit die geplanten Milliarden schnell fließen können, rät die OECD zu vereinfachten und beschleunigten Planungsverfahren. »Die Infrastrukturplanungskapazitäten in den Kommunen müssen ausgebaut sowie Planungs- und Genehmigungsverfahren weiter vereinfacht und harmonisiert werden«, sagte OECD-Experte Robert Grundke. Zudem müssen Wettbewerbsschranken abgebaut und der hohe Verwaltungsaufwand reduziert werden, um Investitionen zu erleichtern und anzuregen. »Denn sonst besteht das Risiko, dass die enorme Nachfrage durch die Investitionspakete die Inflation in die Höhe treibt«, warnte Grundke. Neben Bürokratie sollten auch Berufszugangs- und Markteintrittsbeschränkungen wie die Meisterpflicht in vielen Handwerksberufen abgebaut werden. Die Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung sollte zudem vorangetrieben werden.

Mehr zum Thema

Die Organisation empfiehlt zudem, Frühverrentungsanreize wie die Rente mit 63 abzubauen. Auch eine Senkung der Steuer- und Abgabenbelastung für Arbeitseinkommen sei wichtig, um das Arbeitsangebot zu erhöhen und den Fachkräftemangel zu lindern. »Dies könnte über eine Streichung von Steuervergünstigungen und -ausnahmen bei Kapitalertrag- und Erbschaftsteuer, Mehrwertsteuer und Umweltsteuer sowie einer Verbesserung des Steuervollzugs finanziert werden«, so OECD-Expertin Koske.

Das Wachstum im Euroraum wird der OECD zufolge im zu Ende gehenden Jahr bei 1,3 Prozent liegen und 2026 (1,2 Prozent) und 2027 (1,4 Prozent) ähnlich hoch ausfallen. Das globale Wachstum soll in den drei Jahren um die Drei-Prozent-Marke schwanken. Für die weltgrößte Volkswirtschaft, die USA, wurde die Prognose für das laufende Jahr auf 2,0 Prozent angehoben. Für 2026 wird ein Plus von 1,7 Prozent erwartet, für 2027 von 1,9 Prozent.

apr/Reuters