SpOn 04.02.2026
16:00 Uhr

Novo Nordisk: Hersteller von Abnehmspritzen sieht mageren Zeiten entgegen


Jahrelang ging es für den Hersteller von Ozempic und Wegovy nur nach oben – doch jetzt schockiert Novo Nordisk die Anleger mit einem düsteren Ausblick. Die Wende bringen soll eine neu eingeführte Pille.

Novo Nordisk: Hersteller von Abnehmspritzen sieht mageren Zeiten entgegen

Für einen einst erfolgsverwöhnten Konzern geht es nach unten: Der dänische Pharmakonzern Novo Nordisk hat Anleger mit ‌einem unerwartet düsteren Ausblick für 2026 schockiert und seine Aktie auf Talfahrt geschickt. Die Dänen gehen für dieses Jahr von weniger Umsatz aus – es wäre der erste Rückgang seit fast einem Jahrzehnt. Zudem wird das US-Geschäft durch eine Einigung von Novo Nordisk mit der Regierung von Präsident Donald Trump getroffen, die niedrigere Medikamentenpreise vorsieht.

Konzernchef Mike Doustdar sprach in einer Telefonkonferenz von einem »nie dagewesenen Preisdruck«. An der Börse brachen Aktien von Novo Nordisk in der Früh zeitweise um 18 Prozent ein auf umgerechnet rund 40 Euro – der Rekord aus dem Juni 2024 lag bei knapp 140 Euro. Um den Kurs zu stützen, kündigte der Konzern für 2026 einen Aktienrückkauf von bis zu 15 Milliarden dänischen Kronen an, umgerechnet etwa zwei Milliarden Euro. Mehr zum Absturz der Abnehmspritzenkönige lesen Sie hier .

Für dieses Jahr rechnet Novo Nordisk währungsbereinigt mit einem Umsatzrückgang von fünf bis 13 Prozent. Das Unternehmen verwies auch auf das Auslaufen von Patenten für seinen Diabetes- und Abnehmwirkstoff Semaglutid. Das angekündigte Umsatzminus wäre der erste Rückgang seit 2017, damals hatte Novo Nordisk leichte Einbußen inmitten eines Preiskampfes bei Insulin verzeichnet. Seitdem waren die Gewichtssenker zum Kassenschlager der Dänen geworden und hatten für Milliardenumsätze gesorgt.

Im Wettbewerb ins Hintertreffen geraten

Doch die Spitzenposition bei Abnehmmitteln hat Novo Nordisk verloren. Die Dänen gerieten im Ringen mit dem US-Wettbewerber Eli Lilly ins Hintertreffen, dessen Mittel als effektiver gelten. Zudem brachten in den USA Apotheken und andere Hersteller mit regulatorischen Schlupflöchern billigere Kopien von Abnehmmedikamenten auf den Markt. Vorstandschef Doustdar hat bereits den Abbau von rund 9000 Stellen angekündigt.

Im November einigte sich Novo Nordisk mit der US-Regierung auf deutliche Preissenkungen für Blockbuster wie Wegovy und Ozempic. Präsident Trump will die Kosten im Gesundheitssystem senken und hat Pharmakonzernen mit hohen Zöllen gedroht, sollten sie nicht für niedrigere Preise sorgen und mehr Produktion in die USA holen. Nun hat ​Novo den Preis für seine Wegovy-Spritze für Selbstzahler in den USA auf 349 Dollar im Monat reduziert.

Ein weiteres Problem sind individuell hergestellte Nachahmerpräparate. Schätzungen zufolge nutzen bis zu 1,5 Millionen Amerikaner solche Mittel. Die anhaltende »Massenvermarktung eines von der FDA nicht zugelassenen Produkts« sei frustrierend, sagte Knudsen. »Es ist extrem schwierig vorherzusagen, ob und wann sich dieser Trend umkehrt.«

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Der pessimistische Ausblick von Novo Nordisk zog die gesamte Branche nach unten und belastete ⁠auch die Aktien anderer Hersteller von Abnehmmedikamenten wie Eli Lilly, Structure Therapeutics oder Altimmune. »Novo hat eine schockierende Prognose für 2026 vorgelegt«, sagte Markus Manns, Portfoliomanager bei Union Investment. »Einen zweistelligen Gewinnrückgang hatte niemand auf dem Zettel.«

Konzernchef Doustdar, der im Sommer vergangenen Jahres das Ruder übernahm, steuert gegen: Er setzt auf die neu ‌eingeführte Wegovy-Pille und eine Werbeoffensive, um verlorene Marktanteile zurückzugewinnen. »Wir sind sehr ermutigt durch ‍die vielversprechende frühe Akzeptanz bei der Einführung der Wegovy-Pille in den USA«, sagte Doustdar. Die wöchentlichen Verschreibungen hätten bis Ende Januar rund 50.000 erreicht und lägen damit deutlich über den offiziellen ‍Marktdaten. Novo Nordisk baut zudem sein Management um. Der Chef des US-Geschäfts sowie der Produktstrategiechef verlassen das Unternehmen.

sol/dpa/Reuters