Nach zahlreichen Entführungsfällen im Land hat Nigerias Präsident Bola Tinubu einen landesweiten Sicherheitsnotstand ausgerufen. »Dies ist ein nationaler Notstand«, sagte Tinubu am Mittwoch. Als Reaktion darauf kündigte er den Einsatz von mehr Sicherheitskräften vor Ort an, insbesondere in Gebieten mit Sicherheitsproblemen.
Durch die Notstandserklärung seien Polizei und Armee befugt, zusätzliches Personal zu rekrutieren, erklärte Tinubu. Allein die Polizei werde 20.000 zusätzliche Mitglieder einstellen und somit ihren Personalstand auf insgesamt 50.000 Kräfte erhöhen. Zudem sei dem Inlandsgeheimdienst die Entsendung von Spezialkräften erlaubt worden, um »Terroristen und Banditen« in den Wäldern des Landes aufzuspüren.
Tinubu zufolge sollen Kirchen und Moscheen besonders geschützt werden, während sich dort Gläubige zum Gottesdienst oder zum Gebet versammeln. Nigeria wird von zahlreichen Konflikten zwischen verschiedenen Ethnien und Bevölkerungsgruppen erschüttert, in denen Christen und Muslime gleichermaßen Opfer werden. Das bevölkerungsreichste Land Afrikas ist in einen mehrheitlich muslimischen Norden und einen weitgehend christlichen Süden geteilt.
Innerhalb von anderthalb Wochen 350 Menschen entführt
In mehreren Regionen Nigerias wurden zuletzt binnen anderthalb Wochen 350 Menschen entführt. Unter ihnen sind 265 Schüler und Lehrkräfte eines katholischen Internats im Zentrum des Landes, die nach einem Angriff bewaffneter Männer als vermisst gelten.
Seit Jahren greifen in ländlichen Gebieten im Nordwesten und im Zentrum Nigerias immer wieder schwer bewaffnete kriminelle Banden an, um Menschen zu entführen und Lösegeld zu erpressen. Dabei wurden Tausende Menschen getötet. Die Gangs haben ihre Lager in einem riesigen Waldgebiet, das sich über mehrere Bundesstaaten erstreckt.
Trump spricht von »Völkermord«
Anfang des Monats hatte die US-Regierung Nigeria wegen der angeblich gezielten Tötung von Christen mit einem Militäreinsatz gedroht. Die nigerianische Regierung wies dies zurück. Nach den erneuten Entführungen sagte US-Präsident Donald Trump am vergangenen Freitag im Radio: »Sie töten Tausende Menschen. Es ist ein Völkermord. Und ich bin wirklich wütend darüber.«
Lesen Sie hier, warum sich die USA und China für die Entführungen in Nigeria interessieren.
