SpOn 28.09.2026
23:03 Uhr

Nordirland: Rückkehr des Drumcree-Marschs schürt politische Spannungen


Die Rückkehr einer langen verbotenen Parade des Oranier-Ordens verschärft die Spannungen in Nordirland. Hunderte Gegendemonstranten blockierten den Marsch. Der Streit belastet inzwischen auch die nordirische Regierung.

Nordirland: Rückkehr des Drumcree-Marschs schürt politische Spannungen

Auch wenn die unmittelbare Konfrontation beendet ist, bleibt die Lage in Nordirland angespannt: In der Stadt Portadown haben Hunderte Gegendemonstranten am Sonntag den geplanten Umzug des protestantischen Oranier-Ordens durch die überwiegend katholisch-nationalistisch geprägte Garvaghy Road verhindert. Die Parade ist zum ersten Mal seit den Neunzigerjahren wieder von den Behörden genehmigt worden. Die Anwohner sehen darin eine provokative Machtdemonstration.

Der Entscheidung über die Parade war ein jahrelanger Rechtsstreit vorausgegangen. Seit 1998 war der Marsch über die Garvaghy Road regelmäßig untersagt worden. In den Jahren zuvor hatte der sogenannte Drumcree-Konflikt zu schweren Ausschreitungen mit Blockaden, Unruhen und Toten geführt.

Das Verbot der Parade bestand fast drei Jahrzehnte lang und führte zu jährlichen Protesten des Orange Order. Die aktuelle gerichtliche Genehmigung eines stark begrenzten Marsches hat diesen alten Konflikt nun wieder aufgerissen.

Streit belastet nordirische Regierung

Die Parade gilt als eines der Symbolthemen des Nordirlandkonflikts. Ihre Genehmigung berührt die fragile politische Balance zwischen unionistischer Tradition, nationalistischen Anwohnerrechten und dem Friedensprozess in Nordirland.

Unter den Demonstrierenden befanden sich laut Berichten auch führende Politiker der republikanischen Partei Sinn Féin, darunter Nordirlands First Ministerin Michelle O'Neill. In einem Post auf der Plattform X stellte sich die nordirische Regierungschefin hinter die Anwohner.

Diese hätten das Recht, gegen den »unerwünschten, konfessionell geprägten Marsch« zu protestieren, schrieb O'Neill. Der Umzug solle nicht über die Garvaghy Road führen. Gleichzeitig löste die Teilnahme der Regierungschefin scharfe Kritik der probritischen Democratic Unionist Party (DUP) aus. Deren Parteichef Gavin Robinson warf Sinn Féin vor, den Konflikt weiter anzuheizen.

Mehr zum Thema

Beide Parteien bilden gemeinsam die nordirische Einheitsregierung. Angesichts der wachsenden Spannungen kündigte der britische Nordirlandminister Chris Bryant an, früher als geplant nach Belfast zurückzukehren, um Gespräche mit Vertretern beider Lager zu führen.

Die 1795 in Portadown gegründete protestantisch-unionistische Bruderschaft des Oranier-Ordens versteht ihre Paraden als Ausdruck ihrer religiösen und kulturellen Tradition. Für viele katholisch-nationalistische Anwohner sind die Umzüge hingegen bis heute eine provokative Demonstration politischer Macht.

dtt/dpa