SpOn 02.02.2026
23:37 Uhr

Norwegen: Botschafterin Mona Juul wegen Verbindung zu Jeffrey Epstein suspendiert


Die norwegische Topdiplomatin Mona Juul ist vorübergehend freigestellt, weil ihre zwei Kinder in Epsteins Testament als Erben genannt werden. Sie behauptet, nur sporadisch Kontakt zu dem Sexualstraftäter gehabt zu haben.

Norwegen: Botschafterin Mona Juul wegen Verbindung zu Jeffrey Epstein suspendiert

Im Zuge der jüngsten Aktenveröffentlichung im Fall des US-Sexualstraftäters Jeffrey Epstein ist in Norwegen eine der bekanntesten Diplomatinnen des Landes vorübergehend suspendiert worden. Das Außenministerium in Oslo habe die Botschafterin Mona Juul einstweilen von ihren Aufgaben entbunden, erklärte der norwegische Außenminister Espen Barth Eide am Montag.

Die Entscheidung sei in Absprache mit Juul getroffen worden, betont er. »Wir arbeiten derzeit daran, uns einen vollständigen Überblick über ihr Wissen und ihre Verwicklung in die Angelegenheiten zu verschaffen, die durch die Epstein-Dokumente ans Licht gekommen sind«, so Eide.

Juul in Erklärungsnot

Die 58-Jährige amtierte früher als Norwegens Botschafterin bei den Vereinten Nationen, heute ist sie als Chefdiplomatin in Jordanien tätig. Sie und ihr Ehemann spielten eine wichtige Rolle bei den langwierigen geheimen Verhandlungen zwischen Israel und der palästinensischen PLO, die Anfang der Neunzigerjahre zum Friedensabkommen von Oslo führten.

Die Akten zeigen umfangreiche Kontakte zwischen Jeffrey Epstein und dem Diplomatenpaar Mona Juul und ihrem Ehemann Terje Rød-Larsen. Norwegischen Medienberichten zufolge sind die beiden Kinder des Paares im Testament des US-Investors als Erben einer Summe von insgesamt zehn Millionen Dollar (8,5 Millionen Euro) eingesetzt.

Die Diplomatin betonte in einer E-Mail an den norwegischen Rundfunksender NRK, dass ihr Kontakt zu Epstein nur sporadisch und privater Natur war. Sie habe »keine eigenständige soziale oder berufliche Beziehung zu Epstein« gehabt. Außerdem, erklärte Juul, dass ihre »Kontakte zu Epstein auf der Beziehung meines Ehemanns zu ihm beruhen«. Sie kooperiere mit dem Außenministerium, »um vollständige Klarheit zu gewährleisten«, erklärte Juul.

Epsteins Schatten bis ins norwegische Königshaus

Neben Juul tauchen norwegischen Medien zufolge auch der Name des ehemaligen Ministerpräsidenten und früheren Generalsekretärs des Europarates, Thorbjörn Jagland, und des früheren Außenministers Börge Brende in den neuen Dokumenten auf.

Brende ist heute Präsident des Weltwirtschaftsforums in Davos. Er traf Epstein 2018 und 2019 mehrmals in New York zum Essen. Im November vergangenen Jahres hatte er gegenüber der norwegischen Zeitung »Aftenposten« noch erklärt, er habe mit Epstein »nie etwas zu tun gehabt«.

Die norwegische Kronprinzessin Mette-Marit räumte bereits »peinliche« Fehler ein, nachdem norwegische Medien berichtet hatten, dass ihr Name mindestens tausendmal in den neuen Akten auftaucht. Auch Ex-Regierungschef Jagland räumte »Fehler in der Beurteilung« Epsteins ein.

Millionen Dokumente am Freitag veröffentlicht

Das Justizministerium in Washington, D.C., hatte am Freitag mehr als drei Millionen weitere Dokumente zum Fall Epstein veröffentlicht, darunter E-Mails, Fotos und Videos. Darin erscheinen wieder die Namen zahlreicher einflussreicher Persönlichkeiten, darunter der heutige US-Präsident Donald Trump, Techmilliardär Elon Musk, Microsoft-Gründer Bill Gates und der ehemalige britische Prinz Andrew.

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Epstein stand unter Verdacht, Tausende Minderjährige und junge Frauen missbraucht und teils an Prominente vermittelt zu haben. Er war unter anderem 2008 rechtlich belangt worden. Damals bekannte er sich schuldig, eine Minderjährige für Prostitution angeworben zu haben. Wegen eines umstrittenen Deals mit der Staatsanwaltschaft erhielt er eine nur 18-monatige Haftstrafe. 2019 wurde er unter anderem wegen des sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen erneut festgenommen. Rund einen Monat später wurde er erhängt in seiner New Yorker Gefängniszelle gefunden, nach offiziellen Angaben nahm er sich das Leben.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version hieß es, Epstein sei 2008 verurteilt worden, weil er die Dienste von minderjährigen Prostituierten in Anspruch genommen habe. In Wahrheit hatte er sich damals schuldig bekannt, eine Minderjährige für Prostitution angeworben zu haben. Wir haben die Textstelle angepasst.

jmm/AFP