Nach seiner Auslieferung aus Italien sitzt ein mutmaßlicher Drahtzieher der Nord-Stream-Anschläge in Deutschland in Untersuchungshaft. Ein Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs eröffnete dem Ukrainer Serhij K. in Karlsruhe den Haftbefehl und setzte diesen in Vollzug, wie eine Sprecherin der Bundesanwaltschaft bestätigte.
Die Anschläge auf das frühere deutsch-russische Prestigeprojekt hatten 2022 weltweit für Schlagzeilen gesorgt. Mehrere Sprengungen in der Nähe der dänischen Ostseeinsel Bornholm beschädigten die beiden Pipelines. Russland hatte wenige Monate zuvor seinen Angriffskrieg gegen das Nachbarland Ukraine begonnen.
Gegen Auslieferung gewehrt
Für die Anschläge wurde bislang niemand zur Rechenschaft gezogen. Ende August konnte der mutmaßliche Drahtzieher an der Adriaküste im Urlaub mit seiner Familie gefasst werden. Über Monate wehrte Serhij K. sich gegen seine Auslieferung an Deutschland. Zwischenzeitlich befand sich der 49-Jährige im Hungerstreik, weil er sich schlecht behandelt fühlte. Vergangene Woche hatte das oberste Gericht in Italien dann grünes Licht für die Auslieferung gegeben.
Am Donnerstag war der Ukrainer an die deutschen Behörden übergeben und mit dem Hubschrauber nach Karlsruhe gebracht worden. Es wird vermutet, dass er später am Hanseatischen Oberlandesgericht in Hamburg vor Gericht kommt. Dazu müsste die Bundesanwaltschaft aber zunächst dort eine Anklage erheben, und der zuständige Staatsschutzsenat müsste diese zulassen. Wann es so weit sein könnte, ist unklar.
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Die Bundesanwaltschaft wirft Serhij K. unter anderem das gemeinschaftliche Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion und verfassungsfeindliche Sabotage vor. Er soll zu der Gruppe gehören, die im September 2022 Sprengsätze an den Gaspipelines platzierte. Den obersten Strafverfolgern zufolge war er einer der Koordinatoren der Operation. Serhij K. bestreitet die Vorwürfe.
Nach Überzeugung der Ermittler sollen zu dem Team aus sieben Personen auch vier Taucher gehört haben. Für die Anschläge soll die Truppe eine Segeljacht namens »Andromeda« angemietet haben, die sie von Rostock hinaus auf die Ostsee brachte. Ein mutmaßlich beteiligter Taucher saß zeitweise in Polen in U-Haft. Dort lehnte die Justiz eine Auslieferung an Deutschland jedoch ab. Inzwischen ist der Ukrainer wieder frei.
Nach SPIEGEL-Informationen ist Serhij K. ein Ex-Agent des Geheimdienstes SBU. Er besaß offenbar Pässe mit verschiedenen Identitäten. Was über ihn bekannt ist, lesen Sie hier.
