Sie sind wertvoll – aber nur begrenzt vorhanden: Seltene Erden werden weltweit nachgefragt. Nun meldet Norwegen, dass es wohl über ein deutlich größeres Vorkommen der gefragten Rohstoffe verfügt, als bislang gedacht: Das Vorkommen Fensfeltet umfasse nicht wie anfangs angenommen 8,8 Millionen Tonnen seltene Erdoxide, sondern 15,9 Millionen Tonnen, teilte das Unternehmen Rare Earths Norway (REN), das die Abbaurechte besitzt, nun mit. Bevor die Förderung jedoch beginnen kann, muss das Projekt noch Umweltauflagen erfüllen.
Bislang wird der weltweite Markt für seltene Erden vor allem von China dominiert. Zugleich sind die Metalle für zahlreiche Hightechprodukte unverzichtbar. So wurden laut REN bei Analysen neuer Proben aus Fensfeltet große Mengen an Neodym und Praseodym bestätigt – Elemente, die etwa in Permanentmagneten für die Motoren von Elektroautos verwendet werden, aber beispielsweise auch in der Rüstungsindustrie.
Fensfeltet beherbergt das größte Vorkommen seltener Erden in Europa
Die Europäische Union hat seltene Erden deshalb als kritische Rohstoffe eingestuft. »Wir gehen davon aus, dass die deutliche Erhöhung der Ressourcenschätzung das Projekt von Rare Earths Norway für Norwegen und die EU strategisch noch bedeutsamer machen wird und dass die Behörden entschlossen handeln werden«, erklärte REN-Chef Alf Reistad am Dienstag.
Fensfeltet liegt rund 150 Kilometer südwestlich von Oslo und beherbergt das mit Abstand größte Vorkommen an seltenen Erden in Europa.
Dass dort mehr Bodenschätze liegen als ursprünglich gedacht, ruft indes nicht nur Jubelschreie hervor. Pläne für ihre Gewinnung stoßen schon länger auch auf Bedenken im Hinblick auf die Umwelt. Zwar versuchen die Betreiber, eine unterirdische Mine zu errichten. Doch die Lagerstätte liegt in einem Gebiet mit artenreichen Ökosystemen und Urwäldern, weshalb das Projekt noch eine Reihe von Auflagen erfüllen müsste.
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REN peilt derzeit an, mit dem Abbau in der ersten Hälfte der kommenden Dreißigerjahre zu beginnen.

