Im Norden Nigerias haben Bewaffnete zwei Kirchen gestürmt und offenbar 163 Christen entführt. Die Angreifer blockierten während der Sonntagsmesse die Eingänge der beiden Gotteshäuser im Bundesstaat Kaduna und nahmen insgesamt 172 Gläubige gefangen, wie der Vorsitzende der Christlichen Vereinigung für Nordnigeria, Joseph Hayab, sagte. Neun von ihnen hätten erfolgreich die Flucht ergriffen.
In einem Uno-Bericht, der der Nachrichtenagentur AFP vorlag, war von mehr als hundert entführten Gläubigen die Rede. Die dünn besiedelte und waldreiche Gegend Kajuru, in der sich der Vorfall ereignete, sei zu einem »bevorzugten Ziel« für Entführer geworden, da sie dort ungestört vorgehen und den Sicherheitskräften entkommen könnten.
Seit Jahren greifen schwer bewaffnete kriminelle Banden immer wieder in ländlichen Gebieten im Nordwesten und im Zentrum Nigerias an, um Menschen zu entführen und Lösegeld zu erpressen. Tausende Menschen wurden getötet. Die Gangs haben ihre Lager in einem riesigen Waldgebiet, das sich über mehrere Bundesstaaten erstreckt.
Nigeria wird von zahlreichen Konflikten zwischen verschiedenen Ethnien und Bevölkerungsgruppen erschüttert, denen Christen wie Muslime gleichermaßen zum Opfer fallen. Das bevölkerungsreichste Land Afrikas ist in einen mehrheitlich muslimischen Norden und einen weitgehend christlichen Süden geteilt. Die nigerianischen Behörden weisen Vorwürfe zurück, die Christen im Land würden verfolgt.
Der US-Präsident Donald Trump sieht in Nigeria die Religionsfreiheit gefährdet: Christen seien einer »existenziellen Bedrohung« ausgesetzt, sagte er im vergangenen November. Die US-Armee hatte am ersten Weihnachtstag Ziele der Dschihadistenmiliz »Islamischer Staat« (IS) im Nordwesten Nigerias angegriffen und dabei mehrere mutmaßliche IS-Kämpfer getötet. Zur Begründung der Angriffe führte Trump die Tötung »unschuldiger Christen« in dem bevölkerungsreichsten Land Afrikas an.
In Nigeria gehören Entführungen zum Alltag. Warum sich Donald Trump in die Debatte über die Sicherheit nigerianischer Christen einmischt, lesen Sie hier.
