SpOn 05.02.2026
14:47 Uhr

Nordsee: Russischer Kapitän nach tödlicher Kollision zu Haft verurteilt


»Absolut nichts« getan zu haben, um den Aufprall zu verhindern«: Bei dem Zusammenstoß zweier Schiffe in der Nordsee starb 2025 ein philippinisches Besatzungsmitglied. Der verantwortliche Kapitän muss nun ins Gefängnis.

Nordsee: Russischer Kapitän nach tödlicher Kollision zu Haft verurteilt

Etwa ein Jahr nach dem Zusammenstoß von zwei Schiffen in der Nordsee ist der verantwortliche russische Kapitän zu sechs Jahren Haft verurteilt worden. Bei dem Unglück kam ein Besatzungsmitglied ums Leben. Ein Londoner Gericht befand den Mann bereits am Montag der fahrlässigen Tötung für schuldig. Nun verkündete der Richter das Strafmaß.

Der 59-jährige Kapitän des Containerschiffs »Solong« hatte am 10. März 2025 den vom US-Militär gecharterten Tanker »Stena Immaculate« gerammt. Dieser ankerte etwa 26 Kilometer vor der britischen Küste. Die »Solong« fuhr unter portugiesischer Flagge. Das Besatzungsmitglied, das bei dem Unfall starb, war ein 38-Jähriger von den Philippinen. 36 Menschen konnten gerettet werden. Ein Video zeigt, wie die »Solong« seitlich in den Tanker hineinfährt und beide Schiffe sofort Feuer fangen.

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Der Russe habe »das sehr hohe Todesrisiko offensichtlich missachtet«, sagte der Richter der Nachrichtenagentur PA zufolge. Der Kapitän hatte zum Zeitpunkt des Unglücks allein Wache. Die Staatsanwaltschaft warf ihm vor, »absolut nichts« getan zu haben, um den Aufprall zu verhindern. Er sei mehr als dreißig Minuten auf Kollisionskurs gefahren, bevor er den Tanker rammte. Der Kapitän hatte im Prozess auf nicht schuldig plädiert.

Die »Stena Immaculate« transportierte knapp 35 Millionen Liter Flugzeugtreibstoff, der teils ins Meer lief. Durch die Kollision gelangten Tausende winzige Kunststoffkügelchen – sogenannte Nurdles, Grundstoff der Plastikherstellung – aus den Containern der »Solong« in die Nordsee. Sie wurden an den Stränden von Norfolk angespült. Laut Umweltschützern sind die Kügelchen zwar ungiftig, können aber Meerestiere gefährden, wenn sie in deren Magen landen.

Wie kann man einen 183 Meter langen Tanker rammen? Lesen Sie hier , was Experten zu dem Unglück sagen.

fwu/Reuters/AFP/AP/dpa