Die Spannungen zwischen den USA und Venezuela wachsen seit Wochen. Immer drängender wird die Frage: Wie ernst ist es den USA mit einem Regimewechsel in dem Land und sind sie auch bereit, direkt militärisch einzugreifen? Die vom US-Militär in der Karibik zusammengezogene Streitmacht lässt zumindest Letzteres befürchten. In Caracas gibt sich der autoritäre Staatschef Nicolás Maduro derweil kämpferisch und warnte jüngst vor einem »Sklavenfrieden« mit den USA.
»Wir wollen Frieden, aber Frieden mit Souveränität, Gleichheit und Freiheit«, sagte Maduro am Montag vor Tausenden Anhängern in der Hauptstadt Venezuelas. »Wir wollen keinen Sklavenfrieden, keinen Kolonialfrieden«, fügte der linksgerichtete Staatschef hinzu.
Maduro bei Rede am 1. Dezember 2025
Foto: Juan Barreto / AFPBei der Kundgebung sagte Maduro weiter, sein Land erleide seit 22 Wochen »eine Aggression, die als psychologischer Terrorismus bezeichnet werden kann«. Die USA stellten Venezuela seit 22 Wochen »auf die Probe«. Das venezolanische Volk habe in dieser Zeit »seine Liebe zum Vaterland unter Beweis gestellt«, fügte Maduro hinzu. Er erklärte zuletzt, die US-Regierung wolle ihn stürzen und sich die venezolanischen Ölvorräte sichern.
Angespanntes Telefonat der Präsidenten
Der Ton zwischen den beiden Ländern hatte sich noch weiter verschärft, nachdem US-Präsident Donald Trump den Luftraum über Venezuela am Samstag für »geschlossen« erklärt hatte. Zuvor war am Freitag offenbar eine Frist abgelaufen, die Trump Maduro in einem Telefonat gesetzt hatte. Bis zu diesem Tag hätten er und seine Familie Zeit gehabt, Venezuela unter freiem Geleit zu verlassen.
In dem rund 15-minütigen Gespräch sprachen die beiden nach Informationen des »Wall Street Journal« über Forderungen Venezuelas nach einer Generalamnestie für Maduro, seine hochrangigen Berater und deren Familien. Viele von ihnen sähen sich mit finanziellen Sanktionen der USA und Anklagen konfrontiert, hieß es.
Trump soll Maduro laut dem Bericht gesagt haben, dass die USA andere Optionen in Betracht ziehen, falls er nicht freiwillig seinen Platz räume. Er drohte demnach auch die Anwendung von Gewalt an. Der »Miami Herald« beschreibt Trumps Botschaft in dem Gespräch, das am 21. November stattgefunden haben soll, als »sehr deutlich«.
Am Montag (Ortszeit) wollte Trump mit seinem Sicherheitsstab über das weitere Vorgehen beraten. Zum Inhalt der Gespräche machte das Weiße Haus zunächst keine Angaben.
Seit September hatten die USA mehrere Kriegsschiffe und ihren größten Flugzeugträger vor der Küste Venezuelas in Stellung gebracht . Zudem greifen die US-Streitkräfte auf Befehl Trumps immer wieder die Boote mutmaßlicher Drogenschmuggler in der Karibik und im Ostpazifik an.
Weißes Haus verteidigt seinen »Kriegsminister«
Nach Berichten über einen möglicherweise völkerrechtswidrigen US-Angriff auf ein Boot in der Karibik stellt sich das Weiße Haus hinter Pentagon-Chef Pete Hegseth. Der Minister habe die Operation autorisiert, räumte Sprecherin Karoline Leavitt ein. Zugleich wies sie aber Darstellungen zurück, wonach der Verteidigungsminister (der gern »Kriegsminister« genannt werden möchte) einen zweiten Schlag auf dasselbe Boot persönlich angeordnet habe.
Hintergrund sind Berichte des Senders CNN und der »Washington Post« aus der vergangenen Woche, wonach das US-Militär am 2. September ein angebliches Drogenschmugglerboot in der Karibik zunächst angegriffen und zwei überlebende Männer anschließend durch einen zweiten Schlag getötet haben soll.
Der zweite Angriff könnte laut Experten gegen das Völkerrecht verstoßen haben – die Männer hatten sich der »Washington Post« zufolge an das schwelende Wrack geklammert und stellten keine unmittelbare Bedrohung dar.
Vizepräsidentin Delcy Rodríguez sagte, Venezuela führe einen Kampf, »um sein Land, seine Souveränität und seine Ressourcen zu verteidigen«. Parlamentspräsident Jorge Rodríguez rief die Menschen dazu auf, trotz der »Drohungen«, der »dummen Strategien der psychologischen Kriegsführung«, der »Lügen« und »Verleumdungen« auf die Straße zu gehen, um »die Freude und das Vaterland zu verteidigen«.
