Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un hat in Pjöngjang Raketenwerfer inspiziert, die nach Berichten staatlicher Medien auch atomar bestückt werden können. Die staatliche nordkoreanische Nachrichtenagentur KCNA berichtete am Donnerstag, Kim habe die neuen Mehrfachraketenwerfer für den Abschuss von 600-Millimeter-Geschossen als weltweit einzigartig bezeichnet.
Der »wunderbare« Raketenwerfer sei mit künstlicher Intelligenz ausgestattet, sagte Kim demnach weiter in seiner Rede. Er sei »geeignet für einen Spezialangriff, sprich zur Erfüllung einer strategischen Mission«. Dies gilt unter Experten als gängige Umschreibung für den Einsatz von Atomwaffen. Kim versicherte laut KCNA, das Waffensystem solle nur zur »Abschreckung« nicht genannter Feinde dienen – Nordkoreas Erzfeind ist Südkorea.
»Projekt der ständigen Erneuerung unserer militärischen Fähigkeiten«
Von KCNA verbreitete Fotos zeigen 50 der neuen Raketenwerfer vor dem Kulturhaus »25. April« in Pjöngjang, dem Veranstaltungsort der Parteitage 2016 und 2021. Ein Raketenwerfer steht direkt vor der Treppe des Gebäudes, 49 weitere auf dem großen Platz davor.
Raketenwerfer vor Kulturhaus »25. April«
Foto: AFPKim kündigte laut KCNA am Donnerstag an, dass auf dem bevorstehenden Parteitag neue militärische Ziele festgelegt würden. Es gehe um die nächste Phase der eigenständigen Verteidigung des Landes. »Das Projekt der ständigen Erneuerung unserer militärischen Fähigkeiten, den Bedrohungen und Herausforderungen von außen wirksam begegnen zu können, wird beschleunigt.«
Der neunte Parteitag könnte bereits am Donnerstag oder Freitag dieser Woche beginnen, erwarten südkoreanische Beobachter.
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Nordkorea verfügt Experten zufolge über Dutzende Atomsprengköpfe und hat in der Vergangenheit wiederholt bekräftigt, diese trotz internationaler Sanktionen behalten zu wollen. 2006 hatte Pjöngjang seinen ersten Atomtest ausgeführt. Das weitgehend isolierte Land argumentiert, dass es Atomwaffen zur Abschreckung gegen eine angebliche militärische Bedrohung auch durch Südkoreas Verbündeten USA benötige.
Nord- und Südkorea sind auch über sieben Jahrzehnte nach dem Ende des Koreakriegs im Jahre 1953 formell weiterhin im Kriegszustand. Die USA haben Zehntausende Soldaten in Südkorea stationiert, unter anderem zum Schutz Südkoreas.
