SpOn 06.02.2026
02:39 Uhr

Norwegen: Ermittlungen gegen Ex-Regierungschef Jagland wegen Epstein-Kontakten


Mal ging es um Geld für eine Wohnung, dann um einen Urlaub: Norwegens Ex-Regierungschef Thorbjörn Jagland hatte wohl engen Kontakt zu US-Sexualstraftäter Jeffrey Epstein. Nun wird dem Verdacht auf schwere Korruption nachgegangen.

Norwegen: Ermittlungen gegen Ex-Regierungschef Jagland wegen Epstein-Kontakten

Nach den jüngsten Veröffentlichungen zum US-Sexualstraftäter Jeffrey Epstein hat die norwegische Polizei Ermittlungen gegen den früheren Ministerpräsidenten Thorbjörn Jagland eingeleitet. Es bestehe der Verdacht der schweren Korruption, teilte die für Wirtschaftskriminalität zuständige Strafverfolgungsbehörde Ökokrim am Donnerstag mit.

Die norwegische Zeitung »VG« hatte unter Verweis auf die am vergangenen Freitag vom US-Justizministerium veröffentlichten Epstein-Dokumente berichtet, dass Jagland einen engen Kontakt zu dem verurteilten Sexualstraftäter gehabt habe. So habe Jagland einmal um finanzielle Unterstützung beim Kauf einer Wohnung gebeten. Dazu sagte Jagland der Zeitung, dass er alle Kredite für seine Immobilien von der norwegischen Bank DNB erhalten habe.

Den vom US-Justizministerium veröffentlichten Dokumenten zufolge hielt Jagland sich 2018 bei Epstein in New York auf und 2015 und 2018 in Epsteins Wohnung in Paris. 2014 plante der ehemalige Ministerpräsident der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei zudem einen Urlaub mit seiner Familie auf der Insel des US-Investors, die Reise wurde aber letztlich abgesagt.

»Fehler in der Beurteilung« Epsteins

Jagland war von 1996 bis 1997 Ministerpräsident Norwegens und von 2009 bis 2019 Generalsekretär des Europarats. Von 2009 bis 2015 war er zudem Vorsitzender des norwegischen Nobel-Komitees, das jedes Jahr über die Vergabe des Friedensnobelpreises entscheidet. Am Sonntagabend räumte Jagland »Fehler in der Beurteilung« Epsteins gegenüber der Zeitung »Aftenposten« ein.

DER SPIEGEL

Das Justizministerium in Washington hatte am Freitag mehr als drei Millionen weitere Dokumente zum Fall Epstein veröffentlicht, darunter E-Mails, Fotos und Videos. Darin erscheinen wieder die Namen zahlreicher Persönlichkeiten .

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Epstein soll im Verlauf der Jahrzehnte mehr als tausend Minderjährige und junge Frauen missbraucht und teils an Prominente weitergereicht haben. Der bereits 2008 verurteilte Epstein wurde 2019 unter anderem wegen des sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen erneut festgenommen. Rund einen Monat später wurde er erhängt in seiner New Yorker Gefängniszelle gefunden, nach offiziellen Angaben nahm er sich das Leben.

Die neuen Epstein-Akten schärfen das Bild eines Mannes, der die globalen Eliten miteinander vernetzte. Sein System basierte auf dem Handel mit Sex, Macht und Geld. Die Reichen und Mächtigen hofierten ihn trotz seiner Taten. Lesen Sie hier die SPIEGEL-Titelstory .

jon/AFP