SpOn 06.02.2026
11:59 Uhr

Niedersachsen: Verfassungsschutzpräsident fordert Politik schon in der Grundschule


Der niedersächsische Verfassungsschutzpräsident warnt: Junge Menschen werden immer früher durch soziale Medien politisch beeinflusst. Die Schule sollte deshalb frühzeitig demokratische Werte vermitteln.

Niedersachsen: Verfassungsschutzpräsident fordert Politik schon in der Grundschule

Der Landesschülerrat in Niedersachsen bekommt prominente Unterstützung für seine Forderung, schon Grundschulkinder in Politik zu unterrichten: Niedersachsens Verfassungsschutzpräsident Dirk Pejril findet, politische Bildung müsse früher ansetzen als bisher: »In der Grundschule können beispielsweise die Werte einer demokratischen Gesellschaft vermittelt werden«, sagte er der »Hannoverschen Allgemeinen Zeitung«. 

Junge Menschen ließen sich schon früh von Social Media beeinflussen, wo sie »radikale Narrative« vorfänden. Es sei mittlerweile nicht mehr ungewöhnlich, »wenn sich Schüler offen im Unterricht für »Remigration« aussprechen und zur AfD bekennen«, sagte Pejril der Zeitung.

Klassenräte allein reichten nicht

Zuvor hatte der Landesschülerrat sich in einem offenen Brief  an Niedersachsens Ministerpräsidenten und die Kulturministerin dafür ausgesprochen, dass politische Bildung bereits in der Grundschule kindgerecht aufbereitet werden solle.

Politik wird in Niedersachsen als eigenes Unterrichtsfach von der siebten Klasse an unterrichtet. Zu diesem Zeitpunkt seien Kinder jedoch bereits intensiv mit politischen Inhalten konfrontiert, vor allem über soziale Medien, kritisierte der Landesschülerrat.

Zwar gebe es mit Klassenräten bereits Formen der Mitbestimmung an Schulen, diese reichen aus Sicht der Schülerinnen und Schüler jedoch nicht aus, heißt es in dem Schreiben. Politische Bildung brauche »einen festen Platz im Unterricht – in allen Schulformen und von Beginn an«.

Fachkräftemangel und voller Stundenplan

Kultusministerin Julia Willie Hamburg wies die Forderung zurück: »Wir haben schon jetzt einen erheblichen Fachkräftemangel in Niedersachsen«. Insofern sei es unrealistisch, zu suggerieren, man könne den Politikunterricht einfach ausweiten, sagte die Grünenpolitikerin der Nachrichtenagentur dpa.

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Zudem verwies sie auf die Belastung der Schülerinnen und Schüler, die schon heute volle Stundenpläne und lange Tage hätten. »Das heißt, diese Debatte würde immer zulasten anderer Fächer gehen, die aber auch ihre Berechtigung haben.«

Zwar halte sie Politikunterricht für sehr wichtig, betonte die Ministerin. Es sei jedoch verkürzt zu glauben, »dass allein Politikunterricht Demokratiebildung ist«. Politische Themen würden auch in anderen Fächern wie Erdkunde, Geschichte oder Deutsch behandelt.

sun/dpa