SpOn 24.11.2025
09:40 Uhr

Nigeria: 50 Kindern gelingt offenbar Flucht vor Kidnappern


Im Nordwesten Nigerias befinden sich immer noch 253 Kinder in der Gewalt von Entführern. Im Verdacht steht eine bewaffnete Gruppe, der es ums Geld geht.

Nigeria: 50 Kindern gelingt offenbar Flucht vor Kidnappern

In Nigeria sind 50 entführte Kinder zu ihren Familien zurückgekehrt. Das teilte die Christliche Vereinigung Nigerias (CAN) laut nigerianischen Medien mit. Nun sollen nach Angaben eines katholischen Bischofs noch 253 Schüler in der Gewalt der Entführer sein. Viele der entführten Kinder sollen noch jung sein. Medien des westafrikanischen Staats zitierten Eltern, die von Sechsjährigen sprachen. Auch unter den aus der Kirche Entführten sollen Kinder unter zehn Jahren sein.

Eine Welle an Massenentführungen im Nordwesten Nigerias hatte vor wenigen Tagen für Entsetzen gesorgt. Bewaffnete verschleppten 303 Kinder und zwölf Lehrer aus einer katholischen Schule im Bundesstaat Niger, wie die Christliche Vereinigung von Nigeria mitteilte. Zuvor wurden 25 Mädchen aus einer staatlichen Schule im Bundesstaat Kebbi entführt. Danach brachten Angreifer auf eine Kirche im Bundesstaat Kwara 38 Gläubige in ihre Gewalt. Mehrere Menschen wurden bei den Angriffen erschossen.

Der Gouverneur des Bundesstaats Kwara verkündete nun, dass alle 38 aus der Kirche Entführten freigelassen worden seien. Er dankte den Sicherheitskräften und örtlichen Gemeinden. Die Umstände der Befreiung waren unklar.

Nigerianische Medien berichten über Lösegeldforderungen

In Nigeria werden häufig Menschen entführt. Im April 2014 hatte die islamistische Miliz Boko Haram 276 Schülerinnen entführt. Für die aktuellen Entführungen hat bislang keine Gruppe öffentlich Verantwortung übernommen. In der Region sind allerdings vor allem bewaffnete kriminelle Gruppen aktiv, die vor Ort »Banditen« genannt werden. Anders als islamistische Gruppen verfolgen sie keine politischen Ziele. Sie wollen Geld erpressen. Angehörige der aus der Kirche Entführten haben nach eigenen Angaben Lösegeldforderungen in Höhe von 100 Millionen Naira (etwa 60.000 Euro) erhalten, wie nigerianische Medien berichteten.

Nach Angaben der Sicherheitsberatungsfirma SBM Intel wurden allein zwischen Juli 2024 und Juni 2025 mindestens 4722 Menschen in 997 Vorfällen entführt. Mindestens 762 Menschen seien in dem Zusammenhang getötet worden.

Behörden mehrerer Bundesstaaten im Norden des Landes ordneten an, alle Schulen zu schließen und Internate zu räumen. Die nigerianische Regierung ließ zudem alle staatlichen Schulen in besonders gefährdeten Regionen schließen. Präsident Bola Tinubu verzichtete auf eine Teilnahme am G20-Gipfel in Johannesburg, um sich der Sicherheitslage zu widmen.

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US-Präsident Donald Trump hatte kürzlich mit einem Militäreinsatz gedroht, falls Nigeria sich nicht für den Schutz der Christen einsetze. Konflikte und Gewalt verlaufen in dem Land, dessen Einwohner etwa zur Hälfte je Christen und Muslime sind, tatsächlich immer mehr entlang religiöser Trennlinien. Sie werden von Experten aber meist nicht als Ursache angesehen. Christliche Gemeinden werfen dem Staat dennoch mangelnden Schutz vor.

Papst Leo XIV. äußerte seine Trauer. »Ich empfinde großen Schmerz, insbesondere für die vielen entführten Jungen und Mädchen und ihre verzweifelten Familien«, sagte er. »Ich richte einen betrübten Appell an alle Beteiligten, die Geiseln unverzüglich freizulassen, und fordere die zuständigen Behörden auf, angemessene und zeitnahe Entscheidungen zu treffen, um ihre Freilassung zu gewährleisten.«

jml/dpa