Ehemalige Mitschüler des britischen Rechtspopulisten Nigel Farage haben seine Aussage zurückgewiesen, bei angeblich rassistischen Aussagen als Teenager handle es sich um »Scherze«. Die drei Männer, die wie Farage das Dulwich College besuchten, beschrieben das Verhalten des Politikers gegenüber dem »Guardian« als gezielt, hartnäckig und bösartig.
Die Behauptung Farages, er habe andere nicht verletzen wollen, bezeichnete einer von ihnen als »Unsinn«. Es stünde »außer Frage«, dass der Politiker Menschen beleidigt habe. Ein weiterer Mann sagte, Farage »lügt ganz offen«: »Er ist jetzt in einer Position, in der er das nicht leugnen sollte.« Farage sei ein »Tyrann« und ein »widerlicher Typ«, der sich diejenigen ausgesucht habe, »die sich nicht wehren«.
Hintergrund sind Recherchen des »Guardian«, wonach mehr als 20 Personen Farage vorwerfen, sich zu Schulzeiten rassistisch und antisemitisch geäußert zu haben. Mehrere von ihnen behaupten, Opfer oder Zeugen wiederholter Vorfälle zutiefst beleidigenden Verhaltens gewesen zu sein.
Farage weist Absicht zurück
Am Montag äußerte sich Farage selbst zu den Vorwürfen – fast eine Woche nach den ersten Berichten. Er habe »niemals direkt versucht, jemanden zu verletzen«, sagte der Rechtspopulist. »Ich war gerade erst Teenager geworden. Kann ich mich an alles erinnern, was in der Schule passiert ist? Nein, das kann ich nicht.« Er wolle sich nicht entschuldigen, denn er habe andere, wenn überhaupt, »nicht mit Absicht« beleidigt.
Einer der mutmaßlich Betroffenen ist der jüdische Regisseur Peter Ettedgui. Er gab beispielsweise an , Farage habe sich als 13- oder 14-Jähriger an ihn herangeschlichen und geknurrt: »Hitler hatte recht« oder »Vergast sie«. Dazu habe Farage ein langes Zischen hinzugefügt, um das Geräusch von Gaskammern zu imitieren. In einem Essay für den »Guardian« schreibt Ettedgui nun, man solle Farages Dementi nicht glauben. Wenn Ettedgui sich an die Vorfälle erinnern könne, müsse sein ehemaliger Mitschüler das auch tun.
»Vielleicht kann er sich nicht erinnern, was er getan hat. Wenn dem so ist, ist ein solcher Gedächtnisverlust wohl kein gutes Aushängeschild für einen potenziellen Staatschef.«
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Nigel Farage wurde vor allem als Brexit-Vorkämpfer bekannt. Seit dem EU-Austritt Großbritanniens konzentriert er sich überwiegend auf politische Kampagnen gegen Einwanderung. Seine Partei Reform UK führt in Umfragen teils deutlich und hätte gute Chancen, die Regierung zu stellen, würde heute gewählt werden. Die nächste Parlamentswahl ist planmäßig allerdings erst 2029.
